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Coburg

Der Neubau sprengt den Rahmen

Das Feuerwehrgerätehaus in Creidlitz wird teurer als geplant. 2,02 Millionen Euro stehen im Raum. Und die Frage, ob sich die Stadt Coburg an eine selbst auferlegte Pflicht halten muss.



So hat das Hochbauamt das neue Feuerwehrgerätehaus in Creidlitz geplant. Der Bau- und Umweltsenat hat nun allerdings angeregt, die Aufteilung zu überdenken. Stellflächen und Gebäude sollen den Platz tauschen - das könnte die unvermeidliche Preissteigerung vielleicht etwas abfedern. Foto: Stadt Coburg
So hat das Hochbauamt das neue Feuerwehrgerätehaus in Creidlitz geplant. Der Bau- und Umweltsenat hat nun allerdings angeregt, die Aufteilung zu überdenken. Stellflächen und Gebäude sollen den Platz tauschen - das könnte die unvermeidliche Preissteigerung vielleicht etwas abfedern. Foto: Stadt Coburg   » zu den Bildern

Coburg - Seit einem Jahr befindet sich das Hochbauamt der Stadt Coburg in den Vorplanungen für ein neues Feuerwehrgerätehaus in Creidlitz. In der Sitzung des Bau- und Umweltsenats am gestrigen Mittwoch wurde nun deutlich: Die damals geschätzten Kosten in Höhe von 1,7 Millionen Euro können nicht eingehalten werden. "Der Risikozuschlag von zehn Prozent war deutlich zu optimistisch kalkuliert", gab Thorsten Huld vom Hochbauamt zu. Gleich mehrere grundlegende Kostenfaktoren seien Schuld, "dass der Kostenrahmen gesprengt wird."

Da ist zum einen das Grundstück an der Creidlitzer Straße gegenüber der Firma Bruno Dietze, das alles andere als erste Wahl ist. "Wir hätten uns eines mit einfacherer Topografie gewünscht. Aber es ist alternativlos", bekennt Thorsten Huld. Für den Bau des Gerätehauses müsste sehr stark in den Hang eingegriffen werden. "An der Ostseite müssen wir fast sieben Meter in den Hang hinein", verdeutlichte er. Aufwendige Erdarbeiten und geschätzte 4000 Kubikmeter Aushub seien daher die Folge. "Hinzu kommt, dass die Deponien alle voll und die Kosten für eine Entsorgung hoch sind." Alleine der Mehraufwand für Baugrubensicherung und Bodenaustausch beläuft sich auf 126 500 Euro.

Dann hat das Hochbauamt im Rahmen der Vorplanung drei verschiedene Varianten der Beheizung geprüft. Die Wahl fiel auf eine Gas-Brennwert-Technik. "Das ist die deutlich wirtschaftlichste Variante", so Huld. Allerdings soll diese an eine Photovoltaikanlage geknüpft werden. Auch deren veranschlagte Kosten in Höhe von 23 500 Euro waren in der ersten Schätzung nicht enthalten. Die allgemeine Preissteigerung in der Branche, Honorarerhöhungen sowie Details zum Beispiel bei der Brandmeldeanlage schlagen mit weiteren Kosten zu Buche. Am Ende muss Referent Thorsten Huld dem Senat die Zahl von 320 000 Euro präsentieren, die das Feuerwehrgerätehaus jetzt schon teurer wird. "Ich will Ihnen keine Märchen erzählen und mit offenen Karten spielen. Das sind jetzt aber Zahlen, hinter denen die Fachplaner stehen." Mit der Steigerung belaufen sich die Gesamtkosten nun auf 2,02 Millionen Euro.

Und dabei hat das Hochbauamt die Planung schon abgespeckt. Statt 20 soll das Gerätehaus nur noch 18 Stellplätze erhalten. Außerdem wurden diese anders angeordnet. "So kann die Höhe der erforderlichen Stützwand verringert werden", erklärte Huld. Außerdem wurde die vierseitige Verkleidung der Fassade mit Faserzementplatten reduziert. "Jetzt ist sie nur noch an der Westseite angedacht."

Doch genau diese beiden Punkte waren es, die in der anschließenden Diskussion zum Dreh- und Angelpunkt wurden. "Wieso brauchen wir 18 Stellplätze für eine Stadtteilfeuerwehr", wollte Hans-Heinrich Ulmann (CSB) vom Referenten wissen. "Und warum kann man die nicht auf der 234 Quadratmeter großen Übungsfläche vor dem Gerätehaus unterbringen", ergänzte Peter Kammerscheid (Pro Coburg). Beide Senatsmitglieder sprachen sich außerdem dafür aus, die Planung zu spiegeln. "Wir kommen mit dem Gebäude direkt an ein Biotop heran", betonte Ulmann und stieß sich an der Anordnung von Gerätehaus und Stellflächen, die er lieber umgedreht sehen will. "Je weiter wir Richtung Creidlitz kommen, umso weniger müssen wir für den Bau ins Gelände eingreifen", pflichtete er Ulmann bei. "Wir müssen das Gebäude näher an den Ort bringen", betonte auch Petra Schneider (SPD) und ergänzte: "Das Ding muss umgedreht werden, sonst kann ich nicht zustimmen."

Mit Andreas Becker, dem Kommandanten der Feuerwehr Creidlitz, meldete sich dann ein von den Planungswünschen Betroffener zu Wort. "Nicht umsonst steht das Gebäude da wo es steht", erklärte er. Bei Alarm sei die Ausfahrt nicht ungefährlich. "Wenn das Gebäude gedreht wird, dann ist die Ausfahrt in Richtung Ketschendorf noch schlechter", betonte er. Die Stadtplanung sicherte daraufhin zu, das Ordnungsamt in die neuen Überlegungen mit einzubeziehen. Und auch die Verkleidungsvarianten der Fassade sollen noch einmal auf den Prüfstand kommen. Die aktuelle ist zwar günstiger, allerdings auch anfälliger für Algen- und Schimmelbildung und kostet dann beim Sanieren.

Mit sieben Ja-Stimmen wurde das Hochbauamt mit der Entwurfsplanung für das Feuerwehrgerätehaus beauftragt - und wird außerdem einen Platztausch von Gebäude und Stellflächen prüfen.

Weil sich Coburg außerdem Anfang 2016 selbst auferlegt hat, jedes städtische Gebäude nur noch in Passivhausstandard zu errichten, stand nun die Frage im Raum, ob das auch für das Feuerwehrhaus gilt. Das Gebäude werde zwar nur temporär genutzt und die Fahrzeughalle, die knapp 45 Prozent des Hauses ausmacht, auf sieben Grad Celsius temperiert, "aber wenn wird das seriös machen wollen, müssen wir die Varianten prüfen", bekannte Thorsten Huld. 15 000 Euro würde ein Gutachten kosten. Mögliche Mehrkosten für den Passivhausstandard bezifferte er mit 170 000 Euro. "Aber wenn wir das genau wissen wollen, müssen wir Geld in die Hand nehmen", so der Experte.

Eine Rechnung, die Andreas Gehring (SPD) kritisierte. "Du stellst nur vor was es kostet, nicht was wir dann sparen", warf er Thorsten Huld vor. Jürgen Oehm (CSU) plädierte dafür "die Kirche im Dorf zu lassen." "Wir reden von einem Feuerwehrgerätehaus, in dem die Hälfte ausschließlich frostfrei gehalten werden muss." Auch Hans-Heinrich Ulmann zweifelte die Notwendigkeit eines Gutachtens an. "Wir wollen damit Energie einsparen, aber verbrauchen doch gar keine."

Mit zwei Gegenstimmen lehnte der Senat eine Variantenprüfung ab.

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Steffi Wolf

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Veröffentlicht am:
13. 03. 2019
17:56 Uhr

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