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Die Forelle und der Lüstling

Coburg - Wem die berühmteste Forelle an die Angel ging, bleibt zwar unklar beim abschließenden Fischzug des "Klanggrenzen Festival" im ausverkauften Haus Contakt, aber dass



Das Aramis Trio sowie Bratschistin Annemarie Birckner und Kontrabassist Christian Ernst begeisterten beim "Klanggrenzen Festival" ebenso wie Poetry-Slammer Peter Weber alias Peter Parkster. Foto: Bernd Schellhorn
Das Aramis Trio sowie Bratschistin Annemarie Birckner und Kontrabassist Christian Ernst begeisterten beim "Klanggrenzen Festival" ebenso wie Poetry-Slammer Peter Weber alias Peter Parkster. Foto: Bernd Schellhorn  

Coburg - Wem die berühmteste Forelle an die Angel ging, bleibt zwar unklar beim abschließenden Fischzug des "Klanggrenzen Festival" im ausverkauften Haus Contakt, aber dass dieselbe der Tücke eines durchtriebenen Lüstlings zum Opfer fiel, der sie ins Trübe lockte und dann ausweidete, wird jedem Zuhörer eine Lehre bleiben. Worte können eben schal und trügerisch sein, aber - sehr zum Wohlwollen des Coburger Publikums - auch hellsichtig und aufklärend.

Peter Weber alias Peter Parkster, im wahren Leben ein Ingolstädter Informatiker, verwandelt sich für den Poetry Slam in einen Wort-Akrobaten. Richtig aktionsgeladen wird es nach der Pause, wenn es ans Forellen-Geschnetzelte geht. Zwar slamt Peter Parkster anfangs noch brav zwischen den Einzelsätzen des dazu live dargebotenen "Forellenquintett D 667" von Franz Schubert, klärt über dessen Entstehungsgeschichte auf, macht sich Gedanken über die Damen in Schuberts Jugendjahren und entwirft das fein gezeichnete Szenario einer Land-Idylle des damaligen Österreichs in dezent-freier Reimstruktur. Zu den Variationen des Werks aber wird er richtig laut und montiert eine straffe Abhandlung über den Absturz einer jungen Frau, die das Text-Original der Forelle ziemlich gut ins Jetzt übersetzt: keine Vergewaltigung, aber ausgenutzt und sitzengelassen. Entehrt also, was damals das gesellschaftliche Ende der jungen Dame bedeutete. Dieser "Wort-Sex-And-Crime" verpasst der dramatischen musikalischen Gestaltung der Variationen ein schillerndes Schuppenkleid. Intensiv ist der letzte Abend der "Klanggrenzen" von Anfang an. Mit heroischer Wucht stellen die fünf Musiker Ralph Vaughan Williams' "Klavierquintett c-Moll" in die glitzernde Akustik des großen Saales im Haus Contakt. Das Aramis Trio mit Martin Emmerich (Violine), Heiner Reich (Cello) sowie Fabian Wankmüller (Klavier) hat sich mit Annemarie Birckner (Viola) und Christian Ernst (Kontrabass) verstärkt. Das Zusammenspiel ist durchdacht und feurig, die Register sind fein ausgewogen und ergänzen sich besonders in den Fugati zu transparentem Flechtwerk.

Die traumhafte sommerliche Hitze hebt die Stimmung des Publikums, aber unweigerlich auch die der Saiten, und bevor der Schubertsche Speisefisch auf dem Speisetisch angerichtet ist, rinnt der Schweiß. Das Publikum sitzt ja eh so nah an den Streichern, dass man ihre Noten umblättern könnte: Konzert-Atmosphäre als Intimissimo.

Nun ja, die "Klanggrenzen" gehen weiter unbeirrt auf dem richtigen Weg mit solchen Genregrenzen überschreitenden Projekten. Davon verträgt die Coburger Kultur noch mehr. Wie jeder bemerkt, locken diese Konzepte Alt wie Jung, und dies ist unbedingt als großartig heraus zu stellen. Ich hätte mir das Konzert draußen im Schatten der uralten Buche gewünscht: Mit dem Publikum auf Decken plus einem guten Barkeeper, der ebenfalls live zum Poetry-Slam und zur bezaubernden Musik den Shaker klingeln lässt und kühle Cocktails kredenzt. Vielleicht gelingt ähnliches in den nächsten Jahren. Denn die "Klanggrenzen" sind offen und in Bewegung. Es gibt jubelnden Applaus für diesen sinnreich-lebendigen "Music-Slam". bs

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Veröffentlicht am:
09. 07. 2018
13:54 Uhr

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Christian Ernst Franz Schubert Klavierquintette Kunst- und Kulturfestivals Peter Weber c-Moll
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