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Coburg

Die Sorge bleibt

Coburgs Landwirte atmen auf. Nach dem trockenen April bringt der Mai endlich Regen. Trotz dieser Erleichterung bleibt die Lage aber für viele Bauern angespannt.



Schäfer und Gärtner Dietrich Pax verkleinert aus Furcht vor einem weiteren Hitzesommer heuer seine Herde.	Foto: Andreas Wolfger
Schäfer und Gärtner Dietrich Pax verkleinert aus Furcht vor einem weiteren Hitzesommer heuer seine Herde. Foto: Andreas Wolfger  

Coburg - Nahezu kein Regentropfen für vier Monate - dafür andauernd glühend heiße Temperaturen. Auch im Landkreis Coburg haben Landwirte und Natur stark unter dem Hitzesommer 2018 gelitten. Als dieses Frühjahr wieder trocken begann, fürchteten viele ein Déjà-vu. Zwar hat es in der vergangenen Woche geregnet, doch den Landwirten ist noch immer nicht zum Jubeln zumute. Die Schäden des vergangenen Jahres bereiten ihnen weiterhin
große Sorgen.

Neue Sorten

Laut sächsischem Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie setzen die Landwirte im Osten auf neue Sorten. Derzeit gebe es erste Anbauversuche mit Soja oder Sorghum, einer Hirsepflanze aus Afrika.

 

Auch alte Sorten erleben in Sachsen eine Renaissance. Etwa die Futterpflanze Luzerne, die auch als Alfalfa oder Schneckenklee bekannt ist und mit ihren besonders tief reichenden Wurzeln der Trockenheit trotzt.

 

Klassische Pflanzen wie Weizen, Kartoffeln, Mais und Rüben werden jedoch nicht verdrängt. Manche Sorten werden etwa früher reif und können so Klimaveränderungen besser überstehen.

 

Coburgs Landwirte setzen 2019 auf Mais. "Beim Soja fehlen uns noch die richtigen Sorten", sagt Martin Flohrschütz.

 

"Euphorie ist bei uns noch nicht ausgebrochen. Aber die Stimmung ist mittlerweile deutlich besser", berichtet Martin Flohrschütz, Kreisobmann der Coburger Landwirte. Dank des Regens wachse zumindest das Gras gut. Einige Landwirte hätten bereits ihren zweiten Schnitt hinter sich gebracht. Auch für den Mais sei das aktuelle Wetter optimal. "2019 wirkt im Prinzip wie ein typisches Maisjahr", erklärt Flohrschütz. So könnten die Bauern zumindest Futtermittelvorräte wieder aufstocken.

 

"Heuer dreht sich für uns alles ums Futter", betont Stefan Angermüller aus Großheirath. Normalerweise müssten die Reserven im Mai noch reichen, um das Vieh bis zum darauffolgenden Herbst durchzufüttern. Seine Speicher seien aber bereits jetzt nahezu leer gefegt. "Eigentlich schiebt jeder einen gewissen Vorrat vor sich her", erklärt der Viehwirt. Das sei in diesem Jahr aber kaum möglich, und er könne nirgendwo Futter kaufen, denn der Markt sei ebenfalls leer. "Beim Mais fehlen mir aktuell Vorräte für gut vier Monate", berichtet Angermüller. Beim Grasschnitt sei es sogar fast ein halbes Jahr. "Wir nutzen jede Gelegenheit, um neue Vorräte anzulegen", erklärt der Milchviehhalter. Der Regen in der vergangenen Woche habe dabei zwar geholfen, entspannt ist die Lage aus seiner Sicht aber noch lange nicht. Es müsse weiterhin regnen, damit er eine ausreichend große Reserve anlegen könne. Sonst werde es schwer für ihn, seine 130 Kühe durch den kommenden Winter zu bringen.

"Wir werden langfristig die Zahl unserer Tiere reduzieren müssen", erklärt Dietrich Pax, Geschäftsführer des Gärtnerhofs Callenberg in Coburg. Seine Schafe litten sehr unter dem Hitzesommer 2018 - dabei gilt gerade ihre Rasse, der Coburger Fuchs, als ausgesprochen genügsam und robust. Trotzdem kamen viele seiner Tiere im vergangenen Jahr geschwächt ins Winterlager. "Das Gras war im Sommer teilweise bereits auf der Wiese trocken wie Heu", erklärt Pax. Nicht nahrhaft genug, um seine ganze Herde zu ernähren. "Aus meiner Sicht müssen wir uns darauf einstellen, dass bei uns nur noch extensive Weidewirtschaft möglich ist", erklärt er.

"Den Großteil unserer Einnahmen machen wir zum Glück mit der Gärtnerei." Aber auch hier habe er 2018 knapp 30 Prozent Verlust hinnehmen müssen. "Die Hitze und der Ostwind haben unsere Sommerkulturen trotz Bewässerung vertrocknen lassen", erzählt Pax. Man könne zwar versuchen, darauf mit hitzeresistenteren Salat- und Gemüsearten zu reagieren - etwa dem in Italien beliebten Romana-Salat. "2017 hatten wir aber einen vollkommen verregneten Sommer. Da sind uns die Pflanzen auf dem Feld ertrunken", berichtet der Gärtner. Das Bedrohliche am Klimawandel sei aus Sicht der Landwirte nicht, dass das Wetter wärmer werde, sondern seine stetig zunehmende Unberechenbarkeit.

"Unser größtes Problem ist aktuell aber der niedrige Grundwasserspiegel", erklärt Pax. Dieser sei auch nach den Regenfällen der vergangenen Woche noch nicht wieder auf einen annehmbaren Pegel angestiegen. "Letztes Jahr hatten wir nur etwa 300 Liter Niederschlag in Coburg. Normal sind um die 600 Liter", berichtet Pax. Allein um dieses Defizit auszugleichen, bräuchte es einige regenreiche Monate. Bisher habe es aber gerade einmal 70 Liter geregnet.

Auch Martin Flohrschütz sieht den dramatisch niedrigen Grundwasserspiegel als Gefahr, warnt aber auch davor, sich im Gegenzug Dauerregen herbeizusehnen: "Regentage müssen sich mit Sonnentagen abwechseln." Sonst ließen die Pflanzen lediglich nährstoffarme Wassertriebe sprießen. Bei zu starkem Regen könne das Wasser zudem nicht schnell genug im Boden versickern, sodass es zu Überflutungen komme. "Dann besteht die Gefahr, dass der Boden und die Saat wegschwemmt werden", betont Flohrschütz.

Der ausbleibende Regen und der niedrige Grundwasserstand schaden übrigens nicht nur der Landwirtschaft. Auch der deutsche Wald leidet noch immer unter dem vergangenen Hitzesommer. "Die geschwächten Bäume locken Schädlinge wie den Borkenkäfer an", erklärt Flohrschütz. Besonders gefährdet sei dadurch die Fichte - der Brotbaum der deutschen Forstwirte.

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Andreas Wolfger
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Veröffentlicht am:
14. 05. 2019
17:20 Uhr

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Andreas Wolfger

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14. 05. 2019
17:20 Uhr



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