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Coburg

Anwälte als Opfer

Eine Ausstellung erzählt vom Schicksal jüdischer Anwälte unter den Nazis. Sie erinnert daran, dass in einem Unrechtsstaat selbst Juristen nicht sicher sind.



Gerichtspräsident Anton Lohneis betrachtet ein Bild auf dem ein Anwalt aus München von SA-Schlägern gezwungen wird mit abgeschnittener Hose und einem Transparent um den Hals durch die Stadt zu laufen, weil er sich für einen Klienten eingesetzt hatte.	Foto: Henning Rosenbusch
Gerichtspräsident Anton Lohneis betrachtet ein Bild auf dem ein Anwalt aus München von SA-Schlägern gezwungen wird mit abgeschnittener Hose und einem Transparent um den Hals durch die Stadt zu laufen, weil er sich für einen Klienten eingesetzt hatte. Foto: Henning Rosenbusch  

Coburg - Etwa 17 Prozent aller Anwälte im Deutschen Reich waren laut Coburgs Heimatpfleger Dr. Hubertus Habel Juden. Auch in Coburg lebten damals drei jüdische Anwälte. Die Gebrüder Martin und Moritz Baer und der Vorsitzende des Coburger Anwaltvereins Kuno Hirsch. "Bei vielen der jüdischen Anwälten handelte es sich damals um sehr angesehene Leute", betont Heimatpfleger Habel. Mit der Machtergreifung der Nazis änderte sich dies jedoch. Wie jüdischen Anwälten damals das Leben schwer gemacht wurde, zeigt die Ausstellung "Anwalt ohne Recht", die noch bis zum 24. Juli im Sitzungssaaltrakt des Coburger Landgerichts zu sehen ist. Sie ist von Montag bis Donnerstag 8 bis 16 Uhr und Freitags bis 12 Uhr öffentlich zugänglich.

"Es ging darum, diese Menschen persönlich und wirtschaftlich zu vernichten bevor sie endgültig ins KZ geschafft wurden", erklärt der Historiker. Aus diesem Grund habe man jüdische Juristen schikaniert und auf kurz oder lang gezwungen, ihren Beruf aufzugeben. Eine Solidarität unter Kollegen gab es damals unter den Anwälten nicht. "Anstand hatte damals eine andere Bedeutung als heute. Solidarität galt nur innerhalb der gleichen gesellschaftlichen Gruppe",sagt Habel. Das Schicksal der jüdischen Anwälte sei ein Lehrstück für die Gegenwart, wie schnell Hass und Neid umkippen könnten.

"Diese Ausstellung spricht Bände", erklärt Anton Lohneis, der Coburger Gerichtspräsident. Aus diesem Grund lade er alle Coburger Schulklassen in sein Haus ein, um sich die Ausstellung vor Beginn der Sommerferien anzuschauen. "Die Erinnerung ist wichtig", sagt Lohneis. Nur so könne verhindert werden, dass es wieder zu derartigen Ereignissen komme. Heimatpfleger Habel hingegen sieht bereits wieder bedenkliche Tendenzen in Deutschland aufkeimen. So hätten einige Parteien bei der Europawahl offen mit dem Nazi-Kampfbegriff "Volksverräter" geworben, mit dem unter anderem auch die jüdischen Anwälte betitelt wurden. "Wir erleben außerdem schon wieder Fälle in denen Anwälte um ihr Leben und ihre Familien fürchten müssen", gibt er zu bedenken. So erhielt die NSU-Opfer-Anwältin Seda Basay-Yildiz Drohbriefe aus den Reihen der Frankfurter Polizei.

10.07.2019 - Ausstellung Landgericht Coburg - Foto: Henning Rosenbusch

Ausstellung Landgericht Coburg
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Andreas Wolfger
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Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
18:58 Uhr

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Autor

Andreas Wolfger

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Veröffentlicht am:
10. 07. 2019
18:58 Uhr



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