Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerGlobe-TheaterStromtrasseHSC 2000 Coburg

Coburg

Die Angst vor einem Präzedenzfall

Der Radweg von Coburg nach Bamberg soll ausgebaut werden. Die Gemeinde Itzgrund will, dass sich der Landkreis an den Kosten beteiligt. Hier aber hat man Bedenken.



Der Radweg zwischen Bamberg und Coburg ist die am meisten befahrene Radstrecke im Coburger Land. Die Gemeinde Itzgrund würde ihn am liebsten ausbauen. Foto: Frank Wunderatsch
Der Radweg zwischen Bamberg und Coburg ist die am meisten befahrene Radstrecke im Coburger Land. Die Gemeinde Itzgrund würde ihn am liebsten ausbauen. Foto: Frank Wunderatsch   » zu den Bildern

Untersiemau - Der Landkreis Coburg gehört der Arbeitsgemeinschaft "Fahrradfreundliche Kommunen" an. Daher stünde es dem Kreis nach Auffassung des im Landratsamt für den Bau von Straßen und Wegen zuständigen Jürgen Alt gut an, einen Beitrag zum Ausbau des Radwegenetzes über die Beschilderung hinaus zu leisten. Das ist aber gar nicht so einfach, wie bei der jüngsten Sitzung des Bauausschusses des Kreistags deutlich wurde.

In Kürze

Günter Benning, CSU/LV, wollte wissen, wann denn der seit geraumer Zeit geplante Ausbau der Kreisstraße CO 4 zwischen Bad Rodach und Heldritt beginnt. "Voraussichtlich im nächsten Frühjahr", so die Antwort vom für den Straßenbau zuständigen Jürgen Alt. An der Maßnahme sind sowohl der Landkreis mit dem Straßenbau als auch Bad Rodach mit Kanalbau beteiligt.

Auch der Ausbau der Kreisstraße CO 4 zwischen Weidach und der Coburger Stadtgrenze ist nach den Worten von Alt näher gerückt. Die Stadt Coburg habe mittlerweile signalisiert, dass sie den Ausbau der Straße in ihrem Bereich nicht mehr ablehne. Es gebe aber aus Coburger Sicht noch "erheblichen Klärungsbedarf" hinsichtlich des Übergangsbereiches an der Stadtgrenze.

 

Bei der Sitzung im Untersiemauer Rathaus bestand zwischen Ausschussmitgliedern, Landrat Sebastian Straubel und Verwaltung Einigkeit, dass gut ausgebaute Radwege wünschenswert seien, zumal die bayerische Staatsregierung ein attraktives Radwegenetz fördern will. Möchte jedoch der Landkreis die Städte und Gemeinden in dieser Sache finanziell unterstützen, gestaltet sich die Sache im Spannungsfeld von Haushaltsdisziplin und Förderrichtlinien schwierig. So entspann sich eine lange Diskussion über den Antrag der Gemeinde Itzgrund über eine Kostenbeteiligung am Ausbau des Radwegs, der Coburg mit Bamberg verbindet.

 

"Es handelt sich um die am meisten befahrene Radstrecke im Landkreis Coburg", betonte Alt. Nach intensiven Verhandlungen sei es der Gemeinde Itzgrund gelungen, die Erneuerung gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt Bamberg durchzuführen. Der Freistaat finanziere den Ausbau auf die vorgeschriebene Mindestbreite von 2,50 Meter. Den Radverkehr sicherer mache jedoch eine Breite von drei Metern, so Alt. Die Kosten für die fehlenden 50 Zentimeter müsse die Gemeinde übernehmen. Die wiederum wünscht sich, dass der Landkreis einen Teil dieser Kosten übernimmt.

Nun wies Gerold Strobel (Freie Wähler) darauf hin, dass der Ausbau auf drei Meter den Radweg zum Wirtschaftsweg mache. Wirtschaftswege jedoch würden bislang nicht vom Landkreis finanziert. Strobel befürchtete also einen Präzedenzfall.

Fraktionskollege Bernd Reisenweber erinnerte, dass Wegebaugenossenschaften von Landwirten oder Jägern für Bau und Unterhalt von Wirtschaftswegen sorgten. Ihnen könne man kaum erklären, dass der Landkreis den Bau eines solchen Weges plötzlich finanziell unterstützt. "Ich befürchte, dass bald die nächsten Anträge auf Mittel für einen Radwegeausbau kommen", meinte Landrat Straubel. Was also tun? Der Ausschuss folgte dem Vorschlag des Landrats, das Radwegenetz erst einmal näher zu betrachten. Nur mit dem Blick aufs Ganze sei zu entscheiden, wie der Kreis den Ausbau der Wege unterstützen könne, ohne einzelne Kommunen zu bevorzugen. Die Entscheidung über eine Bezuschussung wurde damit vertagt.

Ähnlich verhält es sich bei der Erneuerung einer Stützmauer entlang der Kreisstraße CO 28 in Untersiemau sowie bei der von SPD-Kreisrat Carsten Höllein beantragten Aufstellung von Leitplanken an der Kreisstraße CO 16 bei Krumbach. Dort ist eine sogenannte Amphibienleitwand am Straßenrand eingebaut. Das bedeutet, dass die Böschung steil abfällt, damit sie nicht von Fröschen und Lurchen überwunden werden kann. Höllein hat eine Leitplanke beantragt, weil die Gefahr bestehe, dass Fahrzeuge, etwa bei Ausweichmanövern, jäh abrutschen könnten. Die Kreisverwaltung sieht jedoch keinen dringenden Handlungsbedarf. Eine Entscheidung hat der Ausschuss aufgeschoben. Bei der im September anstehenden Besichtigungsfahrt möchte man sich die Situation vor Ort anschauen.

Im mittelfristigen Investitionsprogramm des Landkreises ist die Erneuerung einer Stützmauer an der CO 28 vorgesehen. Das Problem: Mit der Mauer verbunden ist ein in Untersiemau als "Brandnershaus" bekanntes Anwesen. Das steht schon lange leer und macht einen ziemlich maroden Eindruck. Ungeachtet dessen steht das Fachwerkhaus unter Denkmalschutz. Das macht es nach Alts Worten nicht einfacher, eine neue Stützmauer zu bauen.

Nachdem sich die Ausschussmitglieder das Haus angesehen hatten, herrschte wenig Verständnis für denkmalschützerische Bestrebungen. "Das Haus ist in der Tat keine Schönheit", formulierte es CSU/LV-Kreisrat und Untersiemauer Bürgermeister Rolf Rosenbauer. Fraktionskollege Benning nannte den Denkmalschutz für dieses Gebäude "weltfremd".

Der Ausschuss stimmte letztlich einer Planung für die neue Mauer zu, die das Haus nicht berührt.

Autor

Mathias Mathes
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 07. 2019
17:18 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bau Baubehörden Freie Wähler Kreistage Landräte Radverkehr Radwege Radwegenetze Stadt Coburg Straßenbau Städte Städte und Gemeinden
Untersiemau
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
Die Ehrengäste beim obligatorischen Spatenstich (von rechts): Jürgen Alt (Landratsamt), Hans-Peter Jander (Bayreuth), Landrat Sebastian Straubel, Bürgermeister Rolf Rosenbauer, Jürgen W. Heike, Jürgen Kittner und ein Vertreter des Bauunternehmens . Foto: Karbach

19.07.2019

Startschuss für Untersiemauer Kreisel

Zahlreiche Schaulustige verfolgen den so sehnsüchtig erwarteten Spatenstich. Ohne großzügige Förderung wäre das unmöglich gewesen. » mehr

Professor Dr. Stefan Piltz, Ärztlicher Direktor des Regiomed-Klinikums Coburg: "Wir werden weiterhin klug in das Krankenhaus Coburg investieren. Notwendige Maßnahmen werden selbstverständlich ergriffen, wenn sie erforderlich sind und dem Wohle des Patienten dienen - und hier sind wir auch finanziell in der Lage.

18.07.2019

Eidt befürwortet "Rettungszahlung" an Regiomed

Der Landkreis und die Stadt Coburg sollen einen Millionenbetrag zuschießen, um die Liquidität des Klinikkonzerns zu sichern. Das schreckt Grüne, ÖDP, FDP und ULB auf. » mehr

Täglich bespricht sich Landrat Sebastian Straubel (Mitte) mit Büroleiterin Tanja Angermüller und Verwaltungschef Dieter Pillmann.	Foto: Christoph Scheppe

22.05.2019

Wirtschaftsförderung bleibt weiterhin Chefsache

Landrat Sebastian Straubel ist 100 Tage im Amt. Viele Themen und Probleme sind dem ehemaligen Lautertaler Bürgermeister nicht neu. » mehr

Wolfgang Weiß

16.08.2019

"Widersinniger Straßenbau"

Zum geplantem vierspurigem Ausbau der B 4 im Weichengereuth Der geplante vierspurige Ausbau der Bundesstraße 4 im innerstädtischen Bereich von Weichengereuth hat offenbar eine weitere Hürde genommen: Das Staatliche Bauam... » mehr

03.04.2019

FDP will Radschnellweg für Coburg

Die freien Demokraten wollen mehr Menschen zum Umstieg auf das Fahrrad bewegen. Dafür sollen die Radwege der Vestestadt ausgebaut werden. » mehr

Die alte Scheune in der Schenkgasse 1 - das Gebäude liegt gegenüber dem Gasthaus "Gurgala" am Parkhaus Post - wird zum ersten "Fahrrad-Parkhaus" Coburgs umgebaut. Das hat der Finanzsenat am Dienstag beschlossen.	Foto: Braunschmidt

16.07.2019

"Fahrrad-Parkhaus" für Coburg

In der Schenkgasse steht eine alte Scheune. Das Gebäude war bis Dienstag dem Verfall preisgegeben. Jetzt wird es neu genutzt. Der Umbau markiert den Beginn des Projekts "Steinweg-Vorstadt". » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Jubiläum Fallschirmspringer Haßfurt

Jubiläum Fallschirmspringer Haßfurt | 18.08.2019 Haßfurt
» 12 Bilder ansehen

Michael Patrick Kelly beim HUK Coburg Open-Air

Michael Patrick Kelly beim HUK Coburg Open-Air-Sommer 2019 | 19.08.2019 Coburg
» 38 Bilder ansehen

Kronacher Freischießen: Proklamation der Schützenkönige

Kronacher Freischießen: Proklamation der Schützenkönige | 19.08.2019 Kronach
» 22 Bilder ansehen

Autor

Mathias Mathes

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
19. 07. 2019
17:18 Uhr



^