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Coburg

Coburgs Bauern zeigen ihre Blühwiesen

Bis 2030 soll es in Bayern 30 Prozent Öko-Anbau geben. Dies macht vielen Landwirten Angst. Nun zeigen sie, wie viel sie bereits für die Natur tun.



Mit dabei bei der Schleppertour in Ottowind - Von Links: Martin Böhm, Heidi Bauersachs, Thomas Licht , Hans-Jürgen Rebelein, Rolf Rosenbauer, Harald Weber, Andre Maslow, Frank Reisenweber und Susanne Bosecker.	Foto: Andreas Wolfger
Mit dabei bei der Schleppertour in Ottowind - Von Links: Martin Böhm, Heidi Bauersachs, Thomas Licht , Hans-Jürgen Rebelein, Rolf Rosenbauer, Harald Weber, Andre Maslow, Frank Reisenweber und Susanne Bosecker. Foto: Andreas Wolfger  

Ottowind - Durch das Volksbegehren "Rettet die Bienen" fühlen sich viele bayerische Landwirte unrechtmäßig als Umweltfeinde dargestellt. Vor zwei Wochen wurde das Volksbegehren vom Landtag angenommen. Damit wächst der Druck auf die Bauern noch weiter. Aus diesem Grund haben sie jetzt die Aktion "Bayern blüht auf" ins Leben gerufen. Sie soll darauf aufmerksam machen, wie sehr sich die Landwirte bereits für die Umwelt einsetzen - schon bereits vor dem Volksbegehren. Hierfür fahren sie mit einem Schlepper durch den Freistaat und besuchen verschiedene Umweltschutzprojekte, bei denen sich Bauern aktiv einbringen. Am vergangenen Donnerstag hielt die Schleppertour in Ottowind und besuchte eine dort nahe gelegene Rebhuhnwiese.

Die Fleisch-Ampel

Seit Anfang 2019 weisen viele deutsche Supermärkte bei ihren Fleischprodukten die Haltungsbedingungen aus, unter denen die Tiere gelebt haben. Hierfür gibt es vier Stufen:

 

Stufe 1 - Stallhaltung
Entspricht den deutschen
Mindestanforderungen für Nutztierhaltung.

 

Stufe 2 - Stallhaltung Plus
Verspricht unter anderem zehn Prozent mehr Platz und zusätzliches Spielgerät für die Tiere

 

Stufe 3 - Aussenklima

Heißt, dass Tiere zumindest Frischluftkontakt erhielten.

 

Stufe 4 - Premium

Garantiert den Tieren Auslaufmöglichkeiten im Freien. Bio-Fleisch zählt oft hierzu.

 

"Bereits lange bevor uns das neue Gesetz dazu verpflichtet hat, haben wir Landwirte uns bereits für Natur und Umwelt eingesetzt", erklärt Rolf Rosenbauer, Vorstand des Landschaftspflegeverband Coburger Land (LPV), bevor die Fahrt losgeht. Das gehe in der aktuellen Debatte, die durch das Volksbegehren angestoßen wurde, oft verloren. Gerade durch ihre alltägliche Arbeit würden die Bauern bereits heute mehr für die vielen Insekten und anderen Wildtiere tun als viele andere. "Wenn wir etwa Zwischenfrüchte für unser Vieh anbauen, handelt es sich dabei auch um blühende Pflanzen", berichtet er. Davon würden gerade Bienen, Hummeln und Schmetterlinge enorm profitieren, die zu dieser Zeit in Gärten wenig fänden.

 

"Kann ich keinen großen landwirtschaftlichen Nutzen aus einer Fläche ziehen, dann spricht aus meiner Sicht auch nichts dagegen, dort eine Blühfläche zu sähen", sagt Landwirt Thomas Licht aus Drossenhausen. Das sei unter Landwirten bereits vor dem Volksbegehren üblich gewesen. Er selbst verfüge auch über solch schwer zugängliche Flächen mitten im Wald, die er heuer in Blühwiesen umgewandelt habe. "Ich freue mich doch auch, wenn ich da vorbeifahre und sehe, wie schön es dort wächst", betont Licht. Und dass er damit etwas Gutes tue.

"Nicht alle Wildtiere mögen jedoch solch eine Waldwiese", erklärt Andre Maslow, der Leiter ökologische Bildungsstätte Oberfranken. Viele bedrohte Arten wie Rebhühner, Hasen, Feldlerchen und der Kiebitz würden etwa offene Flächen für die Aufzucht ihrer Jungen bevorzugen. Aus diesem Grund hat der LPV im Coburger Land 19 Hektar solcher Blühflächen speziell für diese Tierarten angelegt. Dies entspricht etwa 26 Fußballfeldern. Hier wächst die sogenannte Göttinger Mischung - ein Mix aus 17 verschiedenen Pflanzenarten, der besonders auf die Bedürfnisse von Rebhühnern abgestimmt ist. "Die Flächen müssen mindestens 200 Meter vom nächsten Waldrand entfernt liegen", berichtet Maslow. Sonst würden Rebhühner dort nicht nisten. Es handelt sich bei ihnen also um Ackerland in bester Lage. Aus diesem Grund lässt sich der LPV das Rebhuhnprojekt auch einiges kosten. Mehr als 15 000 Euro zahlt der Verein an Landwirte, die solch besondere Blühflächen bereitstellen.

"Generell stehen wir Coburger bezüglich der Biodiversitätsstandards im Vergleich zu anderen Landkreisen gar nicht so schlecht da", erklärt Harald Weber, Leiter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Coburg. So würden knapp 15,7 Prozent der 29 680 Hektar landwirtschaftlicher Nutzflächen im gesamten Landkreis bereits entsprechend bewirtschaftet. Neben Blühwiesen zählen hierzu auch extensiv bewirtschaftete Sommerweiden und Gewässerrandstreifen. Das dies geschehe, müsse man den Coburger Landwirten zugute halten.

Wenngleich die Coburger Bauern gerne bereit sind, das Ihre zum Umweltschutz beizutragen, stößt ihr Verständnis bei einer Passage des neuen Gesetzes jedoch an seine Grenzen: Das Ziel, bis 2030 die Fläche des Öko-Landbaus auf 30 Prozent aufzustocken. "Es ist ja nicht so, dass wir Bauern selbst kein Interesse haben, Öko-Landbau zu betreiben", erklärt die Coburger Kreisbäuerin Heidi Bauersachs. Das Problem sei aber, dass dies von vielen Konsumenten nicht mitgetragen werde. Im Supermarkt würden sie Billigprodukte bevorzugen. Landwirte müssten deswegen künftig ihre teuer produzierten Lebensmittel zu Schleuderpreisen auf den Markt bringen. Auch Andre Maslow sieht die Ökoquote kritisch. "Die Landwirte sind abhängig vom Konsumverhalten der Bürger", erklärt er. Die Leute müssten nicht nur Öko-Lebensmittel fordern, sondern auch im Laden nach ihnen greifen. Ansonsten spitze sich die Lage für die Betriebe künftig zu.

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Andreas Wolfger
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Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
19:32 Uhr

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Andreas Wolfger

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Veröffentlicht am:
31. 07. 2019
19:32 Uhr



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