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Danke, Schorschi!

Zusteller aus Leidenschaft: Seit 1986 trägt Günther Chilian Nacht für Nacht Tageszeitungen aus. Bei Wind und Wetter und auch, wenn plötzlich Pferde vor ihm stehen.



Mit seinem Mofa beliefert Günther Chilian die Neue-Presse -Leser am Festungsberg. Seit 25 Jahren ist er dort Zusteller. Foto: Frank Wunderatsch
Mit seinem Mofa beliefert Günther Chilian die Neue-Presse -Leser am Festungsberg. Seit 25 Jahren ist er dort Zusteller. Foto: Frank Wunderatsch  

Coburg / Ahorn - Zeitungsleser, die in Coburg im Bereich Festungsberg wohnen, verdanken ihm, dass sie jeden Morgen mit dem Neuesten aus Nah und Fern versorgt werden. Seit 25 Jahren bestückt Günther Chilian aus Ahorn dort die Briefkästen mit der Neuen Presse . "Außerdem trage ich auch die großen Anderen wie ZEIT oder Frankfurter Allgemeine aus", erzählt er. 1986 hat er sich von einem Kollegen überzeugen lassen, dass Zeitungszusteller ein lukrativer Nebenjob ist. "Anfangs war ich in der Spittelleite und der Rodacher Straße eingesetzt", erinnert er sich.

Karriere als Zusteller

1833 hatte Barney Flaherty eine geniale Idee. Der 10-Jährige wollte nicht zur Schule gehen und lieber Geld verdienen. Daher antwortete er auf eine Anzeige mit der Arbeitslose gesucht wurden, die Zeitungen verteilten. Der Schuljunge bekam den Job und wurde der erste Zusteller der Welt. Ihm und allen anderen Austrägern zu Ehren wurde der 4. September zum Tag des Zustellers.

 

In den USA gibt es eine "Newspaper Carrier Hall of Fame", mit der berühmte Zeitungsausträger geehrt werden. Dort sind Porträts von John Wayne, des Multimilliardärs Warren Buffet und der US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower und Harry Truman zu sehen.

 

Sein Tag beginnt jede Nacht um kurz nach drei Uhr. Günther Chilians Frau Angelika ist zu diesem Zeitpunkt schon auf Tour. Denn auch sie ist Zustellerin - allerdings im Heimatort der beiden, in Ahorn. "Und weil Ahorn auf der Tour früher beliefert wird, kann meine Frau auch früher los", erklärt der 65-Jährige.

 

Bevor sich "Schorschi" wie ihn alle nennen, auf sein Mofa schwingt, das er 2008 angeschafft und das bereits 53 000 Kilometer auf dem Tacho hat, sortiert er Briefe. Denn auch deren Zustellung fällt in seinen Aufgabenbereich. "Die Briefe werden mir direkt nach Hause geliefert. Die Zeitungen hole ich aus einem verschließbaren Kasten in dem sie deponiert wurden", erzählt er. Dann beginnt für den 65-Jährigen die Tour. Und die ist gerade im Winter manchmal nicht ohne. "Um diese Uhrzeit ist noch nichts geräumt. Ohne Spikes an den Schuhen gehe ich nicht aus dem Haus", erzählt auch seine Frau Angelika. Die dunkle und kalte Jahreszeit sei für die meisten Zusteller eine Herausforderung. "Der Winter ist einfach hart", bestätigt Günther Chilian. Trotzdem halten er und seine Frau bereits seit Jahrzehnten an ihrer Tätigkeit fest. "Vor allem weil man sich mit dem Verdienst immer mal wieder einen Wunsch erfüllen kann", sagt er und zeigt nach oben. Er und seine Frau haben sich ans Haus eine überdachte Terrasse angebaut. "Hier können wir im Sommer auch sitzen wenn es regnet", freut er sich.

Zwar hat Günther Chilian vor seiner Pensionierung hauptberuflich bei der Coburger Stadtreinigung gearbeitet, den Zuverdienst durchs Zeitungsaustragen wollten er und sein Frau trotzdem nicht missen. "Obwohl es damals mitunter anstrengend war", gibt er zu. Denn kaum wenn er im Morgengrauen von seinem Zustelldienst aus Coburg zurück war, begann für ihn die Arbeitszeit beim CEB.

Auch den Kontakt zu den Menschen, denen er die Zeitung liefert, liebt er. "Es gab schon welche, die standen in der Nacht am Zaun und haben gewartet", erinnert er sich. Dabei ist Günther Chilian nicht nur bei den Anwohnern beliebt. "Einmal kam plötzlich ein Bernhardiner auf mich zugerannt." Als ihm das Tier nicht mehr von der Seite weichen wollte, hat er ihn einfach mitgenommen. "Und später dann zur Polizei gebracht. Aber ich hätte ihn fast behalten", erzählt er schmunzelnd. Auch Pferde hätten schon seinen Weg gekreuzt. "Gleich vier Stück auf einmal. Die waren ausgerissen und von Bieberbach hergekommen. Und zwar damals als es den Festungshof noch gab", so Chilian.

Das Samba-Festival oder der Pfingstconvent bescheren ihm hingegen oft Begleitung auf seiner sonst sehr ruhigen Tour. "Viele Leute sind da noch unterweg. Meistens sind sie gut gelaunt", freut er sich.

Wenn am heutigen Tag der Zusteller überall auf der Welt Verlage und Redaktionen ihren Austrägern danken, dann sind Günther Chilian und seine Angelika gar nicht da. Für sie steht in dieser Woche Urlaub auf dem Plan - und der wird im Schwarzwald verbracht. Aber natürlich nicht, ohne sich von den Kunden abzumelden. "Wir haben Zettel in die Briefkästen geworfen, dass in der nächsten Zeit eine Vertretung unsere Aufgabe übernimmt." Dann schönen Urlaub, Schorschi!

Autor
Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
17:36 Uhr

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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
03. 09. 2019
17:36 Uhr



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