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Coburg

Angerveste in Trümmern

Ende Februar wird die Angerveste nur noch ein Haufen Schutt sein. Vielen Coburger Sportlern blutet deswegen das Herz. Auch Eberhard Fröbel geht es so.



Coburg - Noch steht ein Teil der Angerveste, es ist der, in dem sich einst das Spielfeld befand.
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Coburg - Noch steht ein Teil der Angerveste, es ist der, in dem sich einst das Spielfeld befand. Aber auch der ist bald Geschichte, denn ein Bagger reißt am Dienstagmorgen ein Wandstück nach dem anderen weg. Er hat in den vergangenen Monaten ganze Arbeit geleistet: Der Teil, in dem einst die Hallentechnik untergebracht war, ist vollkommen verschwunden. Übrig geblieben ist eine 1,5 Meter Hohe Schicht aus Geröll. Auch am Spielfeld fehlt bereits eine Wand, sie gibt den Blick auf die Pissoirs frei. Sogar in die Halle kann man an dem Wintertag vom Anger-Parkplatz aus schauen. In die Sprecherkabine ragen Äste hinein.

Der HSC 2000 Coburg

Die Handballspielgemeinschaft Coburg und der TV Neuses gründeten im Jahr 2000 den HSC 2000 Coburg-Neuses, um höherklassigen Handballsport in Coburg zu ermöglichen. Die HSG war schon 1992 als Zusammenschluss des TV Ketschendorf und TV 48 Coburg entstanden, zwei Jahre später schloss sich die Coburger Turnerschaft an.

Aushängeschild des Vereins ist die erste Männermannschaft, die in der Saison 2006/2007 in die 2. Handball-Bundesliga Süd aufstieg und im Jahr 2010 unglücklich in die damals neue 3. Handball-Liga ab.

In der Saison 2013/14 wurde der HSC Meister der Staffel-Süd der 3. Handball-Liga und stieg wieder in die 2. Handball-Bundesliga auf. In der Saison 2015/16 schaffte die erste Mannschaft des HSC 2000 Coburg den Aufstieg in die Handball-Bundesliga. Seither hat der HSC auch ein Maskottchen: einen schwarz-gelber Ritter namens Vestus. Die Saison 2016/2017 schloss die Mannschaft in der 1. Liga mit dem letzten Tabellenplatz ab.

 

"Da blutet mein Herz", sagt Eberhard Fröbel, Leiter des Sportamtes und Urgestein des Coburger Handballs. Er beobachtet das Treiben wehmütig. "Oh nein." Gerade hat der Bagger mit einem lauten Krachen ein Stück Mauer über der Herren-Toilette eingerissen. Sie ist Teil der roten Wand, an die sich viele Coburger noch erinnern.

 

"Als die Halle im Jahr 1976 eröffnet worden ist, war sie eine der modernsten in Bayern", erklärt Fröbel. "Die Angerveste ist die Herzkammer des Coburger Sports gewesen, nicht nur des Handballs. Wir leben hier in einer Sportstadt. Fast jeder zweite Bürger ist Mitglied in einem Sportverein", verrät er.

Aber natürlich schlägt das Herz vieler Sportfans für den Handball, immerhin spielt der HSC 2000 in der zweiten Bundesliga - und wird vielleicht sogar den erneuten Aufstieg in das Oberhaus des Handballs schaffen.

Begonnen habe diese Erfolgsgeschichte in der Dreifachturnhalle am Anger. "Eigentlich ist Coburg aber eine Turnerstadt", ergänzt der Leiter des Sportamtes. Turnen und Handball hängen laut Fröbel durchaus eng zusammen. Schließlich sind bei dem Wurfspiel viele Eigenschaften gefragt, die Sportler auch an Reck, Barren und Co. benötigen. Deswegen hatten viele Coburger Turnvereine auch Handballabteilungen gegründet. "Jeder Vorort hatte Mannschaften für Frauen, Männer und die Jugend. Damals wurde Handball aber noch auf dem Großfeld, also draußen, gespielt", führt Fröbel aus.

In den 1970er-Jahren hatte sich das Spiel mit dem kleinen Ball dann in Hallen verlagert. "Hier in Coburg wurde zum Beispiel in der alten Sporthalle des Bundesgrenzschutzes gespielt. Die stand auf dem Gelände der Kaserne", erinnert sich Fröbel. Auch er selbst war damals aktiv, beim TV Neuses.

"Als die Dreifachturnhalle im Jahr 1976 eingeweiht worden ist, war das für uns Handballer eine große Sensation", sagt er. Um die zehn Vereine wetteiferten damals um Trainingsplätze in der zentral gelegenen Halle. Mit dem Training im Trockenen kam auch der Erfolg. Schon bald freuten sich die Coburger über vier Vereine, die in der Verbandsliga spielten: TV Ketschendorf, TV 48, Coburger Turnerschaft und der TV Neuses. Mit den Mannschaften aus Rödental und Rodach waren sogar sechs Vereine aus der Region in der Liga vertreten. "Da war fast jedes Wochenende Derby-Zeit", schmunzelt Fröbel.

"Die Halle war aber nicht nur für die Handballer da. Ich kann mich zum Beispiel noch gut an meinen eigenen Sportunterricht erinnern", verrät der Fröbel. Aber auch er hat in der Angerhalle kleine Bälle in Tore geworfen. Zunächst für den TV Neuses, später dann in der Landesliga für den TV Ketschendorf. "Die Vereine konkurrierten stets um die Trainingszeiten. Als ich dann im Sportamt gearbeitet habe, war das für mich ein Problem. Denn ich habe meinem immer die späten gegeben, da haben sich die Kollegen natürlich nicht gefreut", sagt das Handballurgestein.

Schon bald nach den Anfängen in der neuen Halle wurden in Coburg auch Stimmen laut, die einen Zusammenschluss der Handball-Vereine forderten. Zunächst taten sich der TV Ketschendorf und der TV 48 zusammen, dann folgten die restlichen Vereine - und im Jahr 2000 wurde der HSC 2000 Coburg-Neuses (Vorläufer des heutigen HSC 2000 Coburg) aus der Taufe gehoben. "Das ist eine Erfolgsgeschichte. Die erste Mannschaft ist bald in die Regionalliga aufgestiegen. Das waren schon legendäre Spiele in der Angerveste. 1500 Zuschauer hatten auf den Rängen Platz", erinnert sich Fröbel.

Es seien aber nicht nur die Handballer gewesen, die in der Halle vor großem Publikum ihre Wettbewerbe ausgetragen haben. "Zum Beispiel sind die Coburger Schützen in der Angerveste Deutscher Meister geworden", sagt Fröbel. Auch die Tänzer vom TV Ketschendorf haben die Turnhalle lieb gewonnen. Ihre Turniere in der Dreifachturnhalle sind legendär.

Die Hand- und Basketballer haben inzwischen in der HUK-Coburg-Arena auf der Lauterer Höhe eine neue Heimat gefunden. "Das war für den HSC auch wichtig. Für die Angerveste hätte es keine Genehmigung vom Verband für Spiele in der Bundesliga gegeben", erklärt der Leiter des Sportamtes. Auch die Tänzer haben dort bereits vor großem Publikum ein Turnier veranstaltet. "Die Arena ist gut ausgelastet", sagt Fröbel.

Als Sportamtsleiter hatte er die Aufgabe, auch für den Schulsport und das Training der Vereine neue Bleiben zu finden. "Das ist gut gelungen, auch weil die neue Halle am Anger gebaut worden ist. Die Coburger sind aber so sportbegeistert, dass die Hallen stark belegt sind. Für private Veranstalter finden wir kaum noch Plätze", verrät Fröbel.

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
22. 01. 2019
17:30 Uhr

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22. 01. 2019
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