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Bargeldlos am Bratwurststand

Kontaktloses Zahlen mit der Geldkarte ist noch immer die Ausnahme. Das zeigt ein Versuch auf dem Coburger Marktplatz.



Auch kleine Beträge bargeldlos zahlen: Das war am Freitag an den Bratwurstständen am Coburger Marktplatz möglich. Die Technik stößt bei Kunden allerdings noch auf Skepsis. Das gilt nicht nur für Coburg, sondern für ganz Deutschland.	Fotos: Braunschmidt
Auch kleine Beträge bargeldlos zahlen: Das war am Freitag an den Bratwurstständen am Coburger Marktplatz möglich. Die Technik stößt bei Kunden allerdings noch auf Skepsis. Das gilt nicht nur für Coburg, sondern für ganz Deutschland. Fotos: Braunschmidt   » zu den Bildern

Coburg - Was sich Händler wünschen, ruft bei Kunden Skepsis hervor: das bargeldlose Zahlen kleiner Beträge bis 25 Euro mit einer Geldkarte. Obwohl es einfach, sicher, bequem und - gerade mit Blick auf die Lebensmittelbranche - hygienisch ist, zücken am Freitagvormittag an den beiden Bratwurstständen am Coburger Marktplatz Kunden nur zögerlich ihre Plastikkarte mit dem Funkwellensymbol. Die VR-Bank Coburg hat die beiden Verkaufsstellen für die Spezialität aus der Vestestadt für einen Tag mit der Technik ausgestattet, die das kontaktlose Zahlen ermöglicht. Mehr als 40 000 Kunden hat das Geldinstitut bereits mit den neuen Girokarten ausgestattet; 34 Millionen haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken nach Recherchen der "Welt am Sonntag" deutschlandweit bislang in Umlauf gebracht.

Und so funktioniert es

Für das kontaktlose Bezahlen muss die Girocard ein Symbol mit vier Wellen zeigen.

Der Bezahlvorgang wird ausgelöst, wenn die Girocard an ein Terminal gehalten wird.

Das Terminal zeigt optisch und akustisch an, ob der Zahlvorgang erfolgt ist.

Ein Großteil des Handels ist mit Terminals für kontaktloses Zahlen ausgestattet.

 

Trotzdem ist die Republik bei dieser Technik Entwicklungsland. Ganz anders Afrika: Hier hat sich das elektronische Bezahlen kleiner Beträge längst durchgesetzt, allerdings mit einfachen Handys. Bei der Technologie, die mit der deutschen Girocard vergleichbar ist, hat sich der Kontinent an die Spitze des Fortschritts in der Welt gesetzt. Dagegen halten die Deutschen lieber am Bargeld fest. Sie haben gut doppelt so viel Münzen und Scheine im Portemonnaie wie etwa Niederländer, Franzosen oder Amerikaner, berichtete die "Frankfurter Allgemeine" im Januar.

 

An den beiden Coburger Bratwurstständen wird am Freitag immer wieder die Frage gestellt, ob das kontaktlose Zahlen denn auch sicher sei. Dem Bundeskriminalamt ist laut einem Bericht der "Welt am Sonntag" vom Januar kein einziger Fall bekannt, bei dem Kriminelle durch das Ausspähen der Funkkarten an das Geld anderer Menschen kamen. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Datenschützer und der Weiße Ring kennen, so die Zeitung, keine Opfer.

Ganz unmöglich ist das Auslesen von Daten nicht. Doch dafür müssen Betrüger sehr nah an die Karte kommen. Das BSI spricht von einer Entfernung von drei bis fünf Zentimetern. Zudem müsse man längere Zeit mit dem Lesegerät neben der Karte verweilen. Andere Karten und Münzen in der Geldbörse beeinträchtigen die Datenübertragung massiv, eine Hülle bietet zusätzlichen Schutz. Ein gewöhnlicher Taschendieb hat eine um ein Vielfaches höhere Chance, an Geld zu kommen, wenn der Bestohlene seine Karte nicht sofort sperrt.

Claudia Hartan, die am Freitag am Marktplatz in Coburg Bratwürste verkauft, macht die Erfahrung, dass sich die Kunden "schon überzeugen lassen, wenn man mit ihnen über die Möglichkeit des kontaktlosen Zahlens spricht", auch wenn sie zunächst skeptisch seien. Else Hofmann vom benachbarten Stand sieht das nicht anders. Sie selbst könnte sich vorstellen, die Girocard-Technik installieren zu lassen, denn sie sei "nicht einmal schlecht".

Und wie steht es mit Trinkgeld? "Kein Problem", sagt Norbert Schug, Vorstandsmitglied der VR-Bank Coburg. Wer statt der 2,30 Euro, die die Bratwurst derzeit kostet, 2,50 Euro zahlen möchte, müsse das der Verkäuferin nur sagen. Denn den Betrag müsse sie auf alle Fälle in das Übertragungsterminal eintippen, an das die Geldkarte gehalten werden muss.

"Wir möchten erreichen, dass es für die Technik eine höhere Akzeptanz gibt", begründet Karlheinz Kipke, Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Coburg, die Bratwurst-Aktion am Freitag. Das ist ganz im Sinne des Einzelhandels. Thorsten Becker, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Oberfranken, sagt, "wir sehen in der Girocard nur Vorteile". Der Handel würde sich, so Becker, freuen, "wenn die Kunden das kontaktlose Zahlen besser nutzen würden". Das, sagt Martina Riegert, Inhaberin der Coburger Buchhandlung Riemann, würde Bezahlvorgänge vereinfachen und beschleunigen. Die Technik dazu sei bei Riemann installiert. Becker ergänzt: "Die meisten Einzelhändler sind mit Terminals ausgestattet."

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
13. 04. 2018
22:48 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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13. 04. 2018
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