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Coburg

"Derzeit fehlen echte Alternativen zum Auto"

Die Mobilität auf dem Land unterscheidet sich von der in der Stadt. Man kann sie nicht gleich setzen, sagt Professor Wilde von der Hochschule Coburg.



Interview: Professor Mathias Wilde
Interview: Professor Mathias Wilde  

Herr Professor Wilde: Wie sieht es mit der Mobilität im ländlichen Raum aus?

Mobilitätskongress

Am 10. und 11. Oktober findet an der Hochschule Coburg der 1. Coburger Mobilitätskongress statt. Ein Schwerpunkt wird die Mobilität im ländlichen Raum sein. Dabei geht es auch um die Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel. Referent des Kongresses ist unter andern Professor Mathias Wilde aus der Fakultät Maschinenbau und Automobiltechnik, der seit letztem Semester an der Hochschule Coburg lehrt und forscht.


Anders als in der Stadt fehlen hier derzeit echte Alternativen zum Auto. Es gibt zwar Angebote des öffentlichen Personennahverkehrs. Aber sie holen die Leute oft nicht im Alltag ab. Und man muss bedenken, dass viele Probleme des städtischen Verkehrs eigentlich Probleme des ländlichen Raumes sind. Wir haben viele Einpendler und Leute, die zum Einkaufen in die Stadt fahren. Der Verkehr in der Stadt und im ländlichen Raum sind miteinander verflochten. Wenn wir attraktive urbane Räume haben wollen, brauchen wir auch gute Angebote im ländlichen Raum mit einem Mix aus verschiedenen Verkehrsmitteln.

Was wären alternative Angebote?

Carsharing und private Mitnahme, also das nachbarschaftlich organisierte Autoteilen. Eine Möglichkeit sind auch Bürgerbusse. Und wir sollten den Verkehr, der sich nicht vermeiden lässt, so nachhaltig wie möglich gestalten. Etwa durch Elektromobilität. Außerdem sollten wir den ÖPNV so ausbauen, dass er die Menschen erreicht. Da gibt es gute Beispiele in der Schweiz oder in Österreich. Insgesamt brauchen wir einen einfachen Zugang zu den Angeboten. Die Leute sollten sich keine Gedanken zu den Tarifzonen machen müssen. Man steigt ein und wieder aus. Da hilft auch die Digitalisierung, z.B., indem beim Aussteigen abgerechnet wird, wie weit ich gefahren bin.

Wie ist der Zusammenhang zwischen Mobilität und demografischer Wandel im ländlichen Raum?

Der demografische Wandel bedeutet einerseits abnehmende Bevölkerungszahlen in einer Region und andererseits die Verschiebung der Altersstruktur. Aber das Bild, das wir von älteren Menschen im ländlichen Raum haben, stimmt heute nicht mehr ganz. Die Älteren sind aktiver, fitter, sie fahren gut Auto und können ihren Alltag selbstständig organisieren. Die Generationen, die jetzt älter werden, haben in der Regel den Führerschein. Damit haben wir das Paradox, dass die Bevölkerung im ländlichen Raum abnimmt, aber die Verkehrsleistung zunimmt.

Wer muss bei der vernetzten Mobilität im ländlichen Raum zusammenarbeiten?

Das ist ein ganz spannendes Feld. Akteure von Mobilität und Verkehr im ländlichen Raum sind zum einen die Kommunen, die für die Daseinsvorsorge zuständig sind. Es gibt Verkehrsunternehmen, die Neues ausprobieren wollen. Und die Bevölkerung, die sich z.B. zu Vereinen zusammenschließen und Bürgerbusse initiieren. Und dann haben wir neue Akteure. Im letzten Jahr hatten wir ein Projekt mit der evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Die Pfarrer bekamen von der Kirche Elektroautos zur Verfügung gestellt, die sich auch die Gemeindeglieder ausleihen können.

Welche Rolle spielt die E-Mobilität im ländlichen Raum?

Der ländliche Raum ist prädestiniert für E-Mobilität. Die durchschnittlich zurückgelegte Strecke liegt hier bei 14 Kilometern. Im Durchschnitt ist jede Person am Tag 52 Kilometer unterwegs. Die Reichweitenangst ist also meistens unbegründet. Und wir haben Flächen für die Produktion von alternativen Energien, z.B. durch Photovoltaik und Windenergie.

Welche Rolle kann die Hochschule beim Thema Mobilität spielen?

Ich sehe unsere Rolle als Vermittler. Wir können unterschiedliche Akteure zusammenbringen und kritische Begleiter sein. Beispielsweise beim autonomen Fahren, das wir technologisch begleiten, indem wir Sensoren entwickeln, aber auch gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen. Als Hochschule können wir Experimentierräume schaffen und gemeinsam mit Kommunen und Unternehmen Neues ausprobieren, um daraus zu lernen. Hier sehe ich meine Aufgabe darin, die Frage zu beantworten, wie wir die Verkehrsangebote organisatorisch und digital so miteinander vernetzen, dass nachhaltige Alternativen entstehen.

Fragen: Dr. Margareta Bögelein, Hochschule Coburg.

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Veröffentlicht am:
22. 09. 2019
14:30 Uhr

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22. 09. 2019
14:30 Uhr



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