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Wenn der Sommerurlaub daheim stattfindet

Auch wenn der Tourismus langsam wieder anläuft: Viele Urlaubsreisen fallen wegen der Corona-Krise ins Wasser. Wer es sich leisten kann, hübscht stattdessen den eigenen Garten auf.



Erholung in einer Hängematte
Viele Menschen könnten in diesem Jahr auf einen Urlaub verzichten und die freie Zeit zum Heimwerken nutzen.   Foto: Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Warum in die Ferne schweifen, wenn man es sich auch in den eigenen vier Wänden gemütlich machen kann? Viele Menschen scheinen aus der Corona-Krise eine Tugend zu machen, indem sie ihre unverhoffte Freizeit oder eine abgesagte Reise für die Verschönerung des eigenen Zuhauses nutzen.

Gartenmöbel, Hängematten oder sogar ein Pool - mancher Hersteller verzeichnet gerade jetzt eine gestiegene Nachfrage. Allerdings bedeutet auch in dieser Branche nicht jede Warteschlange gleich einen reißenden Umsatz.

Hohe Nachfrage nach Fertigpools

Einer der nach eigenen Angaben führenden deutschen Hersteller von Fertigschwimmbecken ist Riviera Pool im emsländischen Geeste. Der Familienbetrieb mit rund 200 Mitarbeitern ist schon lange im Geschäft, seit 1964. Über die vergangenen Wochen sagt Marketingleiter Uwe Rengers: «Es ist jetzt ein bisschen verrückt.»

Zwar sei Riviera Pool der öffentliche Bereich - Pools auf Schiffen und in Hotels - als Abnehmer coronabedingt weggebrochen. «Da ist erstmal Ebbe.» Aber bei den Privatkunden sei die Nachfrage dafür deutlich höher. Besonders deutlich werde das bei den sogenannten Kompaktpools, kleine Schwimmbecken von etwa zwei mal vier Metern in einer Preiskategorie von 15.000 bis 20.000 Euro. Rund 50 Stück davon wurden Rengers zufolge zuletzt in einer Woche bestellt, fast doppelt so viele wie üblich. Und auch von den großen Pools seien von Anfang Januar bis Ende April mehr verkauft worden, 269 statt 259 - obwohl die Krise der Akquise mit Ausstellungen und Aktionstagen den Stecker gezogen habe.

Zum ersten Mal müsse der Betrieb zur Abholung der Becken auch externe Spediteure einsetzen, weil der eigene Fuhrpark ausgelastet ist. «Das ist schon irre», sagt Rengers. «Es ist immer noch genug Geld da. Die Leute vergolden ihr Zuhause.»

Online-Geschäft boomt

Ähnliches weiß Cornelius Grisar von La Siesta zu berichten. Der Geschäftsführer sagt, dass sich das Online-Geschäft des Hängematten-Herstellers aus Rheinhessen seit Ausbruch der Krise verdreifacht habe. Verluste aus dem stationären Handel ließen sich damit kompensieren. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei der Umsatz im April sogar um 85 Prozent nach oben geschnellt. «Wir haben im April 2020 den besten Umsatz in unserer 29-jährigen Firmengeschichte verzeichnet, und wir gehen davon aus, dass wir die neue Bestmarke im Juni abermals toppen werden.»

Die hohe Nachfrage habe aber auch strukturelle Auswirkungen. So habe La Siesta kurzfristig sein Lager umgebaut und Nachtschichten eingeführt. «Die große Herausforderung für uns besteht darin, trotz der erhöhten Nachfrage Kontaktbeschränkungen unter den Mitarbeitern zu halten, und das erweist sich als schwierige Aufgabe», sagt Grisar. Insbesondere bei Produkten, die in Indien hergestellt werden, gebe es zudem Lieferengpässe.

Für Grisar ist die Sehnsucht nach der Hängematte in Krisenzeiten dabei keine neue Erkenntnis. «Geht es der Wirtschaft und den Menschen nicht gut, erhält unser Produkt erhöhte Aufmerksamkeit und Nachfrage», erzählt er. Früher oder später werde sich die Situation aber auch wieder einpendeln. Im nächsten Jahr werde La Siesta wohl wieder auf dem Niveau des Vorjahres liegen.

Heimwerken statt Urlaub

Eine Einschätzung, die der Pool-Experte Rengers teilt. «Wir können uns gut vorstellen, dass es irgendwann eine Delle gibt. Da müssen wir bei aller Euphorie auch realistisch sein», sagt er.

Schlangestehen müssen viele Kunden in diesem Frühjahr dagegen noch vor den Baumärkten. Die Warteschlangen draußen bedeuteten aber nicht automatisch, dass drinnen auch die Kasse klingelt, betont die Kette Hagebau aus Soltau. Umsatzsteigerungen im Vergleich zum Vorjahr seien bisher nicht festzustellen. Allerdings: Neben Saisonartikeln wie Pflanzen, Erde und Grillzubehör seien derzeit auch Produkte zur Renovierung wie Farben, Pinsel und Spachtel stärker gefragt.

«Wir gehen aktuell davon aus, dass in diesem Jahr viele Menschen keinen Urlaub machen - und stattdessen das eigene Zuhause verschönern», heißt es von Hagebau. «Dadurch gibt es unter Umständen einen Nachholeffekt, so dass wir am Ende des Jahres vermutlich einen Umsatz erzielen können, wie wir ihn im vergangenen Jahr für dieses Jahr geplant haben.» Wenn sich das Reiseverhalten wieder normalisiere, werde sich das aber auch in der Nachfrage spiegeln.

Veröffentlicht am:
03. 06. 2020
13:14 Uhr

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Autor

dpa

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Veröffentlicht am:
03. 06. 2020
13:14 Uhr



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