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Söder kündigt Lockerungen für Schulen, Kitas und Senioren an

Ministerpräsident Söder kündigt an, die strikten Vorgaben für Seniorenheime und Kitas zu lockern. Familien sollen entlastet werden. Unterdessen starten Schulen und Handel wieder durch.



Markus Söder
Markus Söder, CSU-Vorstandsvorsitzender und Ministerpräsident von Bayern.   Foto: Peter Kneffel/dpa

München - Ministerpräsident Markus Söder hat weitere Erleichterungen bei den geltenden Corona-Beschränkungen in Aussicht gestellt. So werde in dieser Woche darüber beraten, ob die strengen Kontaktverbote in Alten- und Pflegeheimen "ganz sensibel" gelockert und die Rückkehr von Kindern und Jugendlichen in Schulen und Kitas ausgeweitet werden könnten, erklärte Söder nach einer virtuellen Vorstandssitzung der CSU. Man werde dies umsichtig planen und keine Experimente mit der Gesundheit der Bürger zulassen.

Hoffnung machte Söder zudem den Gastronomen in Bayern. Für die Branche gebe es "viele kreative Ideen", mit denen eine teilweise Öffnung "bis Ende Mai" möglich werden könne.

Der Bayreuther Gesundheitswissenschaftler Eckhard Nagel fordert im Gegenzug eine möglichst rasche Öffnung von Kitas. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte Nagel: "Für die Schließung von Kitas bis über die Sommerferien hinaus gibt es derzeit keine medizinisch-wissenschaftliche Begründung."

Hintergrund der Überlegungen sind laut Söder "die sehr, sehr guten Zahlen" für Bayern. Aus den Daten des Landesamtes für Gesundheit geht hervor, dass die Reproduktionsrate bei Corona-Infektionen derzeit bei 0,57 liegt. Damit steckt jeder Infizierte statistisch deutlich weniger als eine weitere Person an, die Ausbreitung des Virus bremst sich spürbar ab. Bis Montag um 10 Uhr verzeichnete das Landesamt 41 415 Infizierte in Bayern, nur 120 mehr als am Tag davor. Der tägliche Zuwachs pendelt sich damit im Durchschnitt der vergangenen Tage bei etwas mehr als einem Prozent ein. Die Zahl der Corona-Toten stieg um 23 auf 1636.

Söder erklärte, die Lage der Familien stehe diese Woche im Mittelpunkt der Beratungen. Um der Vereinsamung von alten und pflegebedürftigen Menschen entgegenzuwirken, plant Söder, das bestehende Besuchs- und Kontaktverbot in Alten- und Pflegeheimen "sehr, sehr reduziert mit hohem Schutzaufwand" zu lockern. Damit soll zumindest der Besuch durch eine feste Person möglich werden. Für die Kitas hofft Söder auf belastbare Forschungsergebnisse, wonach die Ansteckungsgefahr gerade durch kleine Kinder äußerst gering sei. Sollte sich das bestätigen, könne über eine schrittweise schnellere Öffnung der Kitas nachgedacht werden. Sympathie zeigte Söder für den Vorschlag, feste Betreuungsgruppen aus zwei oder drei Familien zu bilden. Das hatten die Grünen in der Vorwoche ins Gespräch gebracht.

Für die Schulen gab Söder das Ziel aus, "dass vor Pfingsten jeder Schüler zumindest einmal wieder in der Schule war". Die Lehrerverbände hätten dafür "gute pädagogische Konzepte" vorgelegt, die nun abgestimmt und mit den Interessen von Eltern und Schülern verzahnt werden müssten. Es gehe darum, die Schulfamilie "unter maximalen Schutzmaßnahmen ganz langsam und vorsichtig wieder an den Schulalltag heranzuführen". Als mögliche Maßnahmen nannte Söder eine Reduzierung des Unterrichts auf die Kernfächer sowie einen Schichtbetrieb an Vor- und Nachmittagen oder im täglichen Wechsel.

Insgesamt bleibe der "Kurs der Umsicht und Vorsicht" Leitlinie seiner Corona-Politik, sagte Söder. Er warnte auch davor, den medizinischen Rat der Virologen bei der weiteren Bewältigung der Krise zu ignorieren. Das wäre "unglücklich und falsch". Es gelte nun, Geduld und Kreativität in die richtige Balance zu bringen. Bayern und Deutschland habe bislang "total Glück gehabt", wenn man zum Vergleich auf die Situation in vielen anderen Ländern blicke. "Wir sollten jetzt nicht aus parteitaktischen Motiven, oder weil wir die Geduld nicht haben, diesen Vorsprung verstolpern", mahnte Söder. Regionale Differenzierungen auf der Grundlage der jeweiligen Infektionslage hielt Söder für sinnvoll.

Unterdessen startete am Montag der Unterricht für die Abschlussklassen wieder, Geschäfte bis 800 Quadratmeter Verkaufsfläche durften unter strengen Hygiene- und Schutzvorrichtungen nach den wochenlangen Einschränkungen öffnen, der Andrang hielt sich jedoch in Grenzen. Die Grenzziehung bei 800 Quadratmetern ist nach Ansicht der obersten bayrischen Verwaltungsrichter nicht verfassungskonform. Wegen der Pandemie wird die Entscheidung aber keine rechtlichen Folgen haben. Die Staatskanzlei kündigte daraufhin an, größere Geschäfte dürften ihre Verkaufsfläche auf 800 Quadratmeter begrenzen und damit den Regeln entsprechend zum Verkauf öffnen. 

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Jürgen Umlauft
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
27. 04. 2020
18:54 Uhr

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Jürgen Umlauft

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Veröffentlicht am:
27. 04. 2020
18:54 Uhr



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