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Coburg

Bloß nicht noch ein Rekordsommer!

Der Regen Anfang Mai war für die Landwirtschaft nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Bereits jetzt befürchten viele Bauern erhebliche Ertrags- und Einkommenseinbußen.



Landwirt Christian Flohrschütz blickt mit Sorge auf die Aussaat auf seinem Zuckerrübenacker. Den unterschiedlichen Feldaufgang erkennt man hier deutlich. Foto: Privat
Landwirt Christian Flohrschütz blickt mit Sorge auf die Aussaat auf seinem Zuckerrübenacker. Den unterschiedlichen Feldaufgang erkennt man hier deutlich. Foto: Privat  

Meeder/Coburg - Regen, endlich Regen: Das Muttertagswochenende bescherte den Landwirten der Region den ersehnten Niederschlag - Zeit zum Aufatmen ist trotzdem nicht. Hans Rebelein, Geschäftsführer des Kreisverband Coburg des Bayerischen Bauernverbandes, sagt insofern ganz deutlich: "Der Regen hat geholfen, das war gut - aber es reicht nicht bis zur Ernte. Im Mai und im Juni brauchen wir weitere Niederschläge." Der erste Grasschnitt des Jahres sei inzwischen erfolgt, allerdings mit magerem Ergebnis. "Wir hatten hier nur 50 bis 75 Prozent des Normalschnittes, weil es einfach vorher zu trocken war", zieht er Fazit.

Nun hoffen die Landwirte auf einen besseren zweiten Schnitt. "Nun ist der weitere Wetterverlauf entscheidend", erläutert Hans Rebelein und ist sich sicher: "Einen Top-Ertrag wird es jedenfalls nicht geben. Aber wir brauchen den Regen, um wenigstens um auf einen durchschnittlichen Ertrag zu kommen."

Doch nicht nur die Grasmahd bereitet dem BBV-Geschäftsführer Sorgen: Dem kälteempfindlichen Mais, der gerade seine Triebe aus der Erde bohrt, machen die frostigen Nächte zu schaffen. Und die Sommerfrüchte, die erst im März auf die Felder ausgebracht wurden, keimen in der Trockenheit ebenfalls nicht richtig. "Hafer, Erbsen, Bohnen, Sommergerste", zählt Hans Rebelein auf. "Ich kann mir vorstellen, dass manche Samen einfach kaputt gegangen sind."

Alles in allem eine düstere Prognose: "Es drohen erhebliche Ertrags- und damit auch Einkommenseinbußen. Die Landwirte müssen die Milchmenge abbauen, Futter dazukaufen. Den ein oder anderen wird das massiv treffen. Das ist schwer zu verdauen - das Wetter hat uns einfach zu sehr zugesetzt." Dabei treffe die Trockenheit die Landwirte bereits das dritte Jahr in Folge. Und auch die Landwirte trifft ganz ähnlich wie die Waldbauern (siehe Artikel oben) die Corona-Krise hart: Unklare Entwicklung am Milchmarkt, massiver Einbruch bei den Preisen für Rindfleisch und Schweinefleisch.

Christian Flohrschütz ist Landwirt aus Leidenschaft. Er betreibt den Familienbetrieb in Kleinwalbur bereits in der dritten Generation. Und als Vorsitzender der Weizenerzeugergemeinschaft Coburg kennt er die Probleme seiner Berufskollegen nur zu gut. Mit Blick auf die Trockenheit sagt er deshalb: "Das geht mal ein Jahr, das geht mal zwei Jahre, aber wenn dann ein drittes trockenes Jahr in Folge kommt, das tut schon weh. Momentan ist das ein sehr schwieriges Geschäft." 140 Hektar Feld bewirtschaftet der 36-Jährige in Meeder, versorgt Mastschweine und Mastbullen auf seinem Hof. Die Wetterprognosen beobachtet er genau und sagt: "Das macht schon ein wenig Angst dieses Jahr."

Verrückt machen lassen möchte er sich zwar nicht durch die Vorhersagen, die einen weiteren Rekordsommer prophezeien. Aber dennoch: "Ich bin mir sicher, dass wir durch den trockenen April einiges an Ertrag eingebüßt haben." Selbst bei den Böden, die auf Grund ihrer Beschaffenheit Wasserbestände länger speichern können, sei durch die lange Trockenphase mit starkem Wind und hoher Sonneneinstrahlung "das letzte bisschen Wasser" aus den oberen Bodenschichten gefegt worden.

"Gerade beim Feldaufgang der Sommerungen ist dies deutlich zu erkennen. Hier sind teilweise nur 40 Prozent aufgelaufen und der Rest der Saat lag fast sechs Wochen lang trocken im Boden", so der Landwirt. Allen Tierhaltern rate er daher dringend, die Futtervorräte zu sichern. "Denn falls es tatsächlich wieder ein Dürrejahr gibt, dann wird die Situation im Futterbereich noch schwieriger als dies in den letzten Jahren der Fall war", so Christian Flohrschütz.

Die neue Düngeverordnung, die den Landwirten zusätzliche Beschränkungen etwa durch Vorgabe eines Nährstoffabschlages auferlege, hemme die Bewirtschaftung obendrein. "Das tut uns Landwirten weh", bedauert der 36-Jährige und wehrt sich gegen die Kritik, die mancherorts gegen seinen Berufsstand laut wird. "Wir arbeiten nach bestem Wissen und Gewissen und betreiben keinen Raubbau. Wir alle arbeiten unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit und wollen Grund und Boden für nachfolgende Generationen erhalten." Ein Prinzip, dass im Übrigen seit jeher gelte und befolgt werde. "Die Flächen, die wir heute nutzen, sind ja alle schon vorher bewirtschaftet worden. Und natürlich hatten wir eine schlechte Ernte wegen der Trockenheit. Aber wären die Böden nicht in Ordnung gewesen, dann hätten wir ja gar nichts geerntet", argumentiert er.

Angesichts der anhaltenden Trockenheit steht für den Landwirt daher fest: "Wir können dieses Problem nicht ausblenden und werden damit umgehen müssen. Wir werden auch umdenken müssen, was die Bewirtschaftung angeht, wir müssen beispielsweise wasserschonend arbeiten, mit der Nährstoff- und Kalkversorgung haushalten." Optimistisch ist der 36-Jährige trotz allem. Ich denke, es wird immer einen Weg geben, auch wenn dieser möglicherweise etwas unbequem werden kann."

Und vielleicht hat das Wetter in diesem Jahr ja doch noch ein Einsehen. "Wenn der Mai nicht so heiß wird und es immer mal einen Niederschlag gibt, dann können die Pflanzen vielleicht doch noch etwas kompensieren und wir kommen mit einem blauen Auge davon."

Autor

Stefanie Nickmann
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Veröffentlicht am:
15. 05. 2020
00:00 Uhr

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Stefanie Nickmann

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Veröffentlicht am:
15. 05. 2020
00:00 Uhr



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