Lade Login-Box.
zum Digital-Abo
Topthemen: Urlaub daheimCoronavirusBlitzerwarnerVideosCotube

 

Worauf Mieter in der Corona-Krise achten müssen

Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus führen bei vielen zu finanziellen Engpässen. Die Miete kann da zu einem Problem werden. Bei Mietschulden darf aber nicht einfach gekündigt werden.



Worauf Mieter in Corona-Zeiten achten müssen
Die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus führen bei vielen zu finanziellen Engpässen. Die Miete kann da zu einem Problem werden.   Foto: Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn » zu den Bildern

Kurzarbeit, Kündigung oder schlicht keine Aufträge mehr - die Corona-Krise schlägt bei vielen finanziell voll durch. Doch die laufenden Kosten wollen bezahlt werden. Zum Beispiel die Miete.

Das Problem: Entsteht ein Zahlungsrückstand von mehr als einer Monatsmiete, dürfe der Vermieter grundsätzlich fristlos kündigen, stellt Jutta Hartmann vom Deutschen Mieterbund (DMB) klar. Auf den Grund, warum der Mieter nicht zahlen konnte, komme es dann nicht mehr an.

Doch es gibt eine gute Nachricht: Wer aufgrund der derzeitigen Situation zum Beispiel seinen Job verloren hat und Probleme mit der Mietzahlung bekommt, muss nicht fürchten, auch nun noch die Wohnung zu verlieren.

Erleichterungen für betroffene Mieter

Denn Bundestag und Bundesrat haben ein Gesetz beschlossen, das Mietern helfen soll. Danach darf ihnen nicht gekündigt werden, wenn sie bis Ende Juni wegen der Corona-Krise in Zahlungsschwierigkeiten geraten. «Dafür müssen sie ihrem Vermieter allerdings glaubhaft machen, dass das tatsächlich an der Virus-Pandemie liegt», sagt Gerold Happ vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland.

Wichtig in diesem Zusammenhang: «Die Verpflichtung zur Zahlung der Miete bleibt im Grundsatz bestehen», erklärt Hartmann. «Mieter sind die Summe also weiter schuldig.» Begleichen müssen sie ihre Schulden innerhalb der kommenden zwei Jahre - also bis spätestens Juni 2022.

Mietzahlung nicht kommentarlos einstellen

Jetzt einfach die Miete nicht zu überweisen, ist aber keine gute Idee. «Sie müssen den Vermieter schon darüber informieren, dass Sie derzeit nicht zahlen können», sagt Happ. Wer das nicht macht, riskiert nämlich trotzdem die Kündigung. Denn der Schutz des neuen Gesetzes greift ausdrücklich für diejenigen, die von der Corona-Krise betroffen sind. «Den Nachweis muss ich von mir aus erbringen», sagt Happ.

Und wie? «Einen Offenbarungseid müssen Sie nicht leisten», sagt Happ. «Aber einen Zusammenhang mit der derzeitigen Lage muss man dem Vermieter schon darlegen.» Das kann auf vielen Wegen geschehen, zum Beispiel durch die Vorlage der Kündigung des Arbeitgebers oder Absagen von Projekten oder Veranstaltungen oder einem Kontoauszug, aus dem hervorgeht, dass kein Geld mehr eingeht.

«Vermieter dürfen aber auch nicht zu viele Nachweise verlangen», erklärt Jutta Hartmann. «Eine eidesstattliche Versicherung sollten Mieter besser nicht abgeben, auch wenn das Gesetz diese Möglichkeit nennt», sagt die Sprecherin des Mieterbundes. «Das kann später ein Nachteil sein.»

Mit Vermieter ins Gespräch kommen

Um Probleme oder Missverständnisse zu vermeiden ist es jetzt wichtig, dass Mieter und Vermieter ins Gespräch kommen. «Viele kleine Vermieter sind ja selbst von der Krise betroffen», sagt Happ. «Oft lassen sich im Gespräch Lösungen finden.» An schnellen Kündigungen seien private Vermieter meist nicht interessiert. «Für eine leerstehende Wohnung bekomme ich am Ende ja auch nichts.»

Auch Jutta Hartmann rät, sich mit dem Vermieter über Alternativen Gedanken zu machen. «Die Miete könnte zum Beispiel gestundet werden», erklärt sie. Damit könnte der Zeitpunkt der Fälligkeit vielleicht so gelegt werden, dass der betroffene Mieter dann wieder zahlen kann. «Oder die Miete wird vorübergehend reduziert.» Mieter könnten auch mögliche Wohngeldansprüche prüfen.

Wichtig zu beachten: Die Mietschulden, die aufgrund der Corona-Krise entstehen, müssen verzinst werden. Die Verzugszinsen orientieren sich am offiziellen Basiszins. Vermietern stehen 5 Prozentpunkte über diesem Basiszins zu. Derzeit müssen Mieter also laut Happ mit etwa 4 Prozent Zinsen auf ihre Schulden rechnen.

Rückzahlungsplan vereinbaren

Am besten ist es, sich auch gleich über die Rückzahlung zu verständigen. «Gesetzlich geregelt ist es nicht, wie Sie das Geld zurückzahlen müssen», erklärt Hartmann. «Ob das nach und nach passiert oder auf einen Schlag ist also eigentlich egal.» Dass das Geld zurückgezahlt werden muss, daran geht aber kein Weg vorbei.

Mieter und Vermieter sollten versuchen sich so zu einigen, dass für beide Seiten Planungssicherheit besteht. So könnte zum Beispiel Ratenzahlung vereinbart werden. Mieter können so verhindern, dass sie durch die zusätzliche Zahlung wieder in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Vermieter wiederum haben so einen Überblick darüber, wann sie mit den Zahlungen rechnen können.

Auf was auch immer sich Mieter und Vermieter einigen, eines ist aus Sicht von Hartmann dabei wichtig: «Vereinbarungen sollten aus Beweisgründen schriftlich erfolgen.»

Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
12:27 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Abgaben Arbeitgeber Deutsche Bundesbank Deutscher Bundesrat Deutscher Bundestag Deutscher Mieterbund Krisen Mieten Mieterinnen und Mieter Monatsmieten Probleme und Krisen Vermieter Zahlungsrückstände Zahlungsschwierigkeiten
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


Mehr zum Thema
Modernisierungskosten

11.08.2020

BGH schützt Mieter vor überhöhten Modernisierungskosten

Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs stärkt die Rechte von Mietern. Demnach dürfen in Modernisierungsumlagen keine Kosten enthalten sein, die in absehbarer Zeit für Instandhaltungsarbeiten anfallen würden. » mehr

Schönheitsreparatur

08.07.2020

Mieter und Vermieter sollen sich das Renovieren teilen

Das Problem ist keine Seltenheit: Eine Wohnung müsste dringend hergerichtet werden. Aber weder Mieter noch Vermieter sehen sich in der Pflicht. Der Bundesgerichtshof versucht sich an einem salomonischen Urteil - und ernt... » mehr

Mietvertrag

03.08.2020

Mietverträge enthalten oft unzulässige Klauseln

Jährlich werden über zwei Millionen Mietverträge neu abgeschlossen. Doch viele Verträge enthalten unwirksame Vertragsregelungen. Was nun? » mehr

Befristeter Mietvertrag

20.07.2020

Für Wohnen auf Zeit gelten klare Regeln

Nicht immer ist ein Mietvertrag unbefristet. Wer einen Mietvertrag auf Zeit unterschreibt, sollte genau hinschauen. Denn an Zeitverträge sind strenge Regeln geknüpft. » mehr

Fahrstuhl

20.07.2020

Aufzug muss rund um die Uhr betriebsbereit sein

Ein Aufzug im Haus kann eine echte Erleichterung sein. Vorausgesetzt natürlich, er funktioniert. Fällt er mal aus, ist vor allem der Vermieter gefragt. » mehr

Hausmeister-Ausgaben in der Betriebskostenabrechnung

13.07.2020

Was Mieter für den Hausmeister zahlen müssen

Über ihre Betriebskosten zahlen Mieter meist auch für einen Hausmeister. Doch Vermieter dürfen nicht alle Ausgaben umlegen. Für einige Tätigkeiten müssen Mieter nichts zahlen. » mehr

Autor

dpa

Kontakt zur Redaktion

Veröffentlicht am:
01. 04. 2020
12:27 Uhr



^
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.