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Coburg

Bürgermeister-Wahl in Coburg: So viele Kandidaten wie noch nie

Am 15. März 2020 läuft der erste Durchgang zur Oberbürgermeisterwahl in Coburg. Bei der Vielzahl der Kandidaten könnte zwei Wochen später eine Stichwahl notwendig sein.



So viele Kandidaten wie noch nie
  Foto: NP » zu den Bildern

Coburg - Thomas Nowak oder Dominik Sauerteig? Am Samstag, 23. November, entscheidet die Coburger SPD, wen sie als Oberbürgermeisterkandidat in die Wahl am 15. März 2020 schickt.

Nominierung im Kino

Der SPD-Kreisverband Coburg-Stadt nominiert seinen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im März nächsten Jahres am Samstag, 23. November, um 16.30 Uhr im Saal 9 des Kinos "Utopolis". Den Ort habe man bewusst gewählt, so Kreisvorsitzender Stefan Sauerteig. Das Kino liege am Eingangstor zur Steinwegvorstadt, die nach Überzeugung der SPD eines der wichtigsten städtebaulichen Entwicklungsgebiete der nächsten Jahre sein werde. Für ihre Politik wollten die Sozialdemokraten aber auch in den Stadtteilen werben. "Wir wollen damit dokumentieren, dass wir die Stadtteile im Blick haben", betont Sauerteig.

 

Norbert Tessmer (SPD) hatte am
8. August überraschend angekündigt, dass er sich kein zweites Mal um das Coburger Spitzenamt bewirbt. Vorher hatte Tessmer nur engste Vertraute eingeweiht; selbst die Führung der SPD-Stadtratsfraktion fiel aus allen Wolken, als der OB seine Entscheidung öffentlich machte. Seitdem diskutieren die Sozialdemokraten darüber, wen sie als Kandidaten ins Rennen schicken wollen. In Teilen der SPD-Stadtratsfraktion war man bereit, dabei einen außergewöhnlichen Weg zu gehen und nicht auf dem sozialdemokratischen "Stallgeruch" zu beharren oder auf die "Ochsentour durch die Instanzen" zu bestehen. Ihr Wunschkandidat hieß nach Informationen der Neuen Presse Fritz Frömming, kaufmännischer Direktor des Landestheaters. Auch Oberbürgermeister Tessmer soll davon zunächst angetan gewesen sein. Schließlich hat sich Frömming in der Diskussion um die Theater-Sanierung am Schlossplatz, den Globe-Bau am ehemaligen Güterbahnhof und den Streit um die laufenden Kosten des Kulturtempels als Fels in der Brandung erwiesen, der Fakten erklären, Positionen beziehen, Menschen führen und strategisch denken kann. Er gilt als Glücksfall für das Landestheater, das in stürmische Zeiten geraten ist - durchaus gute Voraussetzungen für einen Coburger OB.

 

Fritz Frömming war am Ende als Kandidat nicht durchsetzbar. Auch deshalb, weil Norbert Tessmer nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit gegenüber dem Vorstand des SPD-Stadtverbands für die Kandidatur Frömmings eingetreten ist. "Er hätte auf den Tisch schlagen müssen, statt wieder einmal den Konsens zu suchen", sagt ein Insider. So setzte sich die junge Garde um SPD-Stadtverbandsvorsitzenden Stefan Sauerteig und seinen Bruder, Stadtrat Dominik Sauerteig, durch. Sie wollen einen Bewerber aus den eigenen Reihen.

Da wäre Thomas Nowak erste Wahl. Der
3. Bürgermeister kommt als ehemaliger Vorsitzender des Stadtjugendrings aus der Jugendarbeit, ist in der evangelischen Kirche aktiv und ein SPD-Urgestein. In Coburg ist Nowak bekannt und beliebt. Ein großes Pfund, mit dem er wuchern kann, ist, dass er den Draht zu den "einfachen Leuten", einst das wichtigste Wählerpotenzial der SPD, nicht verloren hat. Der gelernte Speditionskaufmann war von 2003 bis 2014 Vorsitzender der SPD-Fraktion im Coburger Stadtrat und macht seit 2014 als 3. Bürgermeister und Sozialreferent einen guten Job. Aber der 51-Jährige steht ein Stück weit für die "alte" SPD, die derzeit nicht nur neue Bundesvorsitzende, sondern nach ihrem desaströsen Absturz in der Wählergunst - zuletzt bei der Landtagswahl in Thüringen - Zukunftsperspektiven und einen Neuanfang sucht.

Die Jungen in der Coburger SPD bevorzugen deshalb die Kandidatur des 32-jährigen Rechtsanwalts Dominik Sauerteig. Bekannt ist er als Vorsitzender des Vereins Hartz&Herzlich, der ein Sozialkaufhaus betreibt, und als Initiator des Bürgerbegehrens "Rettet den Rosengarten", das einen Hotelbau in der Grünanlage verhindern will.

Wer bei der Nominierung des SPD-Oberbürgermeisterkandidaten am 23. November am Ende vorne liegen wird, ist völlig offen. Das inhaltliche Konzept, dass die Bewerber vorlegen, und wie sie mit ihrer Politik verloren gegangenes Terrain für die SPD in Coburg zurückgewinnen wollen, werde entscheidend sein, heißt es aus Ortsvereinen. Sie stellen die Delegierten, die über die Nominierung entscheiden.

Aus dem Rennen sein dürfte Martin Lücke. Der Oberarzt am Klinikum Coburg und SPD-Stadtrat, der unter anderem in der Initiative "Ärzte im Congo" ehrenamtlich aktiv ist und für das Europaparlament kandidiert hat, soll nach NP-Informationen in einer Fraktionssitzung sein Interesse an einer OB-Kandidatur bekundet haben, hat dies aber offenbar nicht weiter betrieben. Derzeit weilt Lücke in Afrika.

Vom Tisch sind auch Überlegungen, dass die SPD bei der OB-Wahl im März 2020 einen völlig neuen Weg geht. So hatten sowohl die CSU als auch die Wählergruppe Pro Coburg - die früheren Freien Wähler - bei den Sozialdemokraten vorgefühlt, ob sie nicht auf einen eigenen Kandidaten verzichten und Thomas Nowak auf Platz 1 ihrer Stadtratsliste setzen wollen. Im Gegenzug hätten CSU oder Pro Coburg - je nachdem, für wen sich die SPD entschieden hätte - ihre Kandidaten ausschließlich für die Oberbürgermeisterwahl aufgestellt. Da davon auszugehen ist, dass Thomas Nowak auf einer SPD-Stadtratsliste die meisten Stimmen erhalten würde, hätte er - so die Überlegung - Erstzugriffsrecht auf das Amt des 2. oder 3. Bürgermeisters unter einem neuen OB von CSU oder Pro Coburg. Auf diese Offerte - die Sozialdemokraten hätten dann einen der beiden Kandidaten aus dem anderen politischen Lager unterstützen müssen - ließ sich der SPD-Kreisvorstand jedoch nicht ein. Von "Kuhhandel" war die Rede, der den Sozialdemokraten den Rest Glaubwürdigkeit nehmen würde.

Bei Pro Coburg ist zu 99 Prozent klar, dass der weithin bekannte Rundfunkjournalist Thomas Apfel im Januar als Bewerber um das höchste Amt in der Stadt Coburg nominiert wird. Politisch ist er bislang ein unbeschriebenes Blatt, profiliert sich aber zunehmend als Kinderbeauftragter der Stadt Coburg.

Bei der CSU soll an diesem Wochenende die Entscheidung fallen, wer für die Christsozialen in das Rennen um den Chefsessel im Coburger Rathaus geht. Die Kandidatur läuft auf Christian Meyer zu. Er war CSU-Kreisvorsitzender in Coburg, bevor ihn die jetzige 2. Bürgermeister Dr. Birgit Weber in diesem Amt beerbte, und Stadtratsmitglied. Das Mandat gab er ab, als er zum Geschäftsführer der Wohnbau Stadt Coburg GmbH berufen wurde. Meyer versteht sein Handwerk. Seine Arbeit - insbesondere die von ihm betriebene strategische Ausrichtung der Stadtentwicklung - findet parteiübergreifend großen Zuspruch, Lob und Beifall.

Die Christlich-Sozialen Bürger (CSB) haben ihren OB-Kandidaten bereits nominiert: den Rechtsanwalt und kommunalpolitisch versierten Stadtrat Christian Müller, der schon 2014 als Kandidat angetreten ist. Die Grünen haben, nachdem ihre Stadtratsfraktion mit dem Austritt des Ehepaars Benzel auseinander gefallen ist, die Architektin Ina Sinterhauf aufgestellt. Sie ist an der Hochschule Coburg tätig und hat bei der Landtagswahl vor einem Jahr ein respektables Ergebnis eingefahren. In der Stadtpolitik hat sie hingegen bislang wenig auffällig agiert.

Für die ÖDP tritt der Gymnasiallehrer Michael Partes an. Die FDP will in der nächsten Woche ihren Kreisvorsitzenden und Neurochirurgen Dr. Michael Zimmermann nominieren. Für Die Partei, die eher den Spaß an der Politik als Inhalte in den Mittelpunkt ihrer Arbeit stellt, geht Norbert Denninger in die Bütt. Er saß schon einmal für die ÖDP im Coburger Stadtrat.

Die Partei Die Linke schickt René Hähnlein ins Rennen. Er ist seit 2014 Stadtrat und hat mit den SPD-Abtrünnigen Adelheid Frankenberger, Barbara Kammerscheid und Mathias Langbein die SBC-Fraktion ("Sozial-Bürgernah-Coburg") gegründet. Nach dem Tod von Mathias Langbein und dem Wechsel von Barbara Kammerscheid zur CSU ist diese Gruppierung allerdings Geschichte.

Die AfD hat angekündigt, keinen eigenen Oberbürgermeister-Kandidaten zu stellen. Man wolle sich auf die Stadtratswahl kandidieren, teilte die Partei jüngst mit.

Ob mit oder ohne AfD: So viele Oberbürgermeister-Kandidaten gab es in Coburg noch nie. Das liegt an der Erosion der etablierten Parteien und Wählergruppen, die auf der kommunalen Ebene eingesetzt hat. Deshalb wird erwartet, dass bei der OB-Wahl am 15. März 2020 noch kein Sieger feststehen wird. Die beiden Bewerber mit den meisten Stimmen kommen dann in eine Stichwahl, die zwei Wochen später stattfindet.

 

Lesen Sie dazu auch: Noch ein OB-Kandidat?

 
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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
31. 10. 2019
16:42 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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31. 10. 2019
16:42 Uhr



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