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Coburg

Die Retter historischer Bausubstanz

Der Verein Kulturerbe Bayern hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kulturschätze mit neuem Leben zu erfüllen. Am Samstag präsentiert er in Coburg seine Ideen und Ziele.



In Coburg funktioniert die Idee bereits: Die Initiative Stadtbild Coburg hat seit 1973 viel zum Erhalt historischer Bausubstanz beigetragen. Bei der Informationsveranstaltung in der Pakethalle konnten sich die Teilnehmer auf Schautafeln davon überzeugen.	Fotos: Henning Rosenbusch
In Coburg funktioniert die Idee bereits: Die Initiative Stadtbild Coburg hat seit 1973 viel zum Erhalt historischer Bausubstanz beigetragen. Bei der Informationsveranstaltung in der Pakethalle konnten sich die Teilnehmer auf Schautafeln davon überzeugen. Fotos: Henning Rosenbusch   » zu den Bildern

Coburg - Es sind leer stehende Gehöfte, das ehemalige Dorfwirtshaus, ein verfallendes Rittergut oder der zugewucherte Schlosspark, die dem Verein Kulturerbe Bayern am Herzen liegen. Nach dem Vorbild des berühmten "National Trust" in Großbritannien - der größten Kultur- und Naturstiftung in Europa mit vier Millionen Mitgliedern - soll mit dem Verein auch in Bayern gefährdetes Kulturerbe geschützt und wiederbelebt werden. Am Wochenende hat der Verein seine Ziele in Coburg vorgestellt.

So funktioniert es

Die Idee für den Verein "Kulturerbe Bayern" entwickelte der Bayerische Landesverein für Heimatpflege und fand schnell Unterstützer. Der Bayerische Landtag fasste einstimmig einen Beschluss, wonach die Übertragbarkeit des National-Trust-Modells auf Bayern geprüft werden sollte. Daraufhin gründete sich vor drei Jahren der Verein "Kulturerbe Bayern". Von Beginn an unterstützen das Bayerische Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst und das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege die Initiative. Der Verein führt bereits erste Projekt durch und baut einen Stamm ehrenamtlicher Helfer auf. Wer Mitglied, Spender oder Stifter werden möchte, findet weitere Informationen unter: www.kulturerbebayern.de


An vielen Orten stehen Baudenkmäler leer. Der Staat, die Gemeinden, Kirchen und Privatpersonen sowie Vereine und Einrichtungen engagieren sich zwar, doch die Kräfte reichen oft nicht aus, machte der Vorsitzende von Kulturerbe Bayern, Dr. Johannes Haslauer, deutlich. "Wo Mittel und Möglichkeiten fehlen, gehen durch Abbruch und unsensible Nutzungen echte Schätze verloren", betonte er.

Der Landeshistoriker und Archivar ist in Coburg kein Unbekannter, denn Haslauer leitete von 2013 bis 2016 das Staatsarchiv Coburg. Seit 2017 ist er stellvertretender Leiter des Staatsarchivs in Bamberg. Im Gespräch mit Heiner Gremer, Oberfranken-Korrespondent des Bayerischen Rundfunks, der die Auftaktveranstaltung am Samstag in der kleinen Pakethalle am Güterbahnhof in Coburg moderierte, erklärte Haslauer die Ziele und Aufgaben des Vereins: "Ich war wirklich betroffen zu sehen, wie viele Zeugen unseres kulturellen Erbes brachliegen oder verfallen. Deshalb wollen wir das Engagement fördern und suchen nach tatkräftigen Bürgerinnen und Bürgern, die sich selbst um solche Gebäude kümmern oder als Spender für deren Erhaltung auftreten". Grundlage dafür sei ein Modell, das auf Selbstinitiative basiere.

Johannes Haslauer erwähnte auch den Verein Stadtbild Coburg. Die Initiative setzt sich schon seit 1973 in der Vestestadt für Denkmals- und Stadtbildpflege sowie eine nachhaltige Stadtplanung und -gestaltung ein. "Diese Beispiele machen uns Mut, dass so eine Idee auch überregional funktionieren kann", so der Vorsitzende. Prof. Auwi Stübbe vom Coburger Designforum Oberfranken und Stephan Horn, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Coburg, berichteten über die Entwicklungsgeschichte der Pakethalle als Industriedenkmal am Güterbahnhof. "Wir mussten anfangs die Leute erst für das verfallene Gebäude begeistern", erinnerte sich der ehemalige Hochschulprofessor. Seit einigen Jahren würden in dem Gebäude die Coburger Designtage, Feste oder Konzerte veranstaltet.

Menschen in ganz Bayern, die auch Kulturschätze in ihrem Ort vor dem Verschwinden bewahren wollen, können sich zukünftig Unterstützung bei "Kulturerbe Bayern" holen. Der Verein steht beratend mit ehrenamtlichen Fachleuten zur Seite oder stellt sein Netzwerk zur Verfügung. Erhaltenswerte historische Grundstücke und Liegenschaften werden in dauerhaftes Eigentum übernommen - besonders Objekte, bei denen schon andere Rettungsver-suche gescheitert sind. Im Mittelpunkt steht immer eine lebendige, nachhaltige Nutzung des Gebäudes, deshalb würden mit Hilfe des Vereins passende Nutzungskonzepte erstellt. So könne zum Beispiel aus einem ehemaligen Wirtshaus, ein neues Gemeindezentrum für alle Dorfbewohner werden. Dabei versucht der Verein stets an überlieferte Nutzungen anzuknüpfen. Auf diese Weise entstehen neue Möglichkeiten zum Wohnen, zum Ferienmachen, zum Genießen, Lernen, Helfen, Aufwachsen oder Altwerden.

Kulturerbe Bayern stellte sich im Laufe des Jahres in allen Regierungsbezirken vor. Wichtigstes Ziel ist die Gründung einer Stiftung im November dieses Jahres. Sie soll die Finanzierung von Vorhaben erleichtern und langfristig sichern.

Autor

Iris Kroon-Lothes
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Veröffentlicht am:
28. 10. 2018
16:32 Uhr

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Iris Kroon-Lothes

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28. 10. 2018
16:32 Uhr



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