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Interview

Wincent Weiss: "Ich empfinde mich nicht als Star"

Wincent Weiss knüpft mit seinem zweiten Album „Irgendwie anders“ an den Erfolg seines Debüts an. Im Sommer und Herbst ist er live zu erleben.



Wincent Weiss
  Foto: Universal Music

Wincent, wie waren denn die Dreharbeiten zu „Sing meinen Song“ in Südafrika?
Wie eine Klassenfahrt. Der Kontakt mit den Kollegen war richtig klasse, und für mich war es irre toll, dass ich trotz meiner doch noch recht jungen Karriere dort mitmachen durfte.

Hatten Sie Zeit, ein bisschen was von Kapstadt und Umgebung zu sehen?
Einmal haben wir mit der ganzen Truppe einen Ausflug zum Haitauchen gemacht. Ansonsten haben wir bis zu 18 Stunden am Tag gearbeitet, das war ganz schön hart, aber supergeil.

Wer von den anderen Musikerinnen und Musikerin hat Sie beeindruckt?
Alle eigentlich. Mit Johannes Oerding bin ich sowieso befreundet, er ist so ein bisschen mein Mentor und gibt mir Tipps – meistens bei ein bis sechs Bier in einer Hamburger Bar. Milow fand ich toll, und Michael Patrick Kelly und seine spannende Lebensgeschichte habe ich vor Ort erst richtig kennengelernt.

Auch aus Ihrem Leben erfährt man einiges auf Ihrem neuen Album. War das so geplant?
Ja, die zweite Platte sollte persönlicher und intimer werden. Ich wollte darüber singen, was bei mir in den letzten zwei Jahren so passiert ist im Leben. Von außen sieht man ja nur die Glitzerwelt.

Bleibt denn überhaupt noch Zeit für Privates?
Ich musste schon sehr stark zurückschrauben. Das ist auch der einzige Negativpunkt am Erfolg: Man hat einfach sehr wenig Zeit für Freunde, die Familie, eine Freundin.

In „Pläne“, einer schönen akustischen Ballade, singen Sie über das Ende einer Beziehung. Eine wahre Geschichte?
Ja. Ich habe das Lied relativ schnell nach unserer Trennung geschrieben, „Pläne“ war praktisch der Startschuss für das zweite Album. Meine damalige Freundin und ich, wir waren ewig zusammen. Und die ganzen gemeinsamen Pläne, die gab es wirklich. Wir sprachen über Kinder, wir haben uns schon zusammen Ringe angeguckt. Dass unsere Liebe kaputtgegangen ist, auch wegen des Rumreisens und der Zeit, die ich mir für die Musik und nicht für sie genommen habe, das ist schon sehr schade.

Wie alt waren Sie, als Sie mit ihr übers Heiraten gesprochen haben?
24. Wenn die richtige Person da ist, dann fühlt man sich bereit und nicht zu jung. Papa zu werden, das wäre allerdings noch ein bisschen zu früh gewesen, Trotzdem merke ich, dass dieser Familienwunsch bei mir stark ausgeprägt ist. Ich will ein junger Vater sein, um so fit zu sein, dass ich möglichst viel mit meinem Kind machen kann.

In „Kaum erwarten“ geht es um „Haus, Kind und Garten, vielleicht in ein paar Jahren“.
Der Song ist nach „Pläne“ entstanden. Im Moment bin ich Single und habe das alles nicht. Aber ich wünsche mir, dass meine Vorstellungen und Träume vom Leben eines Tages wahr werden. Auch wenn eine Beziehung kaputt geht, endet ja nicht der Wunsch nach einer eigenen Familie.

Der Text zu „Irgendwie anders“ lässt jedoch vermuten, dass Sie neu verliebt sind.
Es gab noch eine Person in meinem Leben, der dieser Song gewidmet ist. Leider hat es nicht funktioniert.

„Hier mit dir“ haben Sie Ihrem besten Freund gewidmet. Was haben Sie für ein Verhältnis?
Ein sehr enges. Wir kennen uns quasi seit meiner Geburt. Marco (Marko?) ist wie ein Bruder für mich, wir wurden sogar im Zwillingskinderwagen geschoben. Nach dem Kindergarten bin ich oft mitgegangen zu seiner Familie, seine Eltern haben mich teilweise mit großgezogen.

Wohnen Sie zusammen?
Leider nicht. Er lebt mit seiner Freundin in Scharbeutz an der Ostsee, nicht weit entfernt von dem Dorf, in dem wir aufgewachsen sind.

Und Sie leben noch in Berlin?
Nein, ich bin Ende 2017 in Berlin ausgezogen und zurück in den Norden gegangen. Wenn ich zuhause bin, schlafe ich bei meiner kleinen Schwester im Zimmer. Ansonsten bin ich ja eh meistens im Tourbus oder in Hotels.

Und wo schläft Ihre Schwester dann?
Zusammen mit meiner Mama im Bett.

Wie alt ist Ihre Schwester?
Sie ist gerade 15 geworden, und ich habe ein schlechtes Gewissen, dass ich jetzt schon drei Jahre hintereinander nicht mehr zu ihrem Geburtstag zuhause war. Nächstes Jahr, wenn sie 16 wird, bin ich auf jeden Fall da. Wir werden zusammen eine kleine Halle mieten und zusammen mit ihren Freunden und meinen Freunden richtig toll feiern.

Kommen Sie gut mit Ihrer Prominenz zurecht?
Ja, ich bin da lässig. Ich empfinde mich nicht als Star. Ich bin noch derselbe Typ wie vor drei oder fünf Jahren. Ich will gar nicht anders behandelt werden als früher. Ich sehe mich als Dorfjungen, der Musik macht.

Haben Sie noch Zeit zum Skateboard fahren?
Nur noch ganz selten. Im Tourbus ist das Board trotzdem immer mit dabei.

Was haben Sie sich nach Ihrem Erfolg gegönnt?
Noch gar nichts. Meine Mutter achtet sehr darauf, dass ich mit dem Geld keine krassen Sachen mache. Sie kümmert sich um meine Buchhaltung und um die Steuern. Wenn ich etwas ausgebe, ruft sie fünf Minuten später an und schimpft. Ich will aber sowieso das Geld zusammenhalten. Irgendwann würde ich gern auf dem Dorf ein kleines Häuschen im Garten haben, dafür spare ich schon mal.

Alles in allem waren die Popstars auch schon mal ausgeflippter.
Ich bin sehr bodenständig aufgewachsen. Ich komme vom Dorf, unser Leben war nicht fancy. Und ich will mein Leben nicht verändern, nur weil ich Erfolg habe. Meine Kindheit war superschön, ich kannte den Bäcker und den Fleischer. So sollen auch meine Kinder mal aufwachsen.

„1993“ ist eine recht harte und böse Abrechnung mit Ihrem Vater, den Sie nie kennengelernt haben. Welche Geschichte steckt dahinter?
Den Song habe ich schon vor vier Jahren geschrieben. Ich finde, auch wenn die Eltern sich trennen, sollten beide Elternteile weiter für die Kinder da sein. „1993“ ist praktisch ein Lied an mich selbst. Ich verspreche darin, falls ich mal Vater werde, will ich mich, egal, was mit der Beziehung auch ist, immer um meine Kinder kümmern.
   

Wincent Weiss auf Tour

Der Sänger und Songschreiber tritt auf seiner „Irgendwie anders Sommer Tour“ am 27. Juli um 20 Uhr auf Schloss Eyrichshof bei Ebern auf. Im Herbst setzt er die Tour fort und gastiert am 14. November um 19 Uhr in der Arena in Nürnberg. Karten gibt es im Ticketshop unserer Zeitung.

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Das Gespräch führte Steffen Rüth
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
06:00 Uhr

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Das Gespräch führte Steffen Rüth

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Veröffentlicht am:
17. 06. 2019
06:00 Uhr



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