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Coburg

AOK Coburg kritisiert Spahn

Bisher kann man sich als Franke nicht bei der AOK Hamburg versichern. Das soll sich bald ändern. Die AOK Coburg ist gegen diese Reform.



Gesundheitsminister Jens Spahn will die Ortsbindung der AOKs aufheben.	. Foto: Paul Zinken, Annette Riedl/dpa
Gesundheitsminister Jens Spahn will die Ortsbindung der AOKs aufheben. . Foto: Paul Zinken, Annette Riedl/dpa  

Coburg - Mit seinem Faire-Kassenwahl-Gesetz will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Krankenkassenlandschaft bundesweit reformieren. Unter anderem verlangt er eine Öffnung der bisher regional gebundenen AOKs. Am vergangenen Mittwoch traf er sich deswegen mit den Ländergesundheitsministern und erntete Kritik für sein Vorhaben. Nun äußert sich auch die AOK Coburg zu Spahns Plänen.

"Das Geschäft der Krankenkassen beruht auf einer Mischkalkulation", erklärt der Coburger AOK-Direktor Christian Grebner. Durch die Öffnung käme es vermutlich zu einem Preiswettkampf der unterschiedlichen AOKs. "Wir sind gegen solch einen Preiswettbewerb", sagt Grebner. Die ortsgebundenen Kassen befänden sich bereits in einer gesunden Konkurrenz zu den zahlreichen Ersatzkassen. Ihre größte Stärke sei, dass sie sich durch die Ortsbindung vor Ort halten könnten und somit am Puls der Region befänden. So könnten sie auf ortsspezifische Herausforderungen Antworten bieten und als Ansprechpartner für Menschen dienen, die eine persönliche Betreuung bräuchten. Insbesondere ältere Menschen fänden sich in der Welt der Onlinedienste nicht zurecht und würden vom persönlichen Kundenkontakt bei den AOKs profitieren. Das sei durch den Gesetzesentwurf des Gesundheitsministers in Gefahr.

"Wenn Krankenkassen um junge und gesunde Patienten werben, besteht die Möglichkeit, dass in manchen Regionen nur noch alte, kranke Menschen bei ihrer lokalen AOK verbleiben", warnt Grebner. Das würde die Kassen zwingen, zu fusionieren und sich aus den Regionen zurückzuziehen. Nicht nur die Arbeitsplätze der Krankenkassenmitarbeiter seien dadurch gefährdet, sondern letztendlich auch das Patientenwohl. "Eine Kasse vor Ort kennt die ärztliche Versorgungssituation und lokalspezifische Bedürfnisse besser als ein fremder Versicherer", betont er. Man dürfe nicht erwarten, dass etwa ein Versicherer aus Hamburg die Probleme der Menschen im Landkreis Coburg verstehen kann.

"Es droht zwar nicht der Kollaps des ganzen Gesundheitssystems - der Gesetzgeber garantiert ja eine gewisse Grundsicherung . Aber bei speziellen Sonderleistungen könnte es künftig schwierig werden", berichtet der Krankenkassendirektor. Diese würden über das Angebot der normalen Krankenkassen hinausgehen und von den ortsgebundenen Krankenkassen gefördert, um etwa eine bessere Versorgung regionaltypischer Krankheitsbilder zu gewährleisten. In den Regionen Coburg, Kronach und Lichtenfels seien dies beispielsweise Erkrankungen des Bewegungsapparats. AOKs würden durch Verträge mit regionalen Kliniken und Ärzten gewährleisten, dass den Menschen Untersuchungen für solche Erkrankungen in betroffenen Regionen zugänglich gemacht würden. "Im Ernstfall kann ein Rückzug der AOKs etwa bedeuten, dass Patienten länger auf einen Termin für ein MRT warten müssen", erklärt Grebner. Verhandlungen für den Bereich Heilmittel - etwa Krankengymnastik - seien dank Spahn bereits völlig zentralisiert.

"Meiner Meinung nach steht hinter dem Gesetzesentwurf der Plan, das ganze System zu zentralisieren", sagt der Coburger AOK-Direktor. Dann könne die Bundespolitik künftig mehr Einfluss auf die Kassen nehmen. Bisher hätten lokale Arbeitgeber und Versicherte noch Chancen auf ihre AOKs einzuwirken. Das sei bei zentralisierten Kassen weitaus schwerer.

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Andreas Wolfger
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Veröffentlicht am:
07. 06. 2019
16:42 Uhr

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Andreas Wolfger

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07. 06. 2019
16:42 Uhr



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