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Coburg

Coburg: Das Globe-Theater kommt

Die Aufträge für den Rundbau in Coburg werden jetzt europaweit ausgeschrieben, die Vergabe soll im Herbst erfolgen. Mit einem einstimmigen Grundsatzbeschluss bekennt sich der Stadtrat zum Landestheater.



Nicht nur "Ausweichspielstätte": Das Globe-Theater soll das architektonische Herz des neuen Stadtteils auf dem Güterbahnhofareal werden.
Nicht nur "Ausweichspielstätte": Das Globe-Theater soll das architektonische Herz des neuen Stadtteils auf dem Güterbahnhofareal werden.  

Coburg – Der Stadtrat von Coburg stellt den Bau des Globe-Theaters am ehemaligen Güterbahnhof in der Südstadt nicht infrage. Am Donnerstag brachte das Gremium die Ausschreibung von fast drei Vierteln aller Aufträge für das Projekt auf den Weg, wie Gerald Hellmuth, Sachgebietsleiter der Zentralen Beschaffungsstelle der Stadt Coburg sowie Leiter des Bauinvestcontrollings, in der Stadtratssitzung am Donnerstag im Kongresshaus Rosengarten erläuterte. Die Vergabe soll am 24. September dieses Jahres erfolgen. Gleichzeitig fasste der Stadtrat einstimmig den Grundsatzbeschluss, an der Verwirklichung des Globe-Theaters mit drei Nebengebäuden am ehemaligen Güterbahnhof festzuhalten und den Bau konsequent voranzutreiben.

Die Kosten für das Globe, das ab Herbst 2022 zunächst als Ausweichspielstätte für das Landestheater während der Zeit der Generalsanierung und nach deren Abschluss für unterschiedlichste Veranstaltungen genutzt werden soll, gab Gerald Hellmuth mit 33,881 Millionen Euro an. Vor gut einem Jahr, im April 2019, waren noch 29,3 Millionen Euro genannt worden. Hellmuth begründete die Steigerung unter anderem mit dem Standort am ehemaligen Güterbahnhofgelände, der erst im Mai 2019 endgültig festgelegt worden sei. Dort sei für „das große Gebäude“ beispielsweise eine tiefe Gründung notwendig, für die Baugrube sei ein „Spezialtiefbau“ erforderlich.

Das Globe-Theater selbst, ein Rundbau aus Holz nach englischem Vorbild, ist mit Kosten von 24,175 Millionen Euro veranschlagt. Die Außenanlagen werden mit 3,57 Millionen Euro kalkuliert, die „Effektbeleuchtung“ mit 366.000 Euro, die „Erlebbarkeit der Itz“ mit 1,5 Millionen Euro, die Baunebenkosten mit 3,95 Millionen Euro, die Eigenleistung des städtischen Hochbauamts mit 250.000 Euro.

Das erste Ausschreibungspaket umfasst laut Gerald Hellmuth rund 72 Prozent der Gesamtbaukosten und wird europaweit veröffentlicht. Sollte es wesentliche Kostenüberschreitungen geben, habe die Stadt Coburg vergaberechtliche Möglichkeiten, die Verfahren „schadensfrei zu beenden“. Zum Einhalten des Kostenrahmens trügen auch die „offenen Verfahren“ – öffentliche Ausschreibungen – bei. Sie gewährleisteten einen „höchstmöglichen Wettbewerb, das schafft Kostensicherheit“, sagte der Leiter der städtischen Vergabestelle. Er wies zudem darauf hin, dass sich die Kostensituation am Bau, die im vergangenen Jahr schier explodiert ist, langsam entspanne.

Peter Cosack, Leiter des Hochbauamts der Stadt Coburg, gab den Sachstandsbericht zur Globe-Planung. Hier bewege man sich auf die Zielgerade zu. Der Coburger Entsorgungs- und Baubetrieb (CEB) sowie die Städtischen Werke (SÜC) hätten am Baugrundstück am ehemaligen Güterbahnhof alle Ver- und Entsorgungsleitungen verlegt. Damit seien die Voraussetzungen für die Erd- und Gründungsarbeiten gegeben.

Cosack war es wichtig, sich grundsätzlich zum Globe-Theater zu positionieren. Aus Sicht des städtischen Hochbauamts sei es alternativlos und sollte verwirklicht werden, „einen Plan B gibt es nicht“. Für die Stadt Coburg, die das Landestheater betreibt, sei es nicht mehr kalkulierbar, wie lange das historische Gebäude am Schlossplatz überhaupt noch funktionsfähig ist. Dessen desolater Zustand könne jederzeit zu einem unerwarteten Ende der Spielzeit führen – schon vor dem endgültigen Auslaufen der bereits mehrfach verlängerten Betriebsgenehmigung zum 30. Juni 2022. Die Ausweichspielstätte sei unabdingbar für die Existenz des Landestheaters.

Der Hochbauamtsleiter betonte, mit der Entscheidung für das Globe-Theater habe der Stadtrat der Verwaltung eine große Verantwortung übertragen. Alle Beteiligten – Ämter, Dienststellen, externe Fachplaner – brächten sich „maximal“ in das Projekt ein, alle wollten es realisieren und erfolgreich zu Ende bringen. Für diese Stellungnahme erhielt Peter Cosack Beifall aus dem Stadtrat. 

In der Diskussion machten Sprecher aller Fraktionen deutlich, dass sie hinter dem Globe stehen, um die Zukunft des Landestheaters Coburg nachhaltig zu sichern. Es sei, wie Norbert Tessmer (SPD) und Gerhard Amend (CSB) leidenschaftlich betonten, ein Alleinstellungsmerkmal und identitätsstiftend für die Stadt. Auch Hans-Herbert Hartan (CSU/JC) betonte, dass seine Fraktion „zu 100 Prozent hinter dem Landestheater steht, ohne Wenn und Aber“.

Jürgen Heeb (Pro Coburg) legte ebenfalls ein Bekenntnis zum Theater ab, das ein Leuchtturm für das kulturelle Leben in der Vestestadt darstelle und mehr als 250 Beschäftigte hat. Heeb forderte aber, sich schon jetzt Gedanken über die Nutzung des Globe als multifunktionales Veranstaltungszentrum zu machen, wenn die Generalsanierung des großen Hauses am Schlossplatz abgeschlossen ist, was ihm Kritik von Petra Schneider (SPD) einbrachte. Wenn Pro Coburg ein Nutzungskonzept einfordere, dann solle die Wählergemeinschaft selbst Überlegungen anstellen und diese dem Stadtrat vorlegen. Das werde Pro Coburg tun, sagte Heeb, der eine „lustige Diskussion“ voraussagte, was OB Sauerteig zu der Bemerkung veranlasste, „da kommt Stimmung in die Bude“. Martina Benzel-Weyh bat eindringlich darum, das Globe in den nächsten Wochen nicht wieder infrage zu stellen, „das hängst mir zum Hals heraus“.

Michael Zimmermann (FDP) und Wolfgang Weiß (Grüne) verhehlten allerdings nicht, dass sie wegen der hohen Kosten Bauchschmerzen hätten. Schließlich dürfe der Stadtrat nicht vergessen, dass Coburg noch andere Aufgaben hat, beispielsweise beim Klimaschutz und in der Sozialpolitik. Zudem bestehe Kultur in der Vestestadt nicht nur aus dem Landestheater. Gegen den Grundsatzbeschluss zum Globe stellten sich aber weder die FDP, noch die Grünen.

Oberbürgermeister Dominik Sauerteig sagte zu, die Kostenentwicklung beim Bau des Globe im Auge zu behalten und den Stadtrat laufend zu informieren. Gleiches gelte für die Steuereinnahmen. Den einstimmigen Grundsatzbeschluss, den Globe zu errichten, bezeichnete der OB als „Mega-Signal“ auch an die Mitarbeiter des Landestheaters. Sauerteig: „Wir haben das größte Brett von heute gebohrt.“

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
28. 05. 2020
17:00 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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28. 05. 2020
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