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Coburg

Dreifaches Babyglück bei Adebars

Erstmals hat sich im Sonnefelder Unterdorf ein Storchenpaar angesiedelt. Und Nachwuchs bekommen. Jetzt hofft man auf eine Fortsetzung.



Drei Jungtiere versorgt das Storchenpaar, das auf einem stillgelegten Schlot im Sonneberger Unterdorf einen Horst gebaut hat. Bald dürften die Kleinen groß genug sein, um über den Rand des Nestes zu lugen. Foto: Kemnitzer
Drei Jungtiere versorgt das Storchenpaar, das auf einem stillgelegten Schlot im Sonneberger Unterdorf einen Horst gebaut hat. Bald dürften die Kleinen groß genug sein, um über den Rand des Nestes zu lugen. Foto: Kemnitzer  

Sonnefeld - Schon vor acht Jahren hatte Wilhelm Bauer einen Storch beobachtet, der sich augenscheinlich für ein Plätzchen in Sonnefeld interessierte. Deshalb spendierte er damals Herbert Kunick ein altes Wagenrad aus Holz, um es auf dessen Grundstück als Nisthilfe auf einem stillgelegten Schlot aufzubringen.

Sechs weitere Jahre schaute Adebar zwar sporadisch vorbei, machte sich aber nicht die Mühe, die Nisthilfe in Beschlag zu nehmen. Vor zwei Jahren aber, als eine Tochter der Kunicks drei Wochen vor dem Entbindungstermin ihres Kindes war, stand der Storch plötzlich wieder auf dem Schlot. "An diesem Tag wurde die Geburt eingeleitet", erzählt Herbert Kunick. Als seine Frau Heidi am nächsten Tag zum Schlot hinaufschaute, war Adebar erneut dort zu sehen und die Tochter der Nachbarin brachte einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin an diesem Tag ebenfalls ihr Kind zur Welt.

Seitdem wurde der Weißstorch im Sonnefelder Unterdorf allerdings nicht mehr gesehen. Ob es daran lag, dass Adebar, der ja der Legende nach die Babys bringt, mit den beiden Geburten seinen Job als erledigt ansah oder ob er andere Gründe für sein Fernbleiben hatte, wird man wohl nie erfahren. Fakt ist jedoch, dass sich heuer im April wieder ein Weißstorch im Sonnefelder Unterdorf zeigte, als im Itzgrund schon die ersten seiner Artgenossen mit dem Brüten begonnen hatten.

Daraufhin setzte sich Herbert Kunick mit dem Storchenbeauftragen Hans Schönecker vom Landesbund für Vogelschutz in Verbindung, um eine Ansiedlung zu fördern. Das Wagenrad wurde vom Schlot genommen. Stattdessen schnitt man eine Holzpalette zurecht und brachte sie auf dem Schlot an, ebenso Nistmaterial. "Als wir fertig waren, sahen wir keinen Storch mehr und haben eigentlich auch für heuer das Thema abgehakt", erzählt der Landwirt. Plötzlich zeigte doch noch ein Storchenmännchen Interesse und fing an, den Nistplatz zu einem Horst auszubauen. Zwischenzeitlich sind er und seine Partnerin heimisch geworden und legten den Grundstock für Nachwuchs. Insgesamt vier Eier bebrütete das Pärchen. Ab 25. Mai schlüpften im zweitägigen Rhythmus drei Storchenbabys, die jetzt ihre Eltern gehörig fordern. Um schnell kräftig zu werden, verlangen sie mehr und mehr Futter, welches wohl auf den nahen Wiesen, dem kleinen Bach und den nicht allzu weit entfernten Teichen gesammelt wird, wenngleich die Futterlage im Umgriff nicht optimal ist. Allerdings stehen neben Insekten, Schlangen, Lurchen und Co auch Mäuse auf dem Speiseplan, die es heuer in größerer Population gibt.

Den ganzen Tag über wechseln sich die Eltern mit der Nahrungssuche im Umkreis von rund drei Kilometern und der Zeit auf dem Nest ab, um die drei hungrigen Schnäbel zu füllen und den Nachwuchs zu behüten. Und es kamen weitere Interessenten für den Horst, der zwar nicht zu den höchsten zählt, aber einen 360-Grad-Rundumblick bietet, sodass die Bewohner mögliche Angreifer schon von weitem ausmachen können. Andere Störche versuchten mit Scheinangriffen, das Pärchen einzuschüchtern. Auch Nilgänse schauten sich die Nistmöglichkeit näher an, ließen jedoch schnell wieder von ihrem Vorhaben ab, als sie merkten, dass sie keine Chance auf feindliche Übernahme haben.

In wenigen Tagen werden die drei Storchenküken so groß sein, dass sie über den Rand des Horstes schauen können. Dann wird sie Hans Schönecker beringen. "Die Chancen stehen nicht schlecht, dass das Pärchen im nächsten Jahr wiederkommt", sagt der Experte. Er hofft, dass auch im Sonnefelder Ortsteil Hassenberg der Nachwuchs geschlüpft und wohlauf ist. Dort hat sich vor einigen Wochen ebenfalls ein Weißstorchpärchen auf dem alten Schloss niedergelassen und mit dem Brüten begonnen. In Weidhausen wurden ebenfalls Störche gesichtet. Im Ortsteil Trübenbach wurde eine Nisthilfe errichtet. Probehalber übernachtete dort einer der Vögel. Im Coburger Raum gibt es derzeit zehn Störche. Dennoch können sich in der Region durchaus weitere Adebare niederlassen, sagt der Storchenbeauftragte. Er begrüßt es deshalb, wenn weitere Nistmöglichkeiten für diese imposanten Zugvögel geschaffen werden.

Lesen Sie dazu: Kinderzimmer mit Vesteblick >>>

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Alexandra Kemnitzer
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Veröffentlicht am:
07. 06. 2020
15:46 Uhr

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Alexandra Kemnitzer

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07. 06. 2020
15:46 Uhr



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