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Coburg

Der Unterschied liegt im Detail

Ein Schlagabtausch bleibt bei der Podiumsdiskussion der Landratskandidaten aus. Dafür verraten sie, mit wem sie gerne im Landkreis wandern würden.



Die Coburger Landratskandidatinnen und -kandidaten stellten sich den Fragen von Oliver Schmidt und Thomas Apfel (von links): Michael Höpflinger (AfD), Christian Gunsenheimer (Freie Wähler), Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), die Moderatoren Oliver Schmidt (Coburger Tageblatt) und Thomas Apfel (Radio Eins), Martin Stingl (SPD), Dagmar Escher (Grüne) und Martin Truckenbrodt (ÖDP). Foto: Braunschmidt
Die Coburger Landratskandidatinnen und -kandidaten stellten sich den Fragen von Oliver Schmidt und Thomas Apfel (von links): Michael Höpflinger (AfD), Christian Gunsenheimer (Freie Wähler), Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), die Moderatoren Oliver Schmidt (Coburger Tageblatt) und Thomas Apfel (Radio Eins), Martin Stingl (SPD), Dagmar Escher (Grüne) und Martin Truckenbrodt (ÖDP). Foto: Braunschmidt  

Coburg - Facebook, Handy-Selfies auch mit seiner neuen Partnerin Carmen Sommer, Gitarre, Hunde und rote Jacke - jeder im voll besetzten Kongresshaus Rosengarten in Coburg weiß beim "Regionentalk" der Sparkasse Coburg-Lichtenfels zur Landratswahl am Dienstagabend sofort, wen Schauspieler Andreas Leopold Schadt da in einem Video parodiert: Michael Busch (SPD), den früheren Landrat, der in den Landtag gewechselt ist. Busch, der am Ende des Filmchens an Schadts Haustür klingelt und seine rote Jacke zurückfordert, amüsiert sich, ebenso wie das Publikum, köstlich darüber, wie er auf die Schippe genommen wird. Dann aber wird es ernst für die sechs Kandidatinnen und Kandidaten, die sich um seine Nachfolge als Landrat bewerben.

Amtszeit bis 2026

Der neue Coburger Landrat wird am Sonntag, 27. Januar, gewählt. Erreicht beim ersten Urnengang keiner der sechs Kandidaten mehr als 50 Prozent der Stimmen, findet am 10. Februar eine Stichwahl zwischen den zwei Kandidaten statt, die am 27. Januar die meisten Stimmen erhalten haben.

Die Landratswahl ist notwendig geworden, weil der bisherige Amtsinhaber Michael Busch (SPD) in den Bayerischen Landtag gewählt worden ist. Um Buschs Nachfolge bewerben sich Sebastian Straubel (CSU/Landvolk), Dagmar Escher (Grüne), Michael Höpflinger (AfD), Martin Stingl (SPD), Christian Gunsenheimer (Freie Wähler) und Martin Truckenbrodt (ÖDP).

Der neue Landrat ist bis zum Jahr 2026 im Amt. Grund: Dann fällt die Landratswahl wieder in den regulären Turnus der Kommunalwahlen.

 

In der von Thomas Apfel (Radio Eins) und Oliver Schmidt (Coburger Tageblatt) moderierten Veranstaltung bleibt der offene Schlagabtausch aus. Dagmar Escher (Grüne), Christian Gunsenheimer (Freie Wähler), Michael Höpflinger (AfD), Martin Stingl (SPD), Sebastian Straubel (CSU/Landvolk) und Martin Truckenbrodt (ÖDP) antworten völlig unaufgeregt auf die ihnen gestellten Fragen. Bei den zentralen Themen, die die Politik im Landkreis derzeit beschäftigen, unterscheiden sie sich nur in Kleinigkeiten.

 

Selbstverständlich müsse aufgeklärt werden, woher der Verlust im bayerisch-thüringischen Klinikverbund Regiomed kommt. Der Kreis Coburg ist über den Krankenhauszweckverband Regiomed-Gesellschafter. Auf allgemeine Kritik stößt die Entscheidung, die neue Zentralküche für den Klinikverbund in dessen Randgebiet, nach Lichtenfels, zu setzen, aber zu ändern ist daran nichts mehr. Und natürlich müsse die medizinische Versorgung im Coburger Land auf hohem Niveau sichergestellt werden, ob nun in einem neu gebauten oder sanierten Krankenhaus.

Im Ziel, das Bus- und Bahnangebot zu verbessern, sind sich ebenfalls alle Kandidaten einig. Einzig der Weg ist umstritten. Während beispielsweise Sebastian Straubel (CSU/LV) sich im Falle seiner Wahl sofort ans Telefon setzen wolle, um Markus Söder das ursprünglich nur für Ballungsräume vorgesehene 365-Euro-Jahresticket für den Landkreis Coburg abzuringen, hält Martin Stingl (SPD) nichts davon. Es sei natürlich schön, wenn ein Schüler für einen Euro am Tag mit dem Öffentlichen Personennahverkehr von Hattersdorf nach Dörfles-Esbach fahren könnte, nur müssten dafür erst einmal die Voraussetzungen - Busangebot - geschaffen werden. Und dafür müsste der Landkreis einen hohen sechsstelligen Betrag investieren.

An diesem Abend gibt es nur zwei Punkte, die strittig sind. Der erste dreht sich um die Frage, ob sich der Landkreis an der Finanzierung des Landestheaters beteiligen sollte. Martin Stingl (SPD) verweist darauf, dass die Stadt Coburg rund 80 Millionen Euro in der Rücklage habe und der Landkreis mehr als 30 Millionen Euro Schulden. Das sage alles. Dagmar Escher (Grüne) stimmt dem zu. Martin Truckenbrodt wagt die steile These, dass es das Problem nicht geben würde, wäre Coburg nicht kreisfrei, also Teil des Landkreises und nicht mehr eigenständige Gebietskörperschaft. Christian Gunsenheimer (Freie Wähler) sieht dagegen den Freistaat Bayern in der Pflicht, das Landestheater zum Staatstheater zu erheben und so alle Kosten zu übernehmen, während Sebastian Straubel (CSU/LV) vorsichtig anmerkt, es dürfe keine Denkverbote geben, Landkreis und Stadt müssten sich auch hier an einen Tisch sitzen.

Straubel ist der einzige der Landratskandidaten, der das von der ÖDP gestartete Volksbegehren "Rettet die Bienen" nicht unterschreiben will. Kein Wunder, würde er sich doch damit gegen den am Jahresbeginn eingebrachten Antrag der CSU/LV-Kreistagsfraktion stellen, zusammenhängende Blühflächen im Landkreis anzulegen. Die ÖDP will das in Bayern gesetzlich festlegen, während CSU und Landvolk im Kreis Coburg auf Freiwilligkeit setzen. Stingl, Gunsenheimer, Höpflinger und Escher wollen dagegen unterzeichnen. "Auch die Bauern werden begreifen, dass sie Bienen brauchen", so Dagmar Escher. Truckenbrodt darf nicht unterschreiben: Er ist im Thüringer Landkreis Sonneberg zu Hause. Als Landratskandidat kann er aber in Coburg antreten. Die Residenzpflicht gibt es nicht mehr.

Am Ende des Gesprächs dürfen die Kandidatinnen und Kandidaten erklären, warum man sie am 27. Januar wählen soll. Und zuvor kann sich jeder unter seinen Mitbewerbern einen Gefährten für eine Wanderung durch das Coburger Land aussuchen. Michael Höpflinger (AfD) würde sich gerne mit Martin Truckenbrodt (ÖDP) Bienen anschauen, Martin Truckenbrodt mit Christian Gunsenheimer (Freie Wähler) dessen Heimatort Schlettach erkunden. Dagmar Escher (Grüne) würde mit den anderen fünf Kandidaten die Sennigshöhe bei Mirsdorf besuchen, Christian Gunsenheimer mit Dagmar Escher eine Mammuttour von Neustadt über die Langen Berge und Schlettach nach Bad Rodach unternehmen. Martin Stingl (SPD) würde mit Christian Gunsenheimer von Bad Rodach nach Neustadt wandern, um beim bekannten Redeschwall des FW-Politikers auch einmal zu Wort zu kommen. Sebastian Straubel (CSU) würde sich mit Gunsenheimer von Lautertal nach Schlettach aufmachen. Da bleibe, sagte Straubel unter Bezugnahme auf Martin Stingl, genügend Zeit, um mit Gunsenheimer über die Energiewende zu reden.

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Für welche Inhalte die Landratskandidaten stehen: www.np-coburg.de (Punkt 7)

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
16. 01. 2019
17:44 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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16. 01. 2019
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