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Coburg

Die Erfolgsgeschichte einer Zweckehe

Vor 50 Jahren schlossen sich vier Gemeinden zum neuen Ort Lautertal zusammen. Die Fusion erwies sich als Segen. Und nicht nur, weil es Hochzeitsgeschenke gab.



Die Erfolgsgeschichte einer Zweckehe
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Lautertal - Als Lautertals kommissarischer Bürgermeister Martin Rebhan 1964 in die Schule kam, gab es unter den Kindern genaue Vorstellungen, mit wem sie spielen sollten, erinnert er sich. "Es war verpönt, dass jemand aus Unterlauter mit jemandem aus Oberlauter eng befreundet war", schildert er. Ein Jahr vor seiner Einschulung war das Gebäude fertig gestellt worden, eine Schulzweckgemeinschaft knüpfte erste Bande zwischen den Gemeinden im Lautertal. Bis dahin gingen die Kinder in ihren jeweiligen Heimatorten zur Schule. Auch in Sachen Wasserver- und entsorgung arbeiteten die Ortschaften zusammen.

Großes Festprogramm im Juni

27. Juni: Festkommers, Moderation "Das Eich".

 

28. Juni: DJ-Abend mit Antenne Bayern, DJ Florian Weiss, DJ Mohri.

29. Juni: Zünftiger Abend mit der Schloßkapelle Erlach.

 

30. Juni: Kreisfeuerwehrfest mit Umzug.

 

Diese Kooperation bildete die Grundlage für den Zusammenschluss zur Großgemeinde im Jahr 1969. "Man wusste, es kann funktionieren und zusammen sind wir stark", erklärt Hans Frieß, Geschäftsführender Beamter in Lautertal. Durch eine gemeinsame Verwaltung wollten die Ortschaften Unter- und Oberlauter, Tiefenlauter und Neukirchen die Einwohnerzahl erhöhen und die Wirtschaftskraft bündeln. "Bis dahin hatte jeder Ort eine eigene Verwaltung und einen Bürgermeister, der Zusammenschluss war einfach der richtige Schritt", so Rebhan. Lange Sitzungen und harte Verhandlungen gingen der "Hochzeit" voraus.

 

Schnell war klar, dass ein neuer gemeinsamer Name gefunden werden sollte. Das Tal der Lauter verband alle Orte und so wurde "Lautertal" im Rahmen einer öffentlichen Gemeinderatssitzung im April 1969 einstimmig als Ortsname gewählt. Am 4. Mai durften die Einwohner der vier Orte über den Zusammenschluss entscheiden. Rund 1870 Menschen waren wahlberechtigt. Bis auf Oberlauter, wo sich 189 dafür und 227 dagegen entschieden, stimmten die jeweiligen Mehrheiten für die Großgemeinde. Mit Wirkung zum 1. Juli 1969 erfolgte der Zusammenschluss von Neukirchen, Unter-, Ober- und Tiefenlauter als der erste freiwillige Gemeindefusion in ganz Bayern.

Horst Engelhardt arbeitete ab 1978 im neu gebauten Rathaus von Lautertal. Inzwischen ist er im Ruhestand und wirkte in der Arbeitsgruppe mit, die sich um die Erstellung der Chronik zum 50. Jubiläum der Großgemeinde Lautertal kümmerte. "Zur Hochzeit gab es vom Freistaat Bayern 1,1 Millionen D-Mark", so Engelhardt. Geld, das die frisch gegründete Großgemeinde dringend brauchte. Schließlich musste sie sich ohne große eigene Steuerkraft um Wegebau, Turnhalle und Gemeindeverwaltung kümmern. "Kleine Kommunen waren damals benachteiligt", weiß er. Daher sei der Zusammenschluss "ein Segen" gewesen. Rottenbach und Tremersdorf waren zunächst selbstständig geblieben. 1978 wurden sie dann jedoch zwangseingemeindet. "Weil sie sich nicht freiwillig dazu entschließen konnten, entging Lautertal das Hochzeitsgeschenk von rund 100 000 Mark", berichtet Engelhardt.

Nach der Gebietsreform 1978 mussten die Gemeinden selbst Aufgaben übernehmen, die bisher das Landratsamt für sie erledigt hatte. Die Erhebung von Steuern zum Beispiel oder die Aufstellung eines Haushaltsplanes. Damit einher ging eine gewaltige Aufstockung an Personal im Rathaus. Der Bedarf an Wohnungen war groß, neue Baugebiete wurden in Lautertal ausgewiesen, Straßen gebaut und die Ver- und Entsorgungsleitungen erweitert. Mit den jungen Familien stieg die Nachfrage nach Kindergarten- und später auch Krippenplätzen. So wurde der vorhandene Kindergarten immer wieder erweitert und schließlich ein zweiter gebaut. 2002 schloss sich Lautertal an die Trinkwasserversorgung der Städtischen Werke in Coburg an und schmiedete einen Deal, der ihm zu einer gesicherten Abwasserentsorgung verhalf. Denn das vor den Toren Coburgs geplante Gewerbegebiet Lauterer Höhe lag auf Lautertaler Gemeindegebiet. 110 Hektar Fläche trat Lautertal an Coburg ab, dafür wird das Abwasser der Großgemeinde seither in Coburg geklärt. "Das war eine Win-win-Situation", sagt Engelhardt. Wenn er auch als ehemaliger Kämmerer noch immer damit hadere, der Stadt zu wenig für die Flächen abgeknöpft zu haben, wie er mit einem Lächeln anmerkt.

In den ersten Jahren der Großgemeinde, so schildert es Engelhardt, war die Arbeit im Gemeinderat oft von harten Kämpfen geprägt. Es wurde geraucht und getrunken, und da sei der Ton auch mal rauer geworden. "Auch wenn es nicht einfach war, konnten wir uns immer zum Wohle der Gemeinde durchraufen", erinnert er sich. Mittlerweile gestalte sich die Arbeit des Gremiums sehr friedlich, man entscheide über Parteigrenzen hinweg.

Lautertal ist seit der Grenzöffnung zur ehemaligen DDR in die Mitte Deutschlands gerückt. Zwei Autobahnabfahrten machen den Ort gut erreichbar für Betriebe, um deren Ansiedlung sich der kommissarische Bürgermeister selbst kümmert. Auch die Nachfrage nach Bauplätzen ist groß. Allerdings können nicht mehr wie bisher immer neue Gebiete ausgewiesen werden. Schließlich dürfe die Kapazität der Kanalisation nicht überfordert werden, so Martin Rebhan. Er ist überzeugt davon, dass die gute Versorgungslage mit Geschäften und Ärzten sowie die Nähe zu Coburg und die gute Anbindung wesentlich zur Attraktivität Lautertals beitragen. Rund 4300 Einwohner hat die Großgemeinde derzeit. Seit 2017 leistet sich Lautertal einen halbstündigen Bustakt von Coburg bis Oberlauter. 60 000 Euro investiert die Großgemeinde jährlich in diesen Service. "Wir hatten auch schwierige Zeiten, doch nun haben wir eine solide Haushaltslage und stehen finanziell auf Betonfüßen", freut sich Rebhan.

Einer Reaktivierung der Werrabahn auf alter Trasse erteilt er eine klare Absage. Auch Engelhardt teilt diese Ansicht. "Wir haben den ICE, die Autobahn und die Umleitung der Autobahn durch Lautertal. Die Werrabahn würde unsere Lebensqualität stark beeinflussen." Außerdem wurden auf der ehemaligen Trasse teils Häuser gebaut. .

Autor
Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
17:14 Uhr

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Christiane Schult

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17. 05. 2019
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