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Coburg

Casimirianum bricht mit 415 Jahre alter Tradition

Latein als erste Fremdsprache ist künftig nicht mehr Pflicht. Stattdessen steht auch Englisch zur Wahl.



Coburg – Erstmalig in seiner 415-jährigen Geschichte wird das Gymnasium Casimirianum Latein nicht mehr zwingend als erste Fremdsprache anbieten. Eltern und Schüler können sich künftig selbst entscheiden, ob sie klassisch mit Latein oder doch mit Englisch beginnen wollen. Wie das Direktorat am Donnerstag in einer Presseerklärung mitteilte, gelte die Regelung ab dem neuen Schuljahr, das im September startet. 
Gleichzeitig hat es an dem humanistischen Gymnasium personelle Veränderungen gegeben. Studiendirektor Monty Hannusch ist seit 


25. März ständiger Stellvertreter von Burkhard Spachmann (siehe Artikel unten). Ergänzend zur Mitteilung des Direktorats sagte Hannusch auf Anfrage der Neuen Presse, man habe mit der Entscheidung, Latein als grundsätzlich erstes Pflichtfach zu streichen, „gesellschaftlichen Entwicklungen“ Rechnung getragen. „Wir haben uns die Entscheidung sicherlich nicht leicht gemacht“, betonte Hannusch. Auch die sinkenden Schülerzahlen in den vergangenen Jahren seien ein Grund dafür gewesen. Allerdings nicht der einzige. Weiter wollte sich der stellvertretende Schulleiter gestern nicht zu dem Thema äußern. 


Die Entscheidung stößt bei Traditionalisten auf wenig Gegenliebe. „Ich bin wie vom Donner gerührt“, sagt Dr. Hans Herold Wangemann, Vorsitzender der Schülerverbindung Casimiriana, die heuer ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Wangemann erinnert sich an die Einschulung seiner Tochter, bei der der damalige stellvertretende Schulleiter, ein Lehrer für Mathematik und Physik, gesagt habe: „Lingua latina pro omnibus!“ (Lateinische Sprache für alle). „Die Schule verliert ein Alleinstellungsmerkmal. Das muss man erst einmal verdauen. Es trifft uns schon ins Mark.“


Coburgs ehemaliger Oberbürgermeister Norbert Kastner hat das Casimirianum besucht – und bedauert die Entscheidung. „Latein war in der Schule zwar nicht mein Lieblingsfach, als Erwachsener habe ich aber doch sehr von den Kenntnissen profitiert“, sagt er. Kastner sieht wohl, dass Latein als erste Fremdsprache nicht mehr dem Zeitgeist entspricht: „Insofern ist es vielleicht ein bequemer Weg für die Schule. Ob die Entscheidung bildungspolitisch richtig ist, weiß ich nicht.“ 


Der Neustadter Oberbürgermeister Frank Rebhan (59) hat am Casimirianum Abitur gemacht. Ihn hat die Entscheidung der Schulleitung zwar überrascht, weil „natürlich ein Alleinstellungsmerkmal verloren geht“. Allerdings kann er sie auch vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen an humanistischen Gymnasien nachvollziehen. 


Den exakt umgekehrten Weg wie das Casimirianum ist übrigens vor vier Jahren das Münchner Rupprecht-Gymnasium gegangen. Bis zum Schuljahr 2015/16 war hier ausschließlich Englisch die erste Fremdsprache. Seitdem können sich die Schülerinnen und Schüler stattdessen auch für Latein entscheiden. Auf seiner Homepage wirbt das naturwissenschaftlich-technologische und sprachliche Gymnasium sogar dafür: „Lernt man Latein als erste Fremdsprache, hat man vier Jahre Zeit, um das grammatikalische Grundgerüst und den Grundwortschatz zu erwerben, lernt man Latein als zweite Fremdsprache, hat man dafür nur drei Jahre Zeit“, heißt es dort. Ein möglichst früher Beginn mit Latein noch vor dem Einsetzen der Pubertät sei entwicklungspsychologisch besonders effektiv. „Weil die Kinder sich in diesem Alter durch große Lernfreude, Auffassungsgabe und Neugier auszeichnen.“

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Volker Friedrich

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Veröffentlicht am:
25. 04. 2019
14:29 Uhr

Aktualisiert am:
25. 04. 2019
22:18 Uhr

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25. 04. 2019
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25. 04. 2019
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