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Coburg

Auf der Spur der Biber

Das Nagetier verändert im Coburger Land das Leben in Flüssen und Bächen, haben Angelvereine jüngst erklärt. Stimmt das? Jörg Fischer hat Antworten.



Der Biber ist mittlerweile überall im Coburger Land zu Hause. Das Nagetier bringe mehr Nutzen, als es Schaden verursache, sagt Biberberater Jörg Fischer. Foto: Jillian - stock.adobe.com
Der Biber ist mittlerweile überall im Coburger Land zu Hause. Das Nagetier bringe mehr Nutzen, als es Schaden verursache, sagt Biberberater Jörg Fischer. Foto: Jillian - stock.adobe.com  

Neustadt/C. - Wenn am Abend die Dämmerung heraufzieht, streift der Mann mit der Harke durch sein Revier. Jörg Fischer ist nicht auf Jagdbeute aus. Sein Augenmerk in der von Bächen, Teichen und feuchten Wiesen geprägten Landschaft gilt den Dämmen, die ein geborener Landschaftsarchitekt unermüdlich für sein ganz spezielles Feuchtbiotop auftürmt. Seit April ist Jörg Fischer, Mitarbeiter beim Staatlichen Bauamt Bamberg, nebenberuflich als Biberberater in Wald und Flur unterwegs.

Er weiß: Der im Landkreis Coburg heimisch gewordene Baumeister Biber bringt unter dem Strich viel mehr Nutzen als Schaden. "Die Menschen akzeptieren den Biber", sagt er. Konflikte gibt es nach seiner Erfahrung nur mit Landwirten. Für deren Anliegen zeigt der in Neustadt lebende Fischer freilich Verständnis, ist es doch eine wesentlich Aufgabe von ihm und seinen Kollegen Georg Ruppert und Hans-Karl Schleicher aus Seßlach, die Koexistenz zwischen dem weltweit zweitgrößten Nagetier und dem Menschen zu ermöglichen. Im Landratsamt Coburg ist Evelyn Pilz als Biberbeauftragte Ansprechpartnerin.

Die drei vom Kreistag berufenen Berater sind eine wesentliche Säule des Bibermanagements in Bayern. Die am Landratsamt angesiedelte Untere Naturschutzbehörde geht von 100 bis 200 Tieren und einer weiter wachsenden Population im Landkreis aus. Itz, Rodach und Röden sind praktisch durchgängig besiedelt, und auch kleinere Gewässer wie die Lauter und die Alster sind zum Lebensraum für den Biber geworden (Neue Presse vom 4. September).

Die Tiere stauen fließende Gewässer an, um sich ihren nassen Lebensraum zu schaffen. "Macht der Biber landwirtschaftliche Flächen zu Feuchtgebieten, kann das natürlich nicht im Interesse eines Bauern sein", so Fischer. Auch komme es vor, dass die Nager ein Areal so untergraben, dass Schlepper und andere Fahrzeuge einbrechen könnten. Und nicht zuletzt sind Bäume für die Biber unwiderstehlich, sind doch Rinden und junge Triebe seine bevorzugte Nahrung. Der Biber kann nicht klettern. Daher fällt er nicht selten den Baum, um an die begehrten Stücke heranzukommen.

"Es gibt schon mal ein Problem, aber auch eine ganze Reihe Lösungen", so Fischer. Baumstämme könnten mit einem Schutzgeflecht umgeben werden. Über das Landratsamt könnten Grundbesitzer kostenlos Elektrozäune beziehen. Sind doch einmal Schäden aufgetreten, vermitteln die Berater Entschädigungszahlungen. Und Überschwemmungen zu vermeiden, wo sie nicht gewollt sind, gehört ohnehin zur täglichen Arbeit von speziell geschulten Experten wie Jörg Fischer.

Hier kommt die Harke ins Spiel. Stößt Jörg Fischer auf vom Biber errichtete Barrieren an unerwünschten Stellen, holt er Holz und anderes Baumaterial mit der Harke heraus. Alternativ könnten Drainagen für Wasserdurchfluss trotz Biberdamm sorgen. Die Dämme nicht überhand nehmen zu lassen, sei eine Daueraufgabe.

Er ist sich nur allzu bewusst, dass der Nager Dämme baut, weil Wasser für ihn ein lebensnotwendiges Element ist. Dieses Verhalten trägt aber nicht nur zum Wohlbefinden der Biber-Familie bei, sondern leistet nach Fischers Worten einen herausragenden Beitrag zur Artenvielfalt. Der Biber bringe großen Gewinn für die Umwelt, indem er abwechslungsreiche Landschaften schaffe, einen idealen Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren. Der Biberberater nennt den Eisvogel, der sich von kleinen Fischen ernährt, die wiederum in den aufgestauten Gewässern leben.

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Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
18:26 Uhr

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Mathias Mathes

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Veröffentlicht am:
06. 09. 2019
18:26 Uhr



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