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Coburg

Das Hotel ist ihr Leben

Helga Steiner feiert ihren 85. Geburtstag. Sie hat mit dafür gesorgt, dass der Familienbetrieb in Großheirath immer mit der Zeit ging. Heute ist das Haus ein beliebtes Landhotel.



Helga Steiner verbringt noch immer viel Zeit im Hotel. Foto: Frank Wunderatsch
Helga Steiner verbringt noch immer viel Zeit im Hotel. Foto: Frank Wunderatsch  

Großheirath - "Ich habe die Kühe noch mit der Hand gemolken", sagt Helga Steiner, wenn sie an ihre Kindheit und Jugend in Großheirath zurück denkt. Am morgigen Mittwoch, 8. Mai, wird die ehemalige Chefin des Landhotels Steiner 85 Jahre alt.

Aufgewachsen ist Helga Steiner im Gasthof ihrer Eltern, Anna und Gustav Schleicher, als eines von drei Mädchen. Die Familie hatte auch eine kleine Landwirtschaft, hielt Schweine und Kühe. Ihr Vater braute selbst Bier, das über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt war. Ihr Großvater hatte die Gastwirtschaft 1850 gekauft.

Nach der Grundschule besuchte Helga Steiner die Hauswirtschaftsschule und war so bestens vorbereitet, in den elterlichen Betrieb einzusteigen. 1954 lernte sie ihren Mann Alfons Steiner kennen. "Das war auf dem Tanzboden in Gleußen", erinnert sich die Jubilarin und erzählt, dass es früher in fast jedem Ort einen Tanzboden gab. Dort trafen sich viele junge Leute. Alfons Steiner stammte aus Unterfranken und war gelernter Metzger, seine Eltern hatten ebenfalls einen landwirtschaftlichen Betrieb und eine Gastwirtschaft. "Er hatte ein kleines Motorrad und damit kam er immer angefahren", sagt Helga Steiner. Im Frühjahr 1959 heiratete das Paar, im Herbst kam Sohn Bertram und drei Jahre später Tochter Annette zur Welt. Die Kinder wuchsen in der Gastwirtschaft auf: Wenn sie Hunger hatten meldeten sie sich in der Küche, wo Helgas Schwester als Köchin arbeitete. Nach der Schule halfen sie dem Opa beim Bierbrauen. Helga und Alfons Steiner investierten viel in den Betrieb und bauten ihn nach und nach immer weiter aus. Zunächst kam in den 1960er Jahren eine Metzgerei hinzu, wo Helga Steiner tagsüber Wurst und Fleisch verkaufte. Abends bediente sie in der Gaststube.

Damals führte noch die Bundesstraße 4 als Haupt-Tangente in den Süden direkt am Anwesen vorbei. Die Autobahn war noch Zukunftsmusik. "Wir hatten seinerzeit täglich 30, 40 Mittagessen", erinnert sich die Jubilarin. Vor dem Haus stellten sie eine Bude auf, in der die Kinder Bratwürste anboten.

Es folgte der erste Ausbau zum Hotel und in den 1970er der Bau eines Schwimmbads. "Das hat mein Mann für mich gebaut und gesagt, ‚wehe wenn Du es nicht nutzt’", sagt Helga Steiner und lacht. Jeden Morgen sei sie schon um fünf Uhr im Wasser gewesen, egal wie arbeitsreich auch ihr Tag sein würde. Schwimmen war ihre große Leidenschaft. Heute ist es einer ihrer größten Wünsche, nochmal gesundheitlich so fit zu sein, dass sie wieder Schwimmen könnte.

Viele prominente Gäste gingen im Hotel Steiner ein und aus. Wenn sich der Bayerische Landtag auf Kloster Banz traf, dann übernachteten die Politiker im Hause Steiner. "Die waren sehr unkompliziert, wenn Franz Josef Strauß ein Stück Brot und einen Pressack hatte, war die Sache erledigt", verrät Helga Steiner. Die Sicherheitsleute saßen derweil im Flur und spielten Karten. So kam das Leben zu ihr nach Großheirath. Reisen hat Helga Steiner darum nie vermisst. 1989 folgte der zweite Ausbau, heute hat das Hotel 60 Zimmer mit 120 Betten und ist mit drei Sternen Superior ausgezeichnet.

1999 starb der Ehemann von Helga Steiner. Sie selbst erkrankte. Darum verpachtete sie den Betrieb für einige Zeit, ehe sie 2004 wieder selbst das Ruder in die Hand nahm. Mit viel Engagement gelang es ihr, das Hotel wieder auf Vordermann zu bringen, nach und nach stieg auch Schwiegertochter Antje Steiner in den Betrieb mit ein, den sie heute als Geschäftsführerin leitet. Noch immer hängt das Herz von Helga Steiner am Hotel, wo sie am liebsten ihre Zeit verbringt und gerne mit Gästen plaudert. Ansonsten liebt sie Spaziergänge und freut sich darauf, mit Gratulanten morgen zwischen 10 und 13 Uhr auf ihren runden Geburtstag anzustoßen.

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Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
06. 05. 2019
17:04 Uhr

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Christiane Schult

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06. 05. 2019
17:04 Uhr



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