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Martina Roos, Koordinatorin des Demenz-Netzwerkes-Coburg weiß, was Demenz für Betroffene und Angehörige bedeutet

„Sie müssen Demenz nicht alleine durchstehen!“

Aktuell sind in Coburg etwa 3 000 Menschen von Demenz betroffen, laut einer Studie des Gesundheitsamtes. Durch den demografischen Wandel wird in naher Zukunft die Zahl der Betroffenen noch weiter ansteigen.



Kontakt: Martina Roos, LRA Coburg
Telefonnummer: 09561/514-3220
martina.roos@landkreis-coburg.de

Weitere Infos auch unter:
www.demenz-netzwerk-coburg.de

Martina Roos ist Koordinatorin des Demenz-Netzwerkes-Coburg.
Martina Roos ist Koordinatorin des Demenz-Netzwerkes-Coburg.

Mit der Veranstaltungsreihe zur ersten Bayerischen Demenzwoche 2019 möchte das Demenz-Netzwerk-Coburg von 13. bis 22. September mit unterschiedlichen Veranstaltungen, auf unterschiedliche Weise über Demenz aufklären.

Die Koordinatorin des Demenz-Netzwerkes-Coburg und Sozialpädagogin Martina Roos weiß, was Demenz für Betroffene und Angehörige bedeutet und wie wichtig ein Netzwerk als erste Anlaufstelle sein kann.

Welche Motivation hatten Sie, ein Demenz -Netzwerk zu gründen?

Martina Roos: Diese regionale trägerübergreifende Zusammenarbeit gibt es seit vielen Jahren als Untergruppe der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft des Standardversorgungsgebietes Coburg/Kronach/Lichtenfels (kurz PSAG).

Es handelt sich um den gerontopsychiatrischen Arbeitskreis, der sich mit psychiatrischen Erkrankungen im Alter befasst. Die häufigsten Krankheitsbilder sind Demenzerkrankungen und leichte bis schwere depressive Störungen. Und da die Anzahl der Betroffenen, die an Demenz erkranken, jährlich steigt, sahen wir darin Bedarf, die Arbeit im Netzwerk auf das Krankheitsbild Demenz zu fokussieren.

Für uns steht die Öffentlichkeitsarbeit an erster Stelle. Über das Krankheitsbild aufzuklären und die regionale Versorgungslandschaft darzustellen, also Betroffenen und Angehörigen Transparenz über mögliche Anlaufstellen für Beratung und Hilfe zu vermitteln. Dem Gesundheitsamt kommt hier nur die Koordination der Arbeit innerhalb des Netzwerkes zu.

Wie viele Institutionen sind in diesem Arbeitskreis vertreten?

M. Roos: Es sind vielmehr Akteure und Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen der Altenhilfe, wie zum Beispiel aus dem ambulanten und stationären Pflegebereich, aus Beratungsstellen oder klinischen Bereichen. Derzeit bestehen wir aus ca. 40 aktiven Mitgliedern. Wenn gewünscht, kommen wir auch nach Hause, um vor Ort die Betroffenen und Angehörigen über Demenz, deren Verlauf und über eventuelle Vorkehrungen aufzuklären, damit diese so lange wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld wohnen bleiben können.

Ab wann können sich Betroffene an sie wenden?

M. Roos: Immer! Erste Anlaufstelle könnte z.B. auch die Fachstelle für Pflegende Angehörige in Coburg sein, diese bietet auch Sprechzeiten in den Landkreiskommunen an. Oder der Pflegestützpunkt in Coburg, der umfängliche Beratung und Hilfe anbietet. Gerne helfen wir auch vom Sozialdienst des

Gesundheitsamtes im Rahmen der Einzelfallhilfe. Oftmals ist es aber so, dass sich viele diese Krankheit nicht eingestehen wollen bzw. es überspielen. Die 3 000 Betroffenen in Coburg sind nur die, bei denen die Diagnose von einem Arzt

gestellt wurde. Die Dunkelziffer ist jedoch viel höher. Es kann durchaus vorkommen, dass nicht nur alte Menschen an Demenz erkranken können. Sie kann bereits schon mit Mitte 60 auftreten.

Wie kann man eine Demenz vorbeugen - was hilft wirklich?

M. Roos: Es heißt zwar, man kann eine Demenz nicht heilen, aber man kann ihr sprichwörtlich den Kampf ansagen, indem man zum Beispiel verschiedene Hobbys ausübt oder regelmäßiges Gedächtnistraining macht. Aber auch soziale Kontakte sind sehr wichtig und

natürlich eine gesunde Lebensführung, dazu zählt die Ernährung und ausreichend Bewegung.

Was können Sie Betroffenen und Angehörigen raten?

M. Roos: Auf jeden Fall Hilfe suchen und sich nicht verstecken. Das gleiche gilt für Angehörige. Viele wollen es alleine schaffen und die Pflege selbst in die Hand nehmen. Doch leider geht das nur eine gewisse Zeit gut.

Schließlich sind wir alle nur Menschen und brauchen auch Zeit Mensch zu sein. Besonders Demenz ist für die Angehörigen eine Zerreißprobe zwischen Liebe und Verzweiflung, da Menschen mit Demenz ihr Wesen komplett verändern können. Das Kurzeitgedächtnis ist so gut wie nicht mehr vorhanden. Die Veranstaltungsreihe im September soll ein Anlaufpunkt für alle sein, nicht nur für Betroffene sondern auch für Angehörige und Pflegepersonal.  je

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