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Coburg

Bienenpost stachelt Bauern auf

Jetzt beschäftigt das Volksbegehren "Rettet die Bienen" sogar die Kindergärten. Eine Mütter-Initiative hat in Stadt und Landkreis Flugblätter verteilt. Der Bauernverband übt Kritik.



Fast alle Kindergärten in der Stadt und dem Landkreis Coburg hat das MütterBündnis für Bienen Coburg mit Informationen zum Volksbegehren ausgestattet. Diese seien allerdings einseitig kritisiert der Bauernverband. Foto: Norbert Klüglein
Fast alle Kindergärten in der Stadt und dem Landkreis Coburg hat das MütterBündnis für Bienen Coburg mit Informationen zum Volksbegehren ausgestattet. Diese seien allerdings einseitig kritisiert der Bauernverband. Foto: Norbert Klüglein  

Coburg - Sie wollen aufmerksam machen und Eltern "dort abholen wo sie ohnehin jeden Tag sind". Claudia Wiesner aus Coburg und drei weitere Mütter werben als "MütterBündnis für Bienen Coburg" für Unterschriften zum Volksbegehren "Rettet die Bienen." 75 Kindergärten in Stadt und Landkreis Coburg haben sie ihre "Bienenpost" vorbei gebracht. Der Elternbrief enthält unter anderem den Aufruf "Retten Sie die Tierwelt für Ihre und unsere Kinder". Ein Verweis auf ein Video bei Youtube, ein TV-Beitrag beim Bayerischen Rundfunk sowie ein Link zum Volksbegehren soll Eltern schnell und übersichtlich Fakten liefern, um sich über das Thema zu informieren. "Da wir als Eltern heute alle gut ausgelastet sind, ist die Infoflut zu dem Thema fast nicht handelbar", betont Claudia Wiesner. Doch bevor jemand handeln könnte, müsste er vorher Bescheid wissen. Das MütterBündnis will dazu einen Beitrag leisten. "Wir haben alle Kindergärten in der Stadt und dem Landkreis über unser Vorhaben per E-Mail informiert", sagt Wiesner. Bis auf eine Einrichtung in Coburg hätte es keine Probleme gegeben. Am gestrigen Montag sollten die letzten Einrichtungen nun mit den Druckwerken versorgt werden.

Doch das Vorhaben hat auch Kritiker. Martin Flohrschütz, der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes zum Beispiel. Ihm sei der Elternbrief zugespielt worden, wie er sagt. Und dessen Inhalt bringt den Kreisobmann auf die Palme. "Die Behauptungen in diesem Schreiben sind unfair", findet Flohrschütz. Am meisten stört er sich an dem Satz, dass "die Spritzmittelindustrie, die 1,4 Milliarden Euro umsetzt, den Bauverband unter Druck setzt". "Ich würde mich gerne mit den Menschen, die so etwas behaupten, austauschen. Aber man will ja nicht", bedauert der Kreisobmann. Wenn sich Menschen dazu entschließen, das Volksbegehren zu unterschreiben, "dann sollen sie das tun. Aber bitte nur nachdem sie beide Seiten gehört haben." Solch eine einseitige Informationspolitik könnte eigentlich auch nicht im Sinne christlicher Träger sein, denen viele der Kindergärten in Stadt und Landkreis angehören. "Wir werden uns mit unserer Kritik daher auch an sie wenden", betont Martin Flohrschütz.

Zu Claudia Wiesner hat er schon vergangene Woche Kontakt aufgenommen und das Thema lange besprochen. "Wir haben vereinbart, sachlich miteinander umzugehen", so das Fazit des Telefongesprächs.

Umso mehr empört den Kreisobmann dass nun auch im Einzelhandel fast identische Schreiben auftauchen. "Im Sagasser-Getränkemarkt auf der Lauterer Höhe liegen ebenfalls Flugzettel aus", weiß er. Die Infos auf diesem Material sind mit denen im Elternbrief identisch. Doch anders als bei der Bienenpost für die Kindergärten ist hier kein Ansprechpartner angegeben. "Man kann sich bei Fragen nicht mal an jemanden wenden", kritisiert der Kreisobmann. In einem Schreiben an die Sagasser-Geschäftsführung bringt er seinen Unmut über die Aktion zum Ausdruck. "Dass Sie das Volksbegehren unterstützen und Ihren Mitarbeitern frei geben zum Unterschreiben ist die eine Sache", heißt es darin. "Dass es aber zugelassen wird, dass in Ihrem Markt auf der Lauterer Höhe Flugzettel verteilt werden mit ‚Rettet unser Leben‘ ist die andere." Für Flohrschütz sei es "einfach nicht zu fassen, dass dort ein Flugblatt liegt, in dem der Bauernverband bezichtigt wird, von der sogenannten Spritzmittelindustrie unter Druck gesetzt zu werden". Das sei nicht nur unfair, "sondern geht unter die Gürtellinie". Daher kündigt Flohrschütz an, im nächsten Rundschreiben an die Mitglieder des Bauernverbandes diese zu bitten, "dass sie ihr Einkaufsverhalten überprüfen". Auch Flohrschütz selbst will als Kunde "seine Konsequenzen daraus ziehen". Er fragt in seinem Schreiben die Sagasser-Geschäftsleitung "Ist Ihnen überhaupt bewusst, dass die Rohstoffe für Bier, Wein etc von landwirtschaftlichen Betrieben erzeugt werden?"

Geschäftsführer Michael Sagasser bedauert die Überwerfung mit dem Bauernverband. Auf NP -Anfrage erzählt er, wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) vor einiger Zeit an ihn herangetreten sei und für das Volksbegehren geworben hat. "Ich wollte meinen Mitarbeitern die Möglichkeit geben, das zu unterschreiben", erklärt er. Das sei jedoch ausschließlich eine interne Regelung gewesen. Dass nun Flugblätter in seiner Filiale aufgetaucht sind, sei nicht in seinem Sinne. "Das war definitiv keine Anweisung der Geschäftsführung", versichert er. "Grundsätzlich unterstütze ich vieles und beim LBV ist mir sehr positiv aufgefallen, dass eine Forderung hieß, die Bauern an dieser Entscheidung aktiv zu beteiligen", betont er. Die Flugblätter hat er daher noch am gestrigen Montag entfernen lassen. "Wir wollen keine Politik machen", so Sagasser.

 
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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
11. 02. 2019
18:08 Uhr

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Steffi Wolf

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11. 02. 2019
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