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Interview

Nickelback: "Es gab keinen Plan B"

Sie haben mehr als 50 Millionen Platten verkauft: Nickelback. Wir sprachen mit Bassist Mike Kroeger über die Tücken des Musikgeschäfts und das Leben als Rockstar.



Nickelback
  Foto: Richard Beland

Was darf auf keinen Fall fehlen, wenn Sie auf Tour sind?
Wenn ich auf Tour gehe, nehme ich immer mein Studio mit. Heutzutage passt ja ein komplettes Studio in einen Aktenkoffer. Man weiß nie, was unterwegs so alles passiert. Manchmal nehme ich Ideen spontan auf oder etwas für einen Radiosender. Ein mobiles Studio ist ungemein praktisch.

Gehören Sie zu den Menschen, die neuen Technologien skeptisch gegenüber stehen?
Nein, nein. Wir sind da sehr offen und nehmen unsere Platten seit etlichen Jahren digital auf. Bandmaschinen haben wir schon lange aus dem Studio verbannt. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie viel Zeit es kostete, mit Tonbandgeräten zu arbeiten. Ständig gab es technische Probleme. Die digitale Technologie ist vielleicht nicht perfekt, aber in der Regel funktioniert sie.

Welche Rolle spielt heutzutage des handwerkliche Können für einen Musiker?
In unserer Band wird die Musik immer noch mit der Hand gemacht. Insofern hat sich für uns in den letzten 20 Jahren nichts geändert außer dem Aufnahmemedium. Ich spiele den Bass mit meinem Händen und mein Bruder Chad singt aus voller Kehle. Ich muss feststellen, dass mehr und mehr Musiker ihre Platten wieder analog aufnehmen. Dazu gehört auch mein musizierender Sohn, der sich gerade ein Tonband angeschafft hat. Vielleicht versuchen wir das ja demnächst auch mal wieder.

Wo proben Sie für eine Tour?
Bei mir zuhause. Das funktioniert wunderbar dank der digitalen Technologie. Ich habe unsere gesamte Show in einem einzigen Koffer verstaut. Die höre ich mir im mp3-Format an und spiele meinen Part dazu. Eine Woche vor der ersten Live-Show treffen wir uns dann alle und beginnen mit den Bandproben. Das reicht, wenn jeder seine Hausaufgaben gemacht hat.

Sind Sie süchtig nach Tourneen?
Live-Spielen ist das, was wir schon immer getan haben. Wir schreiben Songs, nehmen Platten auf und gehen auf Tour. Und dann beginnt das Ganze von vorne. Immer wieder. Ich sehe keinen Grund, daran etwas zu ändern.

Haben Sie sich je erschöpft gefühlt?
Ständig! Ich fühle mich manchmal ausgebrannt. Im Studio oder auf Tour. Man lernt mit der Zeit, mit seinen Kräften hauszuhalten. Insbesondere, wenn man regelmäßig auf Tour ist.

Gibt es etwas, was Sie an Ihrem Job nicht mögen?
Nein, nicht wirklich. Ich mache das jetzt schon so lange. Mir macht es Spaß, im Studio zu arbeiten oder live zu spielen. An meinem Job ist nichts langweilig. Selbst den Umstand, dass wir jeden Abend das exakt gleiche Programm spielen, empfinde ich nicht als eintönig. Ich bin auch niemand, dem schnell langweilig wird. Zudem treten wir jeden Abend vor einem anderen Publikum auf. Das macht es wieder spannend. Aber am aufregendsten finde ich, dass wir auf einer Tournee verschiedene Länder sehen.

Wie lange können Sie ohne Musik sein?
Nach einer langen Tour gönne ich mir immer eine Auszeit und fasse wochenlang kein Instrument an. Ich brauche solche Atempausen, damit ich den Spaß an der Musik nicht verliere.

Musiker leben in einer Blase. Vergessen Sie manchmal, wie es ist, in der richtigen Welt zu leben?
Ha! Auf Tournee habe ich tatsächlich manchmal das Gefühl gehabt, in einer Blase zu leben. Man muss sich ja um überhaupt nichts kümmern, wenn man in einem Hotel lebt, man muss eigentlich nur Musik machen. Aber ab dem Moment, wo ich wieder zuhause bin, stehe ich sofort mit beiden Beinen auf dem Boden. Denn zuhause bin ich kein sagenhafter Rockstar! Ich putze, koche, fahre meine Kinder zur Schule. Ich mag die Normalität. Ich habe mich daran gewöhnt, in zwei Welten zu leben.

Warum wollten Sie Rockmusiker werden?
Als ich und die anderen jung waren, sahen wir uns regelmäßig Bands wie Guns’N Roses und Metallica an. Jedes Mal dachte ich, wie toll es doch wäre, von der Musik leben zu können. Wir nahmen dann unsere ersten Songs auf und spielten Konzerte in unserer Stadt. Irgendwann gingen wir auf unsere erste nationale und internationale Tour. Es war nicht so, dass wir das Ziel hatten, Rockstars zu werden. Wir haben einfach nur unsere Arbeit gemacht. Es wurde dann immer größer.

Aus welchen Verhältnissen stammen Sie?
Wir Kroegers kommen aus der Arbeiterklasse. In unserer Familie wurde keine Karrieren geplant. Dafür hatte man vor lauter Arbeit gar keine Zeit. Ich habe u.a. in einem Café, in einem Supermarkt und in einem Holzlager gejobbt. In einem Schlachthof habe ich Hühner zerteilt, danach wurde ich Vegetarier. Nebenher waren Chad und ich als Statisten bei verschiedenen Filmproduktionen tätig.

Hatten Sie einen Plan B in der Tasche, als Sie sich dazu entschlossen, von der Musik leben zu wollen?
Es gab keinen Plan B, aber ich studierte zur selben Zeit Edelsteinkunde. Auf unserer ersten Tour durften meine Lehrbücher nicht fehlen. Ich hatte das Studium gerade erfolgreich abgeschlossen, als Nickelback der Durchbruch gelang. Ich hatte bereits eine Stelle gefunden, aber am Ende entschied ich mich fürs Musikgeschäft und kündigte meinen Job. Mir war von Anfang an klar, dass man als freischaffender Rock’n‚Roller keine finanzielle Absicherung hat, aber ich wollte das unbedingt machen. Am Neujahrstag 1999 spielten wir im Vorprogramm von Kiss im BC Stadium in Vancouver vor 60.000 Leuten. Das war unser großer Durchbruch.

Welche musikalische Ausbildung haben Sie?
Keine professionelle. Man lernt die Grundlagen der Musik in der Schule und dann geht man raus und lernt weiter, indem man einfach drauflosspielt. Es gibt Lektionen, die lernt man nicht in der Schule oder an der Uni. Zum Beispiel, wie man mit Plattenfirmen verhandelt, wie man ein Album in einem Studio aufnimmt oder wie man vor 60.000 Leuten spielt. Diese Dinge kann man eigentlich nur lernen, indem man sie einfach tut.

Manche behaupten, das Musikgeschäft sei wie ein Haifischbecken. Wie ist da Ihre Erfahrung?
Ja, das ist eine sehr akkurate Beschreibung vom Musikgeschäft. Aber seit in der Branche immer weniger zu verdienen ist, wandern die Haie langsam in andere Gefilde ab. Wenn man gegen die Haie im Musikgeschäft bestehen will, muss man selbst zu einem Hai werden und gut aufpassen, dass man seine Seele nicht verkauft. Das ist die große Herausforderung.

Ist es schwer, seine Seele nicht zu verkaufen?
Es gibt Zeiten, da blickt man in einen dunklen Abgrund und man muss aufpassen, nicht hinabzustürzen. Diese Branche ist sehr undurchsichtig.

Was würden Sie als Band niemals tun?
Trends hinterherlaufen. Man kann auch nicht immer Avantgarde sein. Manche Bands werden extrem heiß gehandelt, um im nächsten Moment wieder zu verschwinden. Wenn man eine lange Karriere anpeilt, sollte man eine stabile Vision davon haben, wer man sein und für wen man spielen will.

Wie rebellisch ist Rock’n'Roll heute?
Huah, das ist schwer zu sagen, denn es gibt da draußen nicht mehr viele protestierende Rock’n‚Roll-Bands, die ich kenne. Es hat sich auf jeden Fall geändert. Aber ich finde politisierte und rebellische Künstler grundsätzlich gut.

Gehört Nickelback dazu?
Ich glaube, wir sind nicht vergleichbar mit politischen Bands wie Rage Against The Machine. Aber wir haben eine Meinung. Die Idee hinter dem Album „Feed The Machine“ hat etwas mit Politik zu tun, aber nicht mit Regierungen. Sie lautet: Wir sollten die Maschine, die Gesetz und Ordnung definiert, infrage stellen. Es ist wichtig, sehr genau darüber nachdenken, bevor wir die Kontrolle über unser Leben an die Maschine abgeben.
   

Nickelback auf Tour

Die Rockband geht auf „Feed the Maching 2018“-Tour und tritt am 8. Juni um 19 Uhr in der Olympiahalle in München auf. Karten dafür gibt es bei uns.

Autor

Das Gespräch führte Olaf Neumann
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
23. 04. 2018
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Olaf Neumann

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Veröffentlicht am:
23. 04. 2018
06:00 Uhr



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