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Coburg

Der Letzte seiner Art

Peter Kieslich ist Schäfer aus Leidenschaft. Wie bereits seine Vorfahren. Geht er aber einmal in Rente, endet wohl diese Tradition. Ein Schicksal, das viele Kollegen ereilt.



Hütet schon seit mehr als 50 Jahren Schafe: Peter Kieslich.	Foto: Zitzmann
Hütet schon seit mehr als 50 Jahren Schafe: Peter Kieslich. Foto: Zitzmann  

Selsendorf/Schalkau - Eine ganze Dynastie der Familie Kieslich hat sich der Schäferei verschrieben. Einen schöneren Job kann sich Peter Kieslich trotz der harten und zeitintensiven Aufgabe, die er tagtäglich zu bewältigen hat, nicht vorstellen. "Man ist zwar immer gebunden, aber trotzdem frei", umreißt er, was ihn nach mehr 40 Jahren im Stall und auf der Weide immer noch an seinem Beruf fasziniert.

Schon Urgroßvater und Großvater Kieslich hüten Schafe - auf einem Gut in Schlesien sind sie bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs zu Hause. "Als 1945 die Russen gekommen sind, haben sie ihre 450 Schafe bis nach Lichtenfels getrieben", erzählt ihr Nachkomme. Die Kieslich-Herde zieht weiter bis Bachfeld, wo es für die Sommerweide lediglich einen Wanderschäfer aus Niederbayern gibt. Hier sollen Großvater Alfred Kieslich, Vater Walter und auch Sohn Peter heimisch werden.

"Schon mit zehn Jahren bin ich im Sommer statt ins Schwimmbad mit dem Fahrrad zu meinem Vater gefahren, um die Schafe mit zu hüten. Das hat mir nichts ausgemacht", erinnert er sich an die Kindheit zurück. Keine Frage gibt es ein paar Jahre später, als die Berufswahl ansteht. Schäfer soll es sein. Nach der Lehre ab 1974 und den ersten Erfahrungen auswärts im Volkseigenen Gut (VEG) Zuchtzentrum Mücheln im Landkreis Merseburg, kehrt der junge Mann nach Eisfeld in die Schäferei zurück und beginnt ab 1. März 1979 als Schäfer in der heutigen Agrargenossenschaft Schalkau. 1982 bis 1984 macht er seinen Meister.

Seither versucht er, auch jungen Menschen die Freude an seinem Beruf zu vermitteln. Mit Nachwuchs jedoch ist es dieser Tage und in Zeiten von Mindestlohn für Schäfer nicht sehr gut bestellt: Auf die aktuelle Ausbildungsstelle hat sich niemand beworben. Weit und breit ist kein Lehrling in Sicht. Verstärkung durch ein, zwei weitere Kollegen wäre vonnöten. Auf der Internetseite www.stellenmarkt-schafe.eu werden deutschlandweit Jobs angeboten: Von der Aushilfe für die Lammzeit bis hin zu Vollzeit-Jobs.

Dass generell die Wertschätzung für den Beruf rückläufig ist, hat Peter Kieslich im Laufe seiner Berufsjahre an den Reaktionen der Leute festgestellt. Von der Romantik, die sich manche vorstellen, bleibt im harten Alltag mit Arbeitstagen bis weit in die Dämmerung hinein nicht viel übrig. Auch die Dynastie in Sachen Schafe wird es - wenn Peter Kieslich einmal aufhört und in Rente geht - nicht mehr geben. Keines seiner vier Kinder hat dem Vater beruflich nachgeeifert. "Dass muss man mögen, sonst braucht man es nicht zu machen."

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Cindy Heinkel

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Veröffentlicht am:
21. 08. 2019
18:42 Uhr

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Cindy Heinkel

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21. 08. 2019
18:42 Uhr



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