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Coburg

Die Räder drehen sich auch nachts weiter

Nach wie vor beschweren sich Anwohner über den Lärm, den der Windpark am Kraiberg verursacht. Auch ein weiteres Treffen mit dem Betreiber bringt keine Klärung.



Einige der Anwohner haben sich auf einer Terrasse in Mittelwasungen getroffen, um die Lärmbelästigung vor Ort aufzuzeigen. Foto: Tischer
Einige der Anwohner haben sich auf einer Terrasse in Mittelwasungen getroffen, um die Lärmbelästigung vor Ort aufzuzeigen. Foto: Tischer  

Fechheim/Mittelwasungen - Der bereits Anfang 2015 genehmigte und im Sommer 2016 in Betrieb gegangene Windpark auf dem Kraiberg ist seit Inbetriebnahme in der Kritik. Anders als in Welsberg, wo die dortige Anlage reibungslos funktioniert, gibt es hauptsächlich von den Anwohnern in Mittelwasungen Beschwerden. Und die taten sie auf einer von der Betreibergesellschaft "Naturstrom" initiierten Bürgersprechstunde kund. Der Lärm, insbesondere in der Nacht, sei weiterhin unerträglich, dass mittlerweile Bürger auszogen und andere "mit den Nerven am Ende" seien.

Man habe bereits die Anlagensteuerung modifiziert und sogenannte Tilger eingebaut, zeigte Sebastian Schäfer, verantwortlicher Projektleiter von "Naturstrom" auf. Ein Gutachten habe gezeigt,, das die Grenzwerte eingehalten würden und "sowohl objektiv als auch subjektiv ist die Tonhaltigkeit in Ordnung" sei.

Aufgrund dieses Gutachtens hatte das Landratsamt Coburg seine Anordnung zurückgenommen, die Windräder nur in gedrosseltem Betrieb laufen zu lassen. Am 8. Februar ging der Windpark in den Regelbetrieb über. Gebetsmühlenartig verwies Gotthard Georg Sonneborn, Abteilungsleiter Technische Betriebsführung bei "Naturstrom" darauf, dass man deshalb mit der Bürgersprechstunde eine "freiwillige Good-Will-Aktion" veranstalte, der weitere folgen könnten. "Aber der Windpark basiert auf Genehmigungen, die rechtssicher sind", stützt sich Sonneborn auf das letzte Gutachten.

Heidrun Mücke forderte dennoch: "Wir wollen eine Langzeitmessung, um unsere Lärmbeschwerden zu beweisen." Die wolle man bezahlen, einen Ausfall freilich nicht, der bis zu einem Ergebnis durch eine Drosselung zustande käme. Gleichzeitig haben die Anwohner eine Klage am Verwaltungsgericht eingereicht. Letztlich drohte Hermann Engel, Ortsbetreuer von Mittelwasungen: "Entweder der Windpark wird nachts abgeschaltet oder wir gründen eine Bürgerinitiative." Zumal nicht nur bei den Kraiberg-Anlagen Probleme aufgetaucht sind, sondern beispielsweise auch im Bürgerwindpark Südliche Ortenau bei Schutterwald. "Es gibt immer Probleme mit Anlagen von General Electric, die eine Billigversion hier aufgebaut haben",so Henner Fohrbeck. 89 von 169 General Electric-Anlagen hätten demnach ein Problem . So würden die Anlagen immer lauter, je länger sie laufen. Das wolle man überprüfen, versprach Sonneborn sichtlich überrascht.

Alles in allem mühten sich alle Beteiligten redlich, sachlich zu bleiben, Kooperationsbereitschaft zu zeigen und das rechtliche Terrain nicht zu verlassen. Neustadts Stadtbaurat Richard Peschel sagte: "Wir waren als Stadt nicht eingeladen von Naturstrom und wir können eine Versammlung nicht bewerben, die von uns nicht selbst veranstaltet wird." "Im Moment sind uns die Hände gebunden", gab Dieter Pillmann, geschäftsführender Beamter am Landratsamt Coburg zu. Er war mit Landrat Sebastian Straubel und weiteren Mitarbeitern vor Ort. Im Nachgang sprachen einige Anwohner davon, dass das Landratsamt die Baugenehmigung hätte damals nicht erteilen dürfen. "Aber da hätte es jemandem gebraucht, der Eier in der Hose gehabt hätte", sagten sie verbittert und teilweise mit Tränen in den Augen. Wie es nun weitergeht, das wollten die Anwohner schließlich wissen. "Der Regelbetrieb bleibt zunächst, da wir gesetzeskonform handeln", beendete Sonneborn die Bürgersprechstunde, die verhärtete Fronten an den Tag legte. Allerdings gab er auch zu, dass der Windpark bislang finanziell "ein Desaster" sei. Allerdings sei Gewinnmaximierung auch kein vorrangiges Ziel.

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Peter Tischer
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Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
16:06 Uhr

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Peter Tischer

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Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
16:06 Uhr



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