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Coburg

Amokfahrt hat gerichtliches Nachspiel

Im Januar liefert sich ein 38-jähriger Trucker eine mehrstündige Verfolgungsjagd mit der Polizei. Sie endet bei Untersiemau. Am Montag steht der Mann in Coburg vor dem Schwurgericht.



Das Ende der Amokfahrt: Am 23. Januar stoppt ein Polizeihubschrauber den 38-jährigen Fahrer bei Untersiemau. Am Montag beginnt in Coburg der Prozess gegen den Mann.	Archivbild: Steffen Ittig
Das Ende der Amokfahrt: Am 23. Januar stoppt ein Polizeihubschrauber den 38-jährigen Fahrer bei Untersiemau. Am Montag beginnt in Coburg der Prozess gegen den Mann. Archivbild: Steffen Ittig  

Coburg/Lichtenfels/Maroldsweisach -  Am 23. Januar zieht Harald B. am Steuer eines Sattelschleppers eine Schneise der Verwüstung durch Franken.  Mit dem 26 Tonnen schweren Gefährt drängt er Autos von der Fahrbahn, durchbricht Polizeisperren und gefährdet Menschenleben. Erst nach einer mehrstündigen Verfolgungsjagd können Polizeikräfte die Amokfahrt des Trucker in der Nähe von Untersiemau stoppen. Am kommenden Montag steht der Berufskraftfahrer nun in Coburg vor Gericht.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, in sieben Fällen andere Verkehrsteilnehmer gefährdet und einen Sachschaden von mehreren hunderttausend Euro angerichtet zu haben.

Wahrscheinlich hatte der 38-jährige Mann unter Drogeneinfluss gestanden, als er sich in der Januarnacht eine filmreife Verfolgungsjagd mit Polizeikräften liefert. Nun muss die Erste Große Strafkammer am Landgericht Coburg klären, wie die Tat strafrechtlich zu bewerten ist. Kurz nach der Amokfahrt hatte es in Presseerklärungen der Polizei geheißen, dass der mutmaßliche Täter wegen versuchten Mordes in vier Fällen in Untersuchungshaft sitze.

Weiteren Ermittlungen zeigten dann allerdings, dass sich der Angeklagte durch die Einnahme von Amphetaminen wohl gezielt in einen Rauschzustand versetzt hatte. Die Staatsanwaltschaft geht deshalb davon aus, dass der Mann schuldunfähig war und beschuldigt ihn nun das Vollrausches.

Am 23. Januar hatte der Trucker den Auftrag, in Österreich Maschinenteile abzuholen und nach Hamburg zu transportieren. Harald B. fährt im Auftrag einer Spedition aus Niedersachsen, der auch der 26-Tonner gehört. Es ist seine erste große Tour für dieses Unternehmen.

Was auf dem Weg zwischen Österreich und der Nordseeküste passiert ist und warum der Berufskraftfahrer plötzlich ausrastet, muss die auf zwei Tage angesetzte Verhandlung vor dem Coburger Schwurgericht zeigen.

Bisher ist in der Öffentlichkeit bekannt, dass der Lastwagenfahrer offenbar kurz vor dem Autobahnkreuz Fürth/Erlangen zum ersten Mal ausgerastet ist. "Kurz nach 21 Uhr ging bei der Einsatzzentrale Mittelfranken die Information über einen unfallflüchtigen, Schlangenlinien fahrenden Sattelzug auf der Autobahn A 73 bei Erlangen ein", informierte damals Anne Höfer, Sprecherin beim Polizeipräsidium Bayreuth. Als die Beamten den Fahrer kontrollieren wollten, habe er sich geweigert anzuhalten und bei Ebensfeld im Landkreis Lichtenfels einen anderen Lastwagen von der Straße gedrängt. Ohne sich um den anderen Lastwagen zu kümmern, setzt Harald B. seine Fahrt fort. Mehrere Polizeifahrzeuge folgen ihm ins Stadtgebiet von Coburg.

In der Kleinen Rosenau scheint die Amokfahrt zu Ende zu sein. Die Straße ist zu schmal für den Sattelschlepper. Als der Fahrer das merkt, dreht er das 26-Tonnen-Gespann ohne Rücksicht auf Verluste. Platz schafft er sich, indem er einen BMW in eine Hecke drückt. Die Polizei versucht den Mann zu stoppen und versperrt dem Fahrer mit zwei Streifenwagen den Weg. Einer ist noch besetzt, als sich der Amokfahrer freie Bahn verschafft und mit seinem Gespann die Einsatzfahrzeuge rammt und erheblich beschädigt.

"Ich habe die Polizisten wild durcheinander rufen hören", erzählte Anwohner Claus Wollandt damals gegenüber der Neuen Presse. Die Beamten im Fahrzeug hätten sich nur kurz vor dem Zusammenprall noch aus dem Streifenwagen retten können. Wollandt schüttelt den Kopf und ist fassungslos. "Etwas Ähnliches habe ich wirklich in meinem ganzen Leben noch nie erlebt."

Der 38-Jährige setzt derweil seine Flucht auf der B 4 in Richtung Landkreis Haßberge fort, wo er durch seine Fahrt in Schlangenlinien weitere Verkehrsteilnehmer in Gefahr bringt. In Maroldsweisach steuert er seinen Lastwagen gegen ein stehendes Auto, dessen Fahrer leicht verletzt wird. Zurück geht es über die B 303 in den Landkreis Coburg. Bei Tambach prallt der Lkw gegen eine Leitplanke, anschließend fährt das Gespann ohne Beleuchtung weiter. Bei der Einmündung der B 303 auf die B 4 vor Coburg nimmt der Amokfahrer die falsche Auffahrt und braust als Geisterfahrer Richtung Untersiemau weiter.

Dort gelingt es schließlich der Besatzung eines Polizeihubschraubers, den Fahrer mit einem gezielten Einsatz des Scheinwerfers zu blenden und damit zum Anhalten zu zwingen. Sofort sind die Beamten am Führerhaus, schlagen die Scheibe der Beifahrerseite ein und gelangen so ins Innere. Sie bringen den Fahrer ins Freie und nehmen ihn fest.

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
13. 09. 2018
17:46 Uhr

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Norbert Klüglein

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13. 09. 2018
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