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Coburg

100 Prozent für Christian Gunsenheimer

Die Freien Wähler stellen ihren Kandidaten für die Landratswahl auf. Der Weitramsdorfer muss nach der Nominierung erst einmal tief durchatmen.



Christian Gunsenheimer (Mitte) ist der Kandidat der Freien Wähler im Kreis Coburg für die Wahl des neuen Coburger Landrats am 27. Januar 2019. Zur Nominierung gratulierten stellvertretender FW-Kreisvorsitzender Marco Steiner (Rödental, links) und Maximilian Neeb, FW-Bürgermeisterkandidat in Seßlach (rechts). Foto: Braunschmidt
Christian Gunsenheimer (Mitte) ist der Kandidat der Freien Wähler im Kreis Coburg für die Wahl des neuen Coburger Landrats am 27. Januar 2019. Zur Nominierung gratulierten stellvertretender FW-Kreisvorsitzender Marco Steiner (Rödental, links) und Maximilian Neeb, FW-Bürgermeisterkandidat in Seßlach (rechts). Foto: Braunschmidt  

Bad Rodach - Wirtschaft, Nachhaltigkeit sowie medizinische und pflegerische Versorgung: Das sind die inhaltlichen Schwerpunkte, die Christian Gunsenheimer am Mittwochabend bei seiner Nominierung als Kandidat der Freien Wähler (FW) für die Wahl des neuen Coburger Landrats am 27. Januar 2019 nennt. Gunsenheimer setzt dabei nicht nur auf Worte, sondern auch auf Bilder. "Wirtschaft" symbolisiert er in der Versammlung im Thermenrestaurant in Bad Rodach mit einem Hammer, weil er den Fokus nicht nur auf die Industrie, sondern auch auf das Handwerk legt. "Nachhaltigkeit" stellt ein gelb-rotes Andreaskreuz dar, wie es als Zeichen für den Widerstand gegen den geplanten Bau neuer Stromleitungen durch das Coburger Land überall im Landkreis hängt. Und als Gunsenheimer die medizinische und pflegerische Versorgung anspricht, stehen Mitarbeiterinnen der Diakoniestation Weitramsdorf-Seßlach auf, die ihre Arbeitskleidung tragen.

Das ist nicht die einzige Besonderheit, mit der Christian Gunsenheimer aufwartet. Er hat zur Nominierungsversammlung der Freien Wähler seine Gegenkandidaten eingeladen: Sebastian Straubel von CSU und Landvolk, Martin Stingl von der SPD. Stingl ist nach Bad Rodach gekommen, Straubel nicht. Gunsenheimer versichert beiden für den Wahlkampf einen fairen Wettstreit, schließlich wolle er mit ihnen auch nach dem 27. Januar gut zusammenarbeiten.

Martin Stingl erhält Rederecht und entgegnet, er stehe für einen anständigen, ehrlichen und seriösen Landratswahlkampf. "Diesen Ansatz unterstütze ich. Alle weiteren Interpretationen meines Hierseins wären purer Unfug", sagt der Neustadter, um sich anschließend zu verabschieden.

Ungewöhnlich auch, wie Christian Gunsenheimer seine Bewerbungsrede einleitet: mit deutlicher Selbstkritik. Als ihn der Kreisvorstand der Freien Wähler als Landratskandidat vorgeschlagen hat, sei eine der ersten Reaktionen aus Mitgliederkreisen gewesen: "Den abgehalfterten Bürgermeister von Weitramsdorf brauchen wir nicht - und ich kann das verstehen." Gunsenheimer war 2014, nach zwölf Jahren im Amt, abgewählt worden. Mit dem Gemeinderat und der Verwaltung habe er viele Projekte auf den Weg gebracht, auf die er stolz sei. "Aber es waren auch Dinge dabei, die dazu geführt haben, dass Menschen mit mir unzufrieden waren." Er habe viereinhalb Jahre Zeit gehabt, darüber nachzudenken. Ergebnis: Es reiche nicht aus, Fakten zu sammeln, diese zu bewerten und dann zu beschließen, sondern man müsse "die Emotionen der Menschen aufnehmen und einfließen lassen in unsere Entscheidungen". "Vielleicht", so Gunsenheimer, "kommt diese Erkenntnis zu spät; ich meine, sie kommt rechtzeitig genug".

Dann schwenkt der Vorsitzende der Freien Wähler im Landkreis Coburg vom Persönlichen zum Inhaltlichen. "Wirtschaft" lautet sein erstes Thema. Er habe mit vielen Unternehmern gesprochen, "und alle haben das gleiche Problem: Ihnen fehlen Fachkräfte". Das gelte für Industrie und Handwerk gleichermaßen. Deshalb müsse sich die Kommunalpolitik - auch der Landrat - Gedanken darüber machen, "wie wir dem begegnen". Christian Gunsenheimer nennt als einen Lösungsansatz ein stärkeres "Außenmarketing der Region Coburg". Sie müsse in Metropolen "mit den Pfunden wuchern, die wir haben", um Menschen für das Coburger Land zu begeistern: dass man hier mit seinem Einkommen viel besser leben könne als in Ballungsräumen, "dass es bei uns schön ist, dass unsere Bildungsregion preisgekrönt ist, dass unsere Schulen top sind, dass wir Freizeiteinrichtungen haben, mit denen wir uns ,von’ schreiben können". Zurückhaltung sei da fehl am Platze. Er befürworte die Initiative der Industrie- und Handelskammer, in Coburg eine "Sonderwirtschaftszone" für Unternehmensgründer einzurichten, und stehe für eine "Kräftebündelung der Wirtschaftsförderungen, der IHK und der Handwerkskammer".

Gunsenheimers zweiter Schwerpunkt an diesem Amt lautet "Nachhaltigkeit". Hier gehe es nicht nur um den Schutz der Natur- und Kulturlandschaft, sondern auch um "einen nachhaltigen Aufbau der Beziehungen zu unseren Bürgern, Bürgermeistern, Nachbarlandkreisen und den politischen Vertretern in Bayreuth, München und Berlin".

Des Weiteren gehöre der Kampf gegen den Neubau von Stromtrassen dazu. Gunsenheimer werde Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), der an diesem Freitag Coburg besucht, mitteilen, dass er bei der Energiewende "beliebig Unfug anstellen kann, aber nicht im Coburger Land". Hier werde nicht akzeptiert, dass Stromleitungen gebaut werden, deren Notwendigkeit bis heute nicht begründet worden sei und deren Planung auf keinem nachvollziehbaren Konzept beruhe.

Gunsenheimers drittes Thema ist die medizinische und pflegerische Versorgung. Er trete dafür ein, das von Gerold Strobel auf den Weg gebrachte Stipendienprogramm des Landkreises Coburg für Medizinstudenten auszubauen und den Freie-Wähler-Vorstoß zur Einrichtung eines Pflegekompetenzzentrums zur Gewinnung von Fachkräften umzusetzen. Gunsenheimer: "Da bin ich ungeduldig." Als eine der "großen Aufgaben" für den neuen Landrat bezeichnet Gunsenheimer, das Klinikum Coburg in kommunaler Hand zu behalten.

Die Rede Gunsenheimers zündet. Die rund 90 Besucher der Nominierungsversammlung belohnen sie mit lang anhaltendem, rhythmischem Klatschen. Auch das Wahlergebnis fällt eindeutig aus. Alle 21 Stimmberechtigten - wählen dürfen aufgrund der komplexen Struktur der FW nur die eingetragenen Mitglieder des Kreisverbands - sprechen sich für die Landratskandidatur des 44 Jahre alten verheirateten Vaters einer Tochter aus, der in Schlettach zu Hause ist. Nach diesem 100-Prozent-Ergebnis muss Gunsenheimer erst einmal innehalten und durchatmen, bevor er sich bedankt.

Zuvor hat Marco Steiner, stellvertretender Kreisvorsitzender der Freien Wähler, Christian Gunsenheimer als Landratskandidat vorgeschlagen. Er sei im Landkreis Coburg verwurzelt, bringe sich in viele Vereine ein und habe als Bürgermeister, Vorsitzender der FW-Kreistagsfraktion und weiterer Stellvertreter des Landrats bereits viel Erfahrung gesammelt. Steiner: "Ihm kann keiner so leicht etwas vormachen."

Hendrik Dressel bescheinigt Gunsenheimer, dass er mit guten Ideen "vorneweg geht", während Gerold Strobel die Stärke der Freien Wähler auf der kommunalpolitischen Ebene betont. Maria Preißler, die junge Landtagskandidatin der FW aus Rödental, hebt den ehrenamtlichen Einsatz des Weitramsdorfers hervor: "Solche Leute brauchen wir."

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
15. 11. 2018
20:38 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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15. 11. 2018
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