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Coburg

Die Kandidaten machen mobil

Die Beteiligung am ersten Durchgang der Wahl zum neuen Landrat war mit 45,9 Prozent miserabel. Sebastian Straubel und Martin Stingl hoffen, dass am Sonntag mehr Bürger ihre Stimme abgeben.



Wer wird neuer Coburger Landrat? Martin Stingl (SPD, links) oder Sebastian Straubel (CSU/Landvolk, rechts)? Sie stehen sich in der Stichwahl am Sonntag, 10. Februar, gegenüber. Das Bild entstand nach dem ersten Wahlgang am 27. Januar.	Foto: Norbert Klüglein
Wer wird neuer Coburger Landrat? Martin Stingl (SPD, links) oder Sebastian Straubel (CSU/Landvolk, rechts)? Sie stehen sich in der Stichwahl am Sonntag, 10. Februar, gegenüber. Das Bild entstand nach dem ersten Wahlgang am 27. Januar. Foto: Norbert Klüglein  

Coburg - Wer wird neuer Landrat des Landkreises Coburg? Die Entscheidung fällt am Sonntag, 10. Februar. Die Wahllokale in den 17 Städten und Gemeinden sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Um 19.30 Uhr soll feststehen, wer Nachfolger von Michael Busch ist. Er war nach zehn Jahren auf dem Chefsessel im Coburger Landratsamt im Herbst vergangenen Jahres über die Oberfranken-Liste der SPD in den Bayerischen Landtag gewählt worden.

Martin Stingl, SPD

Martin Stingl ist 1962 in Mönchröden geboren. Er ist Absolvent der Berufsfachschule für Musik und hat 1985 die Firma Stingl-Music gegründet, die er bis heute führt. Stingl ist in zweiter Ehe verheiratet und lebt in

Neustadt. Zur Jahrtausendwende trat er in die SPD ein. 2002 wurde er in den Neustadter Stadtrat gewählt, seit 2006 ist er Bürgermeister für Kultur, Sport und Tourismus. Dem Kreistag Coburg gehört er seit 2008 an. Ehrenamtlich engagiert sich Martin Stingl als Sanitäter und Rettungsdiensthelfer und seit 2006 als Helfer vor Ort im Roten Kreuz. Er ist Feuerwehrmann und war bis 2017 Vorsitzender des Stadtverbands Neustadt für musikausübende Vereine. Zudem ist er Gründer des Arbeitskreises Mundartpflege.

 

Sebastian Straubel, CSU/LV

Sebastian Straubel ist 35 Jahre alt. 2014 ist er als Bürgermeister an die Spitze der Gemeinde Lautertal gewählt worden. Er gehört seit 20 Jahren der Verkehrswacht Coburg an und ist in dieser Organisation auch auf Bundesebene tätig. Er war Mitglied im Vorstand des Stadtjugendrings Coburg. Der Jungen Union gehört er seit dem Jahr 2000 an, der CSU seit 2001. Für den HSC 2000 Coburg ist er als Hallensprecher und in der Vorstandschaft aktiv. Straubel hat eine Ausbildung zum Rundfunkjournalisten absolviert und war vor seiner Wahl zum Bürgermeister von Lautertal Nachrichtenchef von Radio Eins in Coburg. 2018 ist er in den Bezirkstag von Oberfranken gewählt worden.

 

 

Um seine Nachfolge haben sich sechs Kandidatinnen und Kandidaten beworben: Christian Gunsenheimer (Weitramsdorf) von den Freien Wählern, Dagmar Escher (Meeder) von den Grünen, Martin Truckenbrodt (Frankenblick, Landkreis Sonneberg) von der ÖDP und Michael Höpflinger (Neustadt) von der AfD. Sie schieden im ersten Wahlgang aus. In die Stichwahl kamen Martin Stingl (Neustadt) von der SPD und Sebastian Straubel (Lautertal) von CSU und Landvolk.

 

Den ersten Durchgang konnte Straubel mit 14 214 Stimmen (43,48 Prozent) klar vor Martin Stingl mit 7586 Stimmen (23,21 Prozent) für sich entscheiden. Allerdings muss bei der Einordnung dieses Ergebnisses die Wahlbeteiligung berücksichtigt werden. Diese war mit 45,9 Prozent "unterirdisch schlecht", wie stellvertretender Landrat Rainer Mattern (CSU/LV) anmerkte. Das heißt: Am 27. Januar hat nicht einmal jeder zweite Wahlberechtige im Landkreis seine Stimme abgegeben.

Sebastian Straubel bezeichnet es denn auch als wichtige Aufgabe, am 10. Februar Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. "Das ist die Aufgabe von allen Parteien und Wählergemeinschaften, die Leute an die Urnen zu bringen", sagt der CSU/LV-Landratskandidat.

Das unterstreicht Martin Stingl. Zudem weise er auf den Wahlaufruf der AfD für seinen Gegenkandidaten hin. "Ich jedenfalls distanziere mich deutlich von deren Funktionären. Das sollten eigentlich alle demokratischen Parteien tun", betont der SPD-Kandidat seine Überzeugung. "Diese Leute dürfen für unser Coburger Land keinen Einfluss gewinnen." Darauf weise er in seinen vielen Gesprächen hin. "Auch insofern geht es am Sonntag um eine Richtungswahl", so Martin Stingl.

Sebastian Straubel hält dagegen. "Die CSU wirbt für ihren Kandidaten und seine Ideen für das Coburger Land", heißt es in einer Stellungnahme der Partei. Sie wurde unmittelbar nach dem 27. Januar veröffentlicht, nachdem AfD-Landratskandidat Michael Höpflinger sowie AfD-Landtagsabgeordneter und Kreisverbandsvorsitzender Martin Böhm empfohlen hatten, Sebastian Straubel zu wählen und postwendend Kritik von den Grünen kam. Die beiden AfD-Politiker begründeten ihr Einstehen für Straubel damit, dass er eine junge Kraft sei, die Elan und Frische ins Coburger Landratsamt bringen könne. Zudem habe er als Bürgermeister von Lautertal schon kommunalpolitische Erfahrung in einer Führungsaufgabe sammeln können.

Die CSU geht darauf nicht ein. Vielmehr betont sie, "wir wollen, wie auch schon zur Wahl am 27.01.2019, über unseren Kandidaten und auch zur Stichwahl nicht über Wahlempfehlungen reden, sondern durch den besten Mann für dieses Amt, unseren Sebastian Straubel, den Wählerinnen und Wählern eine gute Zukunft bieten. Diesen Weg gehen wir weiter." Weder in der Vergangenheit, noch heute, noch in Zukunft gebe es im Wahlprogramm der CSU eine Nähe zur AfD. "Wir sind überzeugt, dass die Menschen selbst in der Lage sind, urteilen zu können. Wir glauben, dass die Menschen mündig genug sind, Unterstellungen Dritter zu erkennen. Und wir glauben, dass die Menschen für sich selbst entscheiden können und ihre Wahl treffen", betont die CSU. Für Martin Stingl haben sich unterdessen die Grünen, Christian Gunsenheimer, Kreisvorsitzender der Freien Wähler und weiterer Stellvertreter des Landrats, Peter Jacobi, langjähriger FDP-Kreisvorsitzender, früherer Landtagsabgeordneter und Kreisrat, sowie die ÖDP ausgesprochen.

Stingl hat das Volksbegehren "Rettet die Bienen" unterschrieben, Sebastian Straubel nicht. Stingl betont, das Volksbegehren betreffe "ein gesamtgesellschaftliches Problem, dem wir uns dringend stellen müssen". Allerdings dürften die Landwirte nicht in ihrer Existenz bedroht und müssten für etwaige Belastungen entschädigt werden.

Straubel verweist auf einen Antrag der CSU/LV-Kreistagsfraktion. Sie will durchsetzen, dass der Landkreis Coburg ein Programm auflegt, Ausgleichsflächen, die beispielsweise für Straßenbauten oder die Ausweisung von Gewebegebieten geschaffen werden, als Blühflächen anzulegen. Damit würden neue Nahrungsquellen für Bienen und andere Insekten, aber auch Rückzugsgebiete für Niederwild wie Hasen oder Rebhühner geschaffen werden. Bei diesem Projekt gegen das Artensterben sollen der Landkreis, seine 17 Städte und Gemeinden, Imker, Obst- und Gartenbauvereine sowie Landwirte zusammen arbeiten. Der Landschaftspflegeverband Coburger Land könnte, so die Überlegung, Aussaat und Pflege übernehmen, die Finanzierung könnte über Ausgleichszahlungen für den Bau der 380-kV-Stromleitung ("Thüringer Strombrücke") gesichert werden. Der Unterschied: Das Volksbegehren will den Insektenschutz in einem bayerischen Gesetz verankern, das Coburger Programm beruht auf Freiwilligkeit.

Sebastian Straubel geht davon aus, dass seine Partei in den letzten Tagen vor der Landratswahl genauso "bärenstark" auftritt, wie dies in den vergangenen Wochen der Fall gewesen sei. Alle Ortsverbände zögen bei der Kampagne für ihn mit und arbeiteten ihm zu. "Das ist wirklich begeisternd", so Straubel. Für ihn gehe es darum, "an jedem Tag um jede Wählerin und jeden Wähler zu werben".

Martin Stingl sagt mit Blick auf die wenigen Tage bis zur Landratswahl, "ich bin unter den Menschen, rede, diskutiere, streite auch". Er werde Veranstaltungen und SPD-Infostände besuchen. "Am Samstagsabend ist‘s dann aber gut mit Wahlkampf."

 

Lesen Sie dazu auch: Wahlstudio im Coburger Landratsamt

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
20:40 Uhr

Aktualisiert am:
06. 02. 2019
20:40 Uhr

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Wolfgang Braunschmidt

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Veröffentlicht am:
06. 02. 2019
20:40 Uhr

Aktualisiert am:
06. 02. 2019
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