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Coburg

Amtsschimmel bremst Gigaliner

Schumacher Packaging hat zwei Exemplare im Fuhrpark. Die vor einem Jahr beantragte Genehmigung steht weiterhin aus. Das und mehr stößt beim Chef auf Unverständnis.



Ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Unternehmens zufrieden, sieht aber Defizite in der Ansiedlungspolitik von Stadt und Landkreis Coburg: Schumacher-Geschäftsführer Björn Schumacher (Mitte) im Gespräch mit Landrat Sebastian Straubel (links) und Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz.	Foto: Christoph Scheppe
Ist mit der wirtschaftlichen Entwicklung des eigenen Unternehmens zufrieden, sieht aber Defizite in der Ansiedlungspolitik von Stadt und Landkreis Coburg: Schumacher-Geschäftsführer Björn Schumacher (Mitte) im Gespräch mit Landrat Sebastian Straubel (links) und Landkreis-Wirtschaftsförderer Martin Schmitz. Foto: Christoph Scheppe   » zu den Bildern

 Mehr Ladefläche, weniger Transporte, geringerer CO2-Ausstoß: Der Einsatz von bis zu 25,25 Meter langen Lkw mit einem Gesamtgewicht von bis zu 60 Tonnen ist für Björn Schumacher angesichts der Klimadebatte ein probates Mittel, die Verkehrs- und Schadstoffbelastung spürbar zu senken und damit die Umwelt zu schonen. Deshalb hat der Geschäftsführer des gleichnamigen Herstellers von Verpackungslösungen aus Well- und Vollpappe aus Ebersdorf (siehe Infobox ) zwei sogenannte Gigaliner angeschafft. Doch gefahren sind sie am Stammsitz des Familienunternehmens noch nicht. Weil die vor einem Jahr beantragte Nutzungsgenehmigung weiterhin aussteht, beklagt Schumacher beim "Unternehmerdialog" mit Landrat Sebastian Straubel eine schwerfällige bayerische Bürokratie, die sogar ein Gutachten einfordere. Anders als im Freistaat sei die "Angelegenheit in Thüringen und Nordrhein-Westfalen innerhalb weniger Wochen vom Tisch" gewesen.

15 Produktionsstätten an 29 Standorten

Die Schumacher Packaging Gruppe produziert Verpackungslösungen aus Well- und Vollpappe.

Das 1948 von Kurt H. Schumacher gegründete und bis heute inhabergeführte Familienunternehmen hat seinen Stammsitz in Ebersdorf/C.

Weitere deutsche Produktionsstandorte befinden sich in Bielefeld, Forchheim, Greven, Hauenstein, Schwarzenberg und Sonneberg.

Fünf weitere Betriebsstätten liegen in Polen: jeweils eine in Bydgoszcz und Grudziadz sowie zwei in Breslau. In Myszków hat die Gruppe 2016 eine Papierfabrik übernommen. Im niederländischen Breda gibt es einen Produktionsstandort für Displays, im tschechischen Nýrsko entstehen Spezial- und Verbundverpackungen, der deutsche Standort Lehrte bietet Co-Packing-Services.

Im Geschäftsjahr 2018 erwirtschaftete die Gruppe einen Umsatz von 627 Millionen Euro. Derzeit werden 3300 Mitarbeiter, davon 700 in Ebersdorf, beschäftigt.

 

Generell dürfen Gigaliner auf Autobahnen fahren. Ausgenommen von dieser Regelung sind die Auf- und Ausfahrten, für die eine gesonderte Genehmigung erforderlich ist. Im Fall von Schumacher Packaging betreffe das die Kreisstraße CO 13 und die Bundesstraße B 303, erläutert Straubel die Situation. Zuständig für die Antragsbearbeitung sei das Staatliche Bauamt Bamberg, will sich der Landrat bei der Behörde wiederholt für eine schnelle Erledigung einsetzen. "Jeder redet über CO2. Bei 30 Prozent weniger Emissionen liegt der Einspareffekt auf der Hand", kann Björn Schumacher die lange Bearbeitung nicht nachvollziehen. "Vielleicht haben unsere Gigaliner-Auflieger schon Standschäden", merkt er ironisch an und bemängelt "fehlendes Rückgrat der Entscheidungsträger" in Politik und Behörden.

 

Das ist aber nicht das Einzige, was beim "Unternehmerdialog" aufs Tapet kommt. Schumacher sieht Defizite und Nachholbedarf, wenn es darum gehe, Stadt und Landkreis als interessanten Wirtschaftsstandort darzustellen und in den Fokus von Investoren zu rücken. Ein Ausruhen auf dem Erreichten sei angesichts veränderter konjunktureller Vorzeichen fatal. Bildung, Betreuung, Kultur, Sport: Coburg habe viel zu bieten. Damit könne man "hausieren gehen". Leider seien - weil nicht kommuniziert - diese Standortvorteile den wenigsten Unternehmern außerhalb der Region bekannt.

Als großes Manko erachtet Björn Schumacher zudem ein fehlendes schlüssiges Gesamtkonzept zur Ansiedlung neuer Betriebe. Ein wesentlicher Grund dafür sei die seit jeher ausgeprägte Einzelkämpfermentalität der Städte und Gemeinden. Statt gemeinsam das "Coburger Land aktiv als optimalen Standort zu verkaufen", kämpfe jede Kommune für sich alleine. Andernorts schließe man sich zusammen und wuchere mit den Pfunden. "Da wird nicht isoliert geguckt", weiß der Geschäftsführer und berichtet von seinen Erfahrungen beim Bau eines neuen Schumacher-Werks im münsterländischen Greven. "Dort haben sich 13 Kommunen zusammengetan, ein professionelles Expose erarbeitet, genügend Flächen zur Verfügung gestellt und eine hervorragende Infrastruktur geschaffen." Inzwischen platze das Gewerbegebiet mit weiteren Ansiedlungen und mehr als 1000 neuen Arbeitsplätzen aus allen Nähten.

Im Coburger Land sehe er indes keine klaren Konzepte, wie man Firmen begeistern könne, legt Schumacher den Finger in die Wunde. "Wir brauchen alles, mit dem wir wuchern können. Für mich ist die Lösung okay, aber Coburg hat verloren und Bamberg profitiert", kommentiert er den nicht realisierten Bau des neuen Verkehrslandeplatzes bei Neida.

Nicht in allen Punkten teilt Wirtschaftsförderer Martin Schmitz die Einschätzung des Unternehmers. "Wir sind gut aufgestellt. Aber unser Problem ist, dass wir als Landkreis über keine eigenen Flächen verfügen." Gleichwohl gebe es Bestrebungen, interkommunale Gewerbegebiete auf den Weg zu bringen. Auch in puncto Infrastruktur (Glasfaser) gebe der Landkreis "wirklich richtig Gas". Allerdings sei die Zusammenarbeit mit der Stadt Coburg noch ausbaufähig.

Mit der geschäftlichen Entwicklung der Gruppe ist Björn Schumacher "immer noch zufrieden". Der wirtschaftliche Erfolg sei jedoch alles andere als selbstverständlich, dämpft er die Erwartungen. "Wenn weniger Teile verpackt werden müssen, trifft es uns auch irgendwann", verweist er unter anderem auf die Absatzkrise der Autobauer und deren Zulieferer.

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Christoph Scheppe

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Veröffentlicht am:
02. 10. 2019
17:06 Uhr

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Christoph Scheppe

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02. 10. 2019
17:06 Uhr



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