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Coburg

Amtsgericht hat einen neuen Direktor

Raffaele Trotta folgt auf Bernd Buhl. Mit dem Zentralen Mahngericht hat die Behörde bayernweit eine enorme Bedeutung. Das gilt besonders bei der Digitalisierung.



Einstand und Abschied: Der Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg, Clemens Lückemann (Mitte), führte Raffaele Trotta (links) offiziell als Direktor des Coburger Amtsgerichts ein. Er folgt auf Bernd Buhl, der seit 30. April im Ruhestand ist und zuvor fünf Jahre an der Spitze der Justizbehörde stand.	Foto: Christoph Scheppe
Einstand und Abschied: Der Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg, Clemens Lückemann (Mitte), führte Raffaele Trotta (links) offiziell als Direktor des Coburger Amtsgerichts ein. Er folgt auf Bernd Buhl, der seit 30. April im Ruhestand ist und zuvor fünf Jahre an der Spitze der Justizbehörde stand. Foto: Christoph Scheppe  

Coburg - 199 Mitarbeiter: Damit ist das Amtsgericht Coburg nach München, Nürnberg und Augsburg das viertgrößte in Bayern. Grund für die im Vergleich zu anderen Justizbehörden personalintensive Besetzung ist das dem Amtsgericht zugeordnete Zentrale Mahngericht mit seinen 91 Beschäftigten. Das Coburger Amtsgericht gehört somit zu den Justiz-Schwergewichten im Freistaat - und hat seit 1. Juni mit Raffaele Trotta einen neuen Direktor. Dessen offizielle Amtseinführung vollzog der Präsident des Oberlandesgerichts (OLG) Bamberg, Clemens Lückemann, am Montag. Bei dem Festakt im Dekanatszentrum St. Augustin wurde zugleich Trottas Vorgänger, Bernd Buhl, in den Ruhestand verabschiedet, der fünf Jahre an der Spitze des Amtsgerichts stand.

Zur Person

Bernd Buhl (65), gebürtiger Bamberger, trat 1980 in den bayerischen Justizdienst ein, wo er in einem für die Justiz vergleichsweise jugendlichen Alter von 27 Jahren zunächst als Proberichter beim Amtsgericht Coburg eingesetzt war.

Sein weiterer Berufsweg führte ihn an die Staatsanwaltschaft Coburg sowie ans Amtsgericht Lichtenfels. Ab November 1988 war Buhl als hauptamtlicher Arbeitsgemeinschaftsleiter für Rechtsreferendare zunächst am Landgericht Bayreuth, dann am Landgericht Coburg tätig. Zum 1. August 1997 wurde er zum Richter am OLG Bamberg ernannt. Am 10. November 2009 avancierte der Jurist zum Vizepräsidenten des Landgerichts Coburg. Die Ernennung zum Amtsgerichtsdirektor erfolgte am 1. April 2014 - ein Amt, das er bis zur Pensionierung am 30. April dieses Jahres ausübte.

Raffaele Trotta wurde 1964 in
Italien geboren und begann - nach Jurastudium und Referendariat in Passau - im September 1993 seine berufliche Laufbahn als Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Coburg. Im Februar 1997 erfolgte die Ernennung zum Richter am Amtsgericht Kronach. Von April 2003 an war er am Landgericht - unter anderem als Pressereferent - tätig.

Die nächste Stufe der Karriereleiter erklomm der mit seiner Familie im Landkreis Kulmbach lebende Jurist im August 2007 als Staatsanwalt-Gruppenleiter wieder in Coburg. Drei Jahre später wurde Trotta zum stellvertretenden Direktor des Amtsgerichts Coburg und Leiter des Zentralen Mahngerichts befördert.


Grundstückskauf, Erbschaft, Mietstreitigkeiten, Scheidung, Insolvenzen, Betreuung, Aburteilung kleinerer und mittlerer Kriminalität: In den meisten Fällen werde Justiz mit Amtsgericht in Verbindung gebracht, sagte Lückemann. "Das ist nicht verwunderlich, weil die Justiz in Bayern in erster Linie in der Fläche präsent ist. Unsere Standorte sind vor allem die Amtsgerichte." Diese seien praktisch in allen Lebenslagen gefordert und von enormer Bedeutung. Deshalb komme auch dem Amt des jeweiligen Behördenleiters ein hoher Stellenwert zu. Der Amtsgerichtsdirektor sei, so Lückemann, nicht nur verantwortlich für den reibungslosen Ablauf des Gerichtsbetriebs, sondern er verleihe seiner Behörde nach außen "Gesicht und Bedeutung".

Der OLG-Präsident attestierte dem am 30. April in den Ruhestand getretenen Bernd Buhl, während seiner fünfjährigen Direktorenzeit innerhalb und außerhalb der Justiz eine "hoch angesehene und allseits geachtete Persönlichkeit" gewesen zu sein, die das Amtsgericht stets würdig repräsentierte. Überhaupt habe sich Buhl während seiner 41-jährigen Dienstzeit bestens bewährt und Hervorragendes geleistet.

Zum 1. Juni wurde Raffaele Trotta als Nachfolger berufen. Den mit seiner Frau und vier Kindern im Landkreis Kulmbach lebenden Juristen bezeichnete der OLG-Präsident als "Coburger Justiz-Eigengewächs", dessen Karriereweg am 1. September 1993 als Staatsanwalt in der Vestestadt seinen Anfang genommen habe. Vor seiner Ernennung zum Amtsgerichtsdirektor leitete der gebürtige Italiener das Zentrale Mahngericht, das bayernweit für sämtliche Mahnverfahren zuständig ist. Lückemann ("Sie sind ein echter Teamplayer") bezeichnete Trotta nicht nur als seinen Wunschkandidaten, sondern als "ausgezeichnete Wahl für das hervorgehobene Richteramt".

Doch nicht nur für die beiden Protagonisten fand der OLG-Präsident lobende Worte. Insgesamt schrieb er der Coburger Justiz bei der Digitalisierung eine führende Rolle zu. Gleichwohl sei es mit elektronischem Grundbuch und Handelsregister und der Coburger Pionierleistung - dem vollautomatischen Mahnverfahren - längst nicht getan, zumal die Digitalisierung in nahezu allen Lebensbereichen voranschreite. "Deshalb muss sich die Justiz auch Gedanken darüber machen, ob und inwieweit sie künstliche Intelligenz für sich zum Einsatz bringen soll und kann", sagte Lückemann.

Für ihn sei es nicht vorstellbar, dass künftig Richterroboter oder Rechtsprechungsautomaten die Regel seien, denn "die Entscheidung komplexer Verfahren ohne menschliche Richter wird es nach meiner Überzeugung niemals geben". Die Würdigung von Zeugenaussagen, die Auslegung abstrakter Rechtsbegriffe oder das Hinterfragen komplexer Sachverhalte müsse stets Menschen vorbehalten sein. Dies gelte vor allem für die Fähigkeit, sich bei mündlichen Verhandlungen in andere Menschen hineinversetzen zu können. Lückemann: "Menschenkenntnis lässt sich nicht digitalisieren."

Andererseits nehme gerade die Ziviljustiz nicht am Gewaltmonopol des Staates teil, sondern stehe im Wettbewerb mit privatwirtschaftlichen Angeboten wie Mediation, Schiedsgerichten und Streitschlichtung durch Online-Portale. Geprüft werde daher zurzeit etwa der Einsatz künstlicher Intelligenz zur effektiven Bearbeitung großer Datenmengen. Vorstellbar sei ein Einsatz auch zur automatischen Erfassung von Strukturdaten wie beispielsweise Aktenzeichen, Beteiligte, Streitwert, anwaltliche Vertreter oder Zeugen und deren Anschriften.

In Estland sei die Entwicklung schon einen Schritt weiter. Dort werde es Klägern und Beklagten demnächst möglich sein, Anträge bei Fällen mit geringem Streitwert quasi vom Sofa aus bei Gericht einzureichen. Diese, so Lückemann, würden dann per System anhand von Präzedenzfällen und Erfahrungswerten ausgewertet und entschieden.

Den Festakt im Pfarr- und Dekanatszentrum St. Augustin umrahmte musikalisch die "Albert‘s Jazz Band" des Gymnasiums Albertinum.

Autor
Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
16. 09. 2019
17:30 Uhr

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Christoph Scheppe

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16. 09. 2019
17:30 Uhr



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