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Das Demo als Zukunftsmodell

Professoren haben über die Zukunft des Wohnens gesprochen. Auch vom Heimatring war die Rede. Die Anlage gilt noch immer als Vorbild.



Die Coburger nennen die Häuser "Starenkasten". Experten sagen, im Demo am Heimatring steckt viel Potenzial. Foto: Hochbild Franke
Die Coburger nennen die Häuser "Starenkasten". Experten sagen, im Demo am Heimatring steckt viel Potenzial. Foto: Hochbild Franke  

Coburg - In Coburg sollten mehr Projekte wie das Demo entstehen, dies forderten Experten beim Coburger Stadtsalon in der Geschäftsstelle der Wohnbau Stadt Coburg (WSCO). Hier ging es am Montag um die Zukunft des Wohnens in der Vestestadt. Das vom Coburger Architektur-Professor Mario Tvrtkovic moderierte Gespräch ging der Frage nach, wie sich gemeinsames Wohnen realisieren lässt - und die Diskutanten nahmen die Politik in die Pflicht.

Andreas Seidler hat Architektur an der Hochschule Coburg studiert und sich in seiner Masterarbeit mit dem Projekt Demo aus den 1960er-Jahren beschäftigt. "Der Heimatring hat in Coburg ein negatives Image, aber vollkommen zu unrecht", sagt Seidler. Er habe für seine Arbeit intensive Gespräche mit den Bewohnern geführt, die ihr Zuhause sehr schätzten. "Die Leute wünschen sich, dass das Zentrum am Hörnleinsgrund wiederbelebt wird", erklärte Seidler. Nach seinen Worten stecken in derlei Wohnprojekten große Chancen für die Zukunft. Auch eine Idee zur Belebung des Zentrums hat der Architekt schon: "Man könnte es für ein Car-Sharing-Projekt nutzen."

Vorschläge wie diese sind ganz im Sinn von Professorin Maren Harnack, die unter anderem Stadtplanung an der Frankfurt University of Applied Sciences unterrichtet. Sie plädiert dafür, dass sich Stadtplaner auf die Ideen der 1960er-Jahre zurückbesinnen. "Die Bewohner schätzen Projekte wie das Demo nicht umsonst. Die Wohnungen sind praktisch geschnitten und das kleine Zentrum ermöglicht einen starken Zusammenhalt", sagte Harnack. Sie lobte in diesem Zusammenhang die Stadt München, die im Augenblick solche mutigen Bauvorhaben in großer Zahl realisiere.

In der Landeshauptstadt lebt und arbeitet Professor Hans-Peter Hebensperger-Hüther, der an der Hochschule Coburg unter anderem Gebäudelehre unterrichtet hat. Sein Thema sind Wohnquartiere, die, ähnlich wie das Demo, mit einem kleinen Zentrum den Zusammenhalt der Bewohner fördern. "In München funktioniert es vor allem so gut Wohnprojekte zu realisieren, weil hier ein großer Mangel herrscht", erklärte Hebensperger-Hüther. Die Kommune sei dort in der Lage, den Bauherren strenge Vorschriften zu machen. So werde zum Beispiel die Integration eines Car-Sharing-Projekts gefordert - und ohne mit der Wimper zu zucken umgesetzt.

Für Hebensperger-Hüther ist es aber auch in Kleinstädten möglich, solche Projekte zu realisieren - so lange die Politik Mut dazu aufbringe. Dies sei in Coburg nicht immer der Fall. Hebensperger-Hüther erinnerte an dieser Stelle an den Neubau der Bertelsdorfer Höhe, den er mit seiner Firma geplant hatte. Hier sei vorgesehen gewesen, kleinere Einfamilienhäuser zu errichten.

Die Stadt habe aber schließlich doch Neubaugebiete ausgewiesen, die den Ansprüchen der Investoren genügten. Der Architekt forderte von der Politik Raum ein, auf dem junge Menschen experimentieren können: "Stellen Sie den Leuten doch ein Grundstück zur Verfügung und lassen sie machen."

Eine wichtige Station auf dem Weg zur Stadt der Zukunft sei der Verzicht auf die Förderung von Wohneigentum. "Das ist kontraproduktiv. Wenn ich mein Haus habe, bin ich weniger bereit, Änderungen zuzulassen", führte Hebensperger-Hüther aus.

Auch er kam auf das Demo zu sprechen - und fragte Wohnbau-Geschäftführer Christian Meyer, wie seine Gesellschaft die Bildung von Quartieren in Coburg fördere.

Meyer verwies in diesem Zusammenhang auf das Entwicklungsgebiet Steinweg. Hier wolle die WSCO einige neue Wohnformen realisieren. Im Demo gehören ihm zufolge der städtischen Gesellschaft nicht allzu viele Wohnungen. "Trotzdem haben wir in dem Gebiet noch Hausaufgaben zu machen", sagte Meyer. Die Idee, dort eine Station für Car-Sharing einzurichten, bezeichnete er als spannend.

Ansonsten merkte Meyer an, dass Coburg nicht mit Großstädten wie München verglichen werden dürfe. Er sei froh, dass es hier für Familien noch möglich sei, sich Wohneigentum zu kaufen. Auch die Wohnungbau trage dazu bei, dass Wohnen in Coburg bezahlbar bleibe. So vermiete die WSCO die Wohnungen für einen Durchschnittspreis von 4,40 Euro pro Quadratmeter. Eine gute Nachricht hatte Meyer für die Studenten im Gepäck: "Ich kann mir durchaus vorstellen, ein Grundstück für Wohnprojekte zur Verfügung zu stellen."

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Katja Diedler

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Veröffentlicht am:
08. 01. 2019
20:08 Uhr

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08. 01. 2019
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