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Coburg

37-Jähriger muss ins Gefängnis

Ein Jahr und sieben Monate brummt das Amtsgericht Kronach einem Mann aus dem Landkreis Coburg auf. Unter anderem wegen schwerer Körperverletzung.



37-Jähriger muss ins Gefängnis
37-Jähriger muss ins Gefängnis  

Coburg/Kronach - Gleich wegen sieben Straftaten hat sich am Mittwochmorgen ein 37-jähriger im Landkreis Coburg wohnhafter Mann vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Kronach unter Vorsitz von Richterin Claudia Weilmünster verantworten müssen. Dabei wogen die Randale in einem Würzburger Mietshaus Mitte 2017, wobei er auch des Öfteren laut "Sieg Heil" auf einem Balkon grölte, und ein Nasenbeinbruch, den er Ende Januar 2018 im Vollrausch einem Zechkumpan zufügte, am schwersten. Unter anderem wegen schwerer Körperverletzung, Fahrens ohne Fahrerlaubnis, Verwendens verfassungsfeindlicher Kennzeichen und des unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln wurde er letztlich zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten nebst einer Führerscheinsperre von drei Jahren verurteilt.

Die Richterin wies zu Beginn darauf hin, dass zwischen Verteidiger Markus Kruppa und Staatsanwaltschaft eine Absprache stattgefunden habe: Im Falle eines Geständnisses stellte Oberstaatsanwalt Martin Dippold dem Beschuldigten eine Haftstrafe zwischen 12 und 21 Monaten in Aussicht. Diesen "Deal" nahm der Beklagte an, was seinerseits umfangreiche Angaben zur Folge hatte: So habe er am 1. August 2017 nach einem heftigen Streit mit seiner Ex-Freundin in deren Würzburger Wohnung randaliert und dabei im Treppenhaus - mit einem Hammer bewaffnet - die Haustüren weiterer Mietparteien beschädigt. Auch die nationalsozialistische Parole und etliche Beleidigungen in Richtung der Lebensgefährtin posaunte er dabei, teils mehrmals, hinaus. Der Hauptgrund für seinen Ausraster war schnell gefunden: "Ich habe zwei Flaschen Likör und vier Bier getrunken", führte er aus, was den damals gemessenen Alkoholwert von 2,35 Promille auch nachvollziehbar machte.

Zu den Begebenheiten in der Nacht des 31. Januar befragt, gab er an, infolge einer Sachbeschädigung seines Gastes in seiner Wohnung im Landkreis Coburg ausgerastet zu sein und dem bereits am Boden Liegenden mit der Faust mehrmals ins Gesicht geschlagen zu haben.

Die Folgen für das Opfer: ein Nasenbeinbruch sowie mehrere Platzwunden und Prellungen. Danach sei er in das Auto seines Vermieters und zugleich Arbeitgebers - ohne gültigen Führerschein - eingestiegen und vom Tatort geflüchtet. Er beteuerte in diesem Zusammenhang, dass er sich das Auto nur ausgeborgt habe. Die leitende Ermittlerin der Polizei berichtete, dass der Beschuldigte am nächsten Tag in seiner Wohnung aufgegriffen werden konnte. Dabei fand man auch knapp 35 Gramm Marihuana auf einem Tisch. Ein Alko-Test ergab, 14 Stunden nach der Tat, immer noch einen Wert von 1,27 Promille.

Hinsichtlich seines bisherigen Werdegangs berichtete der Angeklagte von instabilen familiären Verhältnissen und seinem Abgleiten in die Alkohol-, Spiel- und Drogensucht mit gerade einmal zwölf Jahren. Eine Lehre habe er wegen einer Gefängnisstrafe abgebrochen. Seitdem pendle er jeweils abwechselnd von Hilfsarbeiter-Tätigkeiten unmittelbar wieder zurück ins Kittchen; insgesamt 16 Missetaten - darunter auch Körperverletzung und Vergewaltigung - wies sein Bundeszentralregistereintrag auf. Ein ärztliches Gutachten bescheinigte ihm eine Mehrfachabhängigkeit sowie "krankhafte seelische Störungen".

"Er ist ein trauriges Beispiel für ein desolates Elternhaus", resümierte Staatsanwalt Dippold in seinem Plädoyer. Angesichts der Vorstrafen komme eine Bewährung nicht in Betracht, wohl aber eine Strafrahmenverschiebung wegen verminderter Schuldfähigkeit. "Alle Taten, die ich bisher begangen habe, standen im Zusammenhang mit Alkohol oder Drogen. Ich habe mich bereits für mein Fehlverhalten entschuldigt", zeigte sich der Beklagte in seinem letzten Wort reumütig. Mit dem Urteil blieb das Gericht zwei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Autor

Jürgen Malcher
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
03. 04. 2019
17:30 Uhr

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Jürgen Malcher

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Veröffentlicht am:
03. 04. 2019
17:30 Uhr



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