Lade Login-Box.
Topthemen: BlitzerwarnerGlobe-TheaterStromtrasseHSC 2000 Coburg

Coburg

Die Dürre bedroht unsere Wälder

Nicht nur Nadelbäume, auch Laubbäume leiden unter der Hitze und Dürre. Waldbesitzer suchen nach Lösungen für den Wald der Zukunft.



Bohrmehl zeigt, dass unter der Rinde der Eiche ein Schädling frisst.
Bohrmehl zeigt, dass unter der Rinde der Eiche ein Schädling frisst.   » zu den Bildern

Gossenberg - Die Waldbesitzer schlagen Alarm: Sie sehen ihre Wälder vertrocknen. Eine halbe Million Bäume im Landkreis sind im vergangenen Jahr laut Aussage der Waldbauernvereinigung Coburger Land (WBV) abgestorben. Ursache für das Leiden der Bäume im oberfränkischen Forst ist die anhaltende Dürre. Dadurch schwächeln die Bäume, die anfällig werden für Schädlinge wie Insekten und Pilze: Fichten macht der Borkenkäfer zu schaffen, Eichen beispielsweise der Prozessionsspinner.

"Viele Wälder sind nur noch wie ein hohler Zahn", beschreibt der Vorsitzende der WBV, Wolfgang Schultheiß, den Zustand mit drastischen Worten. Dass diese angebracht sind, verdeutlich er beim Ortstermin bei Gossenberg: Der Blick nach oben zeigt dürre Kronen, die nachwachsenden Jungbäumen keinen Schutz mehr bieten. Stattdessen nutzt schnellwachsendes Gestrüpp das Licht, um sich auf dem Waldboden auszubreiten und die zarten Bäumchen zu ersticken. Nicht nur die flach wurzelnden Fichten und Kiefern halten den Stressfaktoren durch Hitze, Trockenheit und Schädlingen nicht mehr stand, auch Laubbäume wie Buche und Eiche nehmen massiv Schaden.

Die Alternativen sind rar beziehungsweise nicht vorhanden. Wurde den Waldbesitzern bislang nahegelegt, ihre Wälder mit wärmetolerantem Laubholz umzubauen, zeigt sich, dass der Austausch der Nadel- durch Laubhölzer auch keine Lösung darstellt. Denn inzwischen seien alle Baumarten betroffen, stellt Wolfgang Schultheiß fest. Neue Baumarten seien nötig, hier sei die Forschung gefragt. In jedem Fall werde sich der Wald in den nächsten Jahren komplett verändern.

Neben dem Verlust für die Natur beziffert Schultheiß auch den materiellen und ideellen Schaden für die Waldbesitzer: Denn durch die große Menge an Käferholz auf dem Markt befinden sich die Holzpreise im Keller. "Als Waldbesitzer muss ich das vom Borkenkäfer befallene Holz schnell aus dem Wald schaffen, um die umstehenden gesunden Bäume nicht zu gefährden. Dafür brauche ich Dienstleister. Und die kosten Geld. Angesichts des niedrigen Holzpreises bleibt so nichts mehr übrig", sagt Waldbesitzer Günter Carl aus Untersiemau. Ähnlich ist es im benachbarten Wald von Frank Angermüller aus Großheirath. Hier stehen alte Eichen, die erkennbare Dürreschäden aufweisen: Ihre Kronen sind licht, Bohrmehl tritt aus der Rinde. Auch wenn der Baum noch Blätter hat und auf den ersten Blick nicht krank aussieht - er ist dem Tod geweiht. Mit Glück ist der Schädling nur bis unter die Rinde vorgedrungen. Hat er den Kern des Stammes erreicht, ist das Holz wertlos für die Weiterverarbeitung. Es kann nur noch als Brennholz dienen. Und dafür lohnt sich der Aufwand nicht. Dies bestätigt Manfred Herter, Geschäftsführer der WBV, der für die Holzvermarktung zuständig ist: "Man kann bei den aktuellen Marktpreisen nicht mehr kostendeckend arbeiten".

Wenn der Lohn für jahrzehntelange Arbeit verloren geht, kommt Frust auf. Es sei verständlich, wenn Waldbesitzer ihre Wälder aufgäben und die Bewirtschaftung bleiben ließen, erklärt Schultheiß. Dies könne jedoch allein unter Umweltgesichtspunkten keine Lösung darstellen: Denn jeder Festmeter Holz binde eine Tonne Kohlendioxid (CO2). Deshalb sei es so wichtig, Bäume zu pflanzen und Wälder aufzuforsten.

Forstingenieur Ralf Keller, stellvertretender Geschäftsführer der WBV, hält eine Flächenstilllegung ebenfalls für falsch: "Auch in einem Urwald und aus toten Bäumen wird CO2 freigesetzt." Auch wenn Holz noch als Brennstoff dienen könne, sei es besser, es zu verarbeiten. Denn dadurch bleibe das CO2 gebunden.

Hier schließt sich der (Teufels-) Kreis: Da die weiterverarbeitenden Betriebe aufgrund der schieren Masse das geschlagene Holz nicht mehr annehmen, werden zwei Drittel des Nutzholzes derzeit zu Brennholz gemacht. In einem Positionspapier hat die Forstwirtschaftliche Vereinigung (FV) die Lage zusammengefasst und Lösungsvorschläge festgehalten. Sie sollen jetzt in allen Regierungsbezirken Frankens besprochen werden. Denn Wolfgang Schultheiß, der auch Vorsitzender der FV Oberfrankens ist, sieht hier die Politik gefordert: "Im Süden des Freistaats ist die Situation nicht so dramatisch, da hat es mehr geregnet wie bei uns. Deshalb stoßen wir bei den Entscheidern in der Landeshauptstadt auf wenig Gehör mit unseren Nöten". Er und seine Mitstreiter der FV stellen sich einen Schadensausgleich für Besitzer klimageschädigter Wälder sowie Hilfe bei der Wiederaufforstung vor.

Autor

Katrin Lyda
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
21:26 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Baumarten Brennholz Gossenberg Holz Holzpreise Laubbäume Laubholz Nadelbäume Not und Nöte Wald und Waldgebiete
Gossenberg
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
"Schöne Aussicht": Aus dem Coburger Land ist der Prinzregententurm auf dem Muppberg als Geheimtipp aufgeführt.	Foto: Bayerische Staatsforsten.

14.06.2019

Die schönen Seiten des Waldes

Wald ist nicht nur Bäume, sondern ein interessanter Lebensraum. Tipps für Entdecker gibt es im neuen Magazin der Bayerischen Staatsforsten. Auch das Coburger Land ist vertreten. » mehr

Der Buchdrucker hat sein zerstörerisches Werk verrichtet.

19.06.2019

Käferholz wartet auf bessere Marktpreise

Unverändert brisant ist die Lage für den Wald in Sachen Borkenkäfer. Denn die neue Generation der Schädlinge ist bereits unterwegs. Die Holzpreise sind aufgrund des Überangebots im Keller. » mehr

Diese Luftaufnahme zeigt die Auswirkungen des Borkenkäferbefalls im Landkreis Coburg. Foto Archich AELF

15.03.2019

Der Wald wird löchrig

Ein fataler Mix aus Hitze, Trockenheit und aktiven Borkenkäfern könnte heuer schwere Folgen für den Forst haben. Die Überlebenschance der Fichte ist daher gering. » mehr

Bei der Submission 2019 wurde der bislang höchste Umsatz seit Bestehen erzielt. Hier begutachten die Waldbauern die ausgestellten Stämme am Holzlagerplatz bei Unterwohlsbach. Foto: Henning Rosenbusch

10.02.2019

Neue Bäume braucht der Wald

Ein schwieriger Markt und der Klimawandel sind die Probleme, die den Waldbesitzern aktuell zu schaffen machen. Die WBV hat im Interesse ihrer Mitglieder das Beste daraus gemacht. » mehr

Mit Smartphones gegen den Borkenkäfer

25.04.2019

Mit Smartphones gegen den Borkenkäfer

Infolge Trockenheit setzt der Schädling auch im Coburger Land den Fichten ganz massiv zu. GPS-Daten helfen, ihn schneller zu eliminieren. » mehr

Ein Schild am Zaun rund um den Skatepark verbietet seit dem Frühling den Zutritt.

24.06.2019

Ende einer Ära

Seit Pfingsten laufen bei den Coburg Locals die Abrissarbeiten. Bis zum Beginn der Sommerferien soll die Skateanlage des Vereins abgebaut sein. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Freizeitsportler verunglücken Landkreis Lichtenfels

Freizeitsportler verunglücken | 16.08.2019 Landkreis Lichtenfels
» 5 Bilder ansehen

Pur beim HUK Coburg Open-Air-Sommer 2019

Pur beim HUK Coburg Open-Air-Sommer 2019 | 16.08.2019 Coburg
» 48 Bilder ansehen

eröffnung biergarten zeilberg

Biergarten-Eröffnung Zeilberg | 16.08.2019 Zeilberg
» 8 Bilder ansehen

Autor

Katrin Lyda

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 07. 2019
21:26 Uhr



^