Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: 30 Jahre WiedervereinigungCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Der neue Wohntrend ist der Urlaub

Welche Dekorationen bei der Einrichtung und Dekoration im Trend sind, zeigten die ersten Messen zum Jahresbeginn 2020 - und dann kam unerwartet Corona. Was hat sich verändert?



Urlaub zu Hause
Sich einrichten, als wäre man nicht zu Hause, sondern in einem exotischen Urlaubsland - das ist einer der neuen Wohntrends in der Folge der Corona-Pandemie.   Foto: Franziska Gabbert/dpa-tmn » zu den Bildern

Ein Trend entsteht eigentlich nicht plötzlich: Über Jahre baut sich das gesellschaftliche Interesse daran auf, bis ein Trend seinen Höhepunkt erreicht - und damit für uns im Handel auch wirklich als Trend bemerkbar ist.

Doch Corona hat unseren Alltag, unsere Gefühle und die zumindest zeitweisen Lebensumstände von gefühlt heute auf morgen verändert. Was hat das mit den Trends gemacht?, fragt der dpa-Themendienst Nicolette Naumann, Trendexpertin und Bereichsleiterin der Konsumgütermesse Ambiente in Frankfurt.

Haben sich Wohn- und Alltagstrends durch Corona verändern?

Nicolette Naumann: Es ist ja nicht so, dass die Welt das erste Mal eine Katastrophe erlebt. Aber wir in einem westlichen wohlhabenden Staat mit gutem Sozialsystem hatten das lange nicht mehr - und auch nicht zeitgleich auf der ganzen Welt.

Ich glaube aber, dass sich insgesamt weniger langfristig verändern wird, als man glauben könnte. Der Mensch hat einen restaurativen Charakter, er will schnell zurück in sein gewohntes Leben und in sein bekanntes Umfeld. Wir werden jetzt nicht alle zu Stubenhockern.

Trotzdem nimmt die Situation durchaus merkwürdige Züge an. Seit zum Beispiel Sylt wieder aufgemacht hat, wollen alle nach Sylt - selbst jene, die noch nie dort waren oder bislang nicht dorthin wollten.

Die Krise rüttelt völlig neue Gefühle wach - Ängste, Sorgen. Wie wirkt sich das Wohnen aus?

Naumann: Wir neigen dazu, uns in so einer Krise erst mal sehr stark auf das zu konzentrieren, was anstrengend ist - etwa die Kinderbetreuung und das Homeschooling. Aber ich höre auch viele Berichte von Eltern, die inzwischen auch Positives in der Situation sehen.

Sie erleben ihre Kinder stärker im Alltag, sie verbringen viel mehr Zeit mit ihnen. Sie lernen zusammen, sie kochen zusammen, sie bepflanzen den Balkon gemeinsam. Wir rechnen damit, dass das, was in der Krise aus einer Notwendigkeit heraus entstanden ist, jetzt zu einem echten Trend wird.

Welcher Trend ist für Sie im Moment am deutlichsten?

Naumann: Wir bereiten mehr Essen selbst zu. Wer von uns Berufstätigen hat zuletzt konstant über Wochen zwei Mahlzeiten am Tag für die ganze Familie zubereitet? Jetzt war das notwendig. Das hat sich im Handel niedergeschlagen: Zahlen zeigen, dass die Nachfragen nach Zubehör fürs Backen und Kochen um ein Vielfaches gestiegen sind.

Auch für Container zum Aufbewahren von Essen gilt das - und die sind auch nach dem Lockdown stark gefragt, etwa für Picknicks beim Ausflug. Oder im Büro, weil die Kantinen noch geschlossen haben.

Das Food-Storage war übrigens vorher schon ein Trend, es gibt zunehmend stylishe und praktischere Container auf dem Markt - der Nachhaltigkeit wegen. Aber das Interesse dafür konzentrierte sich noch auf ein kleines Milieu jetzt wird daraus erst ein breiter Trend.

Gleiches gilt für handliche Küchengeräte - ein Trend, weil es immer mehr Singlehaushalte gibt. Nun gibt es auch verstärkt Interesse daran, weil sie zum Beispiel für Kinderhände besser geeignet sind.

Flacht das Interesse an solchen Produkten nicht wieder ab, wenn der Alltag sich normalisiert?

Naumann: Werden die meisten von uns in Zukunft auch zweimal am Tag für die ganze Familie zu Hause kochen? Und so viel backen? Sicher nicht. Aber ich bin der Meinung, dass die Idee, mehr selbst zu kochen, zu backen und das auch gemeinsam mit den Kindern zu machen, auch künftig erhalten bleibt.

Viele Menschen verbringen in diesem Jahr mehr Zeit zu Hause, arbeiten sogar dort. Dekoriert man dann anders?

Naumann: Der Balkon und die Terrasse werden gerade stark eingerichtet. Da viele Menschen in diesem Jahr im Urlaub nicht wegfahren werden, verändert sich hier etwas: Bislang gab es einen Fokus auf die neue Landlust - man holte sich also etwas Natur ins Haus, gerade in der Stadt.

Nun gehen wir davon aus, dass verstärkt das Fernweh in Form von Dekorationen thematisiert wird. Man holt sich also andere Regionen, die man aktuell nicht oder nur mit Umständen bereisen kann, nach Hause - das reicht von Italien und Griechenland bis zur Südsee. Immer der Ort, der bei jedem einzelnen eine Sehnsucht anspricht.

Und die Küche bekommt vermehrt einen Fokus, wird wohnlicher. Die Menschen brauchen jetzt zu Hause jeden Raum, der ihnen zur Verfügung steht. Man arbeitet etwa viel am Küchentisch, also wird der Raum noch stärker genutzt.

© dpa-infocom, dpa:200612-99-404185/2

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
13:59 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Balkon Container Emotion und Gefühl Gesellschaft und Bevölkerungsgruppen Kinder und Jugendliche Krisen Küchenmaschinen und Küchengeräte Küchentische Sozialsysteme Wohnen
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Kuschelecke

17.08.2020

So entsteht mehr Raum im Kinderzimmer

Ein kleines Kinderzimmer kann man mit einigen Tricks optisch größer zaubern. Und auch die richtigen Möbel können mehr Platz schaffen. Was Eltern bei der Einrichtung beachten sollten. » mehr

Vernetzte Spülmaschine

31.08.2020

Ausblick auf die IFA: Smarthome trotz Corona

Die Corona-Pandemie wirft ihre Schatten auf die IFA: Die Elektronikmesse findet in diesem Jahr hauptsächlich virtuell statt. Einige Hersteller von Elektrogeräten haben vorab erste Neuheiten verraten. » mehr

Gute Nachbarschaft während der Corona-Krise

04.05.2020

Gute Nachbarschaft auch abseits der Corona-Krise wichtig

Manchmal kennen Nachbarn die anderen Hausbewohner gar nicht. Bis auf einen knappen Gruß im Hausflur besteht kein Kontakt. Dabei ist ein gutes Verhältnis vorteilhaft - nicht nur in Zeiten von Corona. » mehr

Optisch gut eingefügt

31.08.2020

Darauf muss man im Homeoffice achten

Corona hat gezeigt: Homeoffice funktioniert. Arbeitet man allerdings dauerhaft von daheim aus, sollte man sich nicht nur den Standort für den Schreibtisch genau aussuchen. Sonst scheitert die Heimarbeit. » mehr

Mini-Gerät von WMF

10.02.2020

Die schicken neuen Küchenwaren

Einen Toaster oder einen Mixer würde man gemeinhin nicht als Dekoration bezeichnen. Doch viele Geräte sollen nicht mehr nur gut funktionieren - sondern auch gut aussehen. Das hat seinen Grund. » mehr

Pool im eigenen Garten

13.07.2020

Was für die Privatpool-Planung wichtig ist

Der eigene Pool im Garten: Was wie ein Traum klingt, ist durchaus machbar. Denn ein Schwimmbecken muss nicht immer teuer sein. Allerdings sollte man einige Voraussetzungen beachten vor dem Kauf. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
26. 06. 2020
13:59 Uhr



^