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Coburg

Coburger Convent: Verein lehnt Alt-OB Kastner als Moderator ab

Der Coburger Convent wollte sich Kritikern in einer Diskussionsrunde stellen. Jetzt ist das Gespräch abgesagt worden.



Coburg - Dr. Ali Ottmar Mahdi, Beisitzer im Vorstand der "Alten Herren" im Coburger Convent (AHCC), hat den Vorwurf des Vereins Alternative Kultur e. V. Coburg zurückgewiesen, der Dachverband der Landsmannschaften und Turnerschaften verweigere sich einer offenen Debatte mit Kritikern. "Wir kneifen nicht", sagte Mahdi am Montag der Neuen Presse.

Kritik am CC

Der Verein Alternative Kultur Coburg hat für die Pfingstfeiertage ein "vielfältiges Kulturprogramm" angekündigt. Es ist eine Gegenveranstaltung zum gleichzeitig stattfindenden Coburger Convent (CC) der pflichtschlagenden Landsmannschaften und Turnerschaften. "Wenn die Stadt männlichen, elitären und rechtsoffenen Verbindungsstudenten so viel Raum gibt, müssen wir uns den öffentlichen Raum zurückholen", heißt es in einer Presseerklärung. Nicht alle Coburger stünden dem CC wohlwollend gegenüber. In dem Veranstaltungsprogramm werde sich der Verein Alternative Kultur Coburg "kritisch mit dem CC und der Stadt auseinander setzen, den Unmut auf die Straße tragen und eigenen Forderungen Ausdruck verleihen".

 

In einer von Jonas Baumann verschickten Pressemitteilung wird auf eine Diskussionsrunde verwiesen, die am 22. Mai im Gasthaus "Münchner Hofbräu" in Coburg stattfinden sollte. Während der Verein Alternative Kultur gerne Thomas Apfel, Redaktionsleiter von Radio Eins, als "neutralen Moderator" gesehen hätte, habe der CC den früheren Oberbürgermeister Norbert Kastner (SPD) für die Leitung der Gesprächsrunde gewinnen wollen. Das lehne der Verein ab, heißt es in der Pressemitteilung.

 

"In der Benennung von Alt-OB Kastner als Diskussionsleitung wird mehr als deutlich, dass der CC eine wirklich offene Diskussion weiterhin scheut und stattdessen die elitären Seilschaften und die mehr als wohlwollende Stellung der Stadt gegenüber dem CC zur eigenen Unterstützung heranzieht", so Jonas Baumann. Ein Moderator, der selbst Coleur trage, könne nicht neutral sein. Denn sowohl Norbert Kastner als auch der gegenwärtig amtierende Oberbürgermeister Norbert Tessmer (SPD) hätten den Coburger Convent jahrelang willkommen geheißen, vom Rathaus sprechen lassen und für den Pfingstkongress städtische Infrastruktur zur Verfügung gestellt.

Zudem würden Kritiker wie die "Initiative studentische Verbindungen auflösen", welche seit Jahren Verflechtungen des CC in extreme rechtspolitische Kreise aufzeige, kritisiere und angreife, "bewusst ausgeschlossen". Dies zeige sich daran, dass Vertreter der Initiative nicht zur geplanten Podiumsdiskussion eingeladen worden seien. Baumann: "Im CC sind Personen aus dem extrem nationalistischen Höcke-Flügel der AfD, Aktivisten der Identitären Bewegung, insbesondere bei den österreichischen Landsmannschaften, und unzählige Kontakte zu rechtsextremen Burschenschaften zu finden. Eine klare Abgrenzung gibt es nicht." In Anbetracht der "unzureichenden Bemühungen um einen wirklich demokratischen Diskurs ist es sehr fraglich, inwiefern dieser vonseiten des CC überhaupt gewollt ist", so der Verein Alternative Kultur.

Dies weist AHCC-Vorstandsmitglied Dr. Ali Ottmar Mahdi zurück. Zum einen hatten die Coburger Grünen ihre Teilnahme an der Diskussionsrunde am 22. Mai abgesagt. Vorstandssprecher Kevin Klüglein hatte dies mit Terminen vor der Europawahl und dem am gleichen Tag stattfindenden "Regionentalk" der Sparkasse Coburg-Lichtenfels zur Wahl des Europäischen Parlaments begründet. Die Teilnahme an mehreren Veranstaltungen sei für den kleinen Grünen-Kreisverband personell "schwer zu stemmen". Auch sei es aufgrund der Kommunalwahlen in Thüringen nicht gelungen, einen Spezialisten für das Thema CC zu bekommen. "Wir stehen aber weiter für eine offene und respektvolle Kommunikation mit Ihnen zur Verfügung", schrieb Kevin Klüglein an Ali-Ottmar Mahdi.

Zum anderen, so Mahdi gegenüber der NP, werde man die Diskussion auch deshalb nicht ausrichten können, weil es ihm trotz mehrfacher Versuche nicht gelungen sei, Dr. Alexandra Kurth von der Universität Gießen zu erreichen. Sie sollte in dem Gespräch eine zentrale Rolle übernehmen. Alexandra Kurth ist Politikwissenschaftlerin und seit 2003 am Institut für Politikwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig. Sie lehrt und forscht zu Politik und Geschlechterverhältnissen. Als ausgewiesene Expertin in der Rechtsextremismusforschung war sie mehrfach als Gutachterin unter anderem für den Hessischen Landtag eingesetzt. Seit 2017 ist sie Mitglied des Beirats von "Bündnis für Demokratie und Toleranz - gegen Extremismus und Gewalt". Die Wissenschaftlerin kann zudem auf zahlreiche Veröffentlichungen zu kritischer Korporatismusforschung und Rechtsextremismus verweisen.

Dr. Mahdi räumt ein, dass der dreimonatige Vorlauf zu der am 22. Mai geplanten Diskussion über den Coburger Convent "vielleicht zu kurz" war. Gegenüber Grünen-Vorstandssprecher Kevin Klüglein habe er seine Bereitschaft erklärt, die Veranstaltung, die auf das nächste Jahr verschoben wird, "etwas länger vorzubereiten", um sie dann "mit hoffentlich verschiedenster Beteiligung erneut anzugehen". Mahdi an Klüglein: "Gerne können wir so eine Veranstaltung auch nächstes Jahr gemeinsam veranstalten und ein bisschen eher planen."

Der Coburger Convent, so das AHCC-Vorstandsmitglied weiter, habe "keinerlei Berührungsängste mit niemandem". Wenn er sich Prognosen ansehe, dann "bin ich mir sicher, dass auch in unserem Verband viele mit den Grünen sympathisieren". Wenn er Interesse habe, lade Ali-Ottmar Mahdi Kevin Klüglein "gerne als Gast zu unserem Kommers am Pfingstmontag ein".

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
06. 05. 2019
20:06 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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06. 05. 2019
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