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Coburg

Dreimal so heftig wie in Woodstock

Cannabis ist die beliebteste illegale Droge Bayerns. Eine Legalisierung hält der Präventionsbeamte der Coburger Polizei für gefährlich. Und er hat gute Argumente dafür.



Eine Cannabis-Konsumentin zieht an einem Joint. Allein im Raum Oberfranken wurden im vergangenen Jahr etwa 73 kg an illegalen Cannabisprodukten von Beamten der Polizei sichergestellt.	Symvolbild: Torsten Leukert (dpa Archiv)
Eine Cannabis-Konsumentin zieht an einem Joint. Allein im Raum Oberfranken wurden im vergangenen Jahr etwa 73 kg an illegalen Cannabisprodukten von Beamten der Polizei sichergestellt. Symvolbild: Torsten Leukert (dpa Archiv)  

Coburg - Seit etwa zwei Jahren besucht Kriminaloberkommissar Matthias Lange Schulen und Betriebe in Coburg, Kronach und Lichtenfels, um Jugendliche, Eltern und Lehrer über Drogen aufzuklären. Allein heuer hielt er bereits über 100 Vorträge zu dem Thema - das nicht an Brisanz verliert. Auch, weil die Zahl Rauschgift- und Beschaffungsdelikte in Bayern 2018 um ganze acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen hat. In Oberfranken stellte die Polizei ebenfalls eine Steigerung fest - wenngleich die Zunahme im Bereich Drogenkriminalität hier lediglich 1,8 Prozent beträgt.

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"Auffällig ist im Bereich Oberfranken vor allem Methamphetamin - auch bekannt als Crystal Meth", sagt Lange. Hiervon habe die Polizei in ganz Bayern im vergangenen Jahr etwa sechs Kilogramm in Beschlag nehmen können. Etwas über 2,5 davon seien allein in Oberfranken gefunden worden. "Das liegt an der Grenznähe zu Tschechien", erklärt der Polizist. Die bekäme auch der Landkreis Coburg noch zu spüren. Neben Crystal Meth beschäftigt vorallem Cannabis (auch bekannt als Hanf) die Beamten im Freistaat. Mehr als 34 000 Delikte hätten alleine im Jahr 2018 mit der Droge in Verbindung gestanden. "Viele betrachten den Konsum von Cannabis als Kavaliersdelikt", sagt Lange. Das erlebe er oft, wenn er Schulen besuche.

 

"Seit langem gibt es in Deutschland ja auch einen lebhaften politischen Diskurs über die Legalisierung von Hanf", berichtet Lange. Das Problem bei dieser Debatte sei, dass die Verbotsseite in der Regel jedoch sehr schlecht argumentiere. "Das Argument ,Das haben wir schon immer so gemacht’ zieht nicht, wenn man ernsthaft über die Legalisierung von Drogen diskutieren will", berichtet der Polizist. Dabei gebe es gute Gründe für ein Verbot.

"Cannabis an sich ist nichts neues", sagt Lange. Es sei bekannt, dass bereits seit 3000 bis 4000 Jahren Menschen Hanf nutzen. Auch in Oberfranken hätten Bauern die Pflanze früher auf unterschiedliche Weise verarbeitet. "Was da konsumiert wurde hat aber nichts mit modernen Cannabisprodukten zu tun", sagt Lange. Hanf hat zahlreiche Inhaltsstoffe. Einer der wichtigsten - zumindestens aus medizinischer Sicht - ist Tetrahydrocannabinol (THC). Die psychoaktive Substanz, die Cannabis zum Rauschmittel macht und im Verdacht steht psychotische Störungen bei Langzeitnutzern zu begünstigen. "Noch zu Zeiten von Woodstock waren im Cannabis zwischen sechs und zehn Prozent THC", berichtet der Polizist. Bei modernen Züchtungen befände sich der THC Gehalt hingegen inzwischen für gewöhnlich zwischen 15 und 30 Prozent. "2017 haben wir in Coburg eine Cannabis-Charge beschlagnahmt, die hatte einen THC-Gehalt von etwa 49 Prozent", erklärt er. Dieses Hanf sei definitiv keine weiche Droge und auch kein harmloses Naturprodukt mehr, sondern vergleichbar mit illegalen Kräutermischungen. Zudem seien inzwischen auch Extrakte mit über 80 Prozent THC-Gehalt zu bekommen. "Da wird es definitiv gefährlich", betont Lange. Eine Legalisierung würde der Polizei ihren Kampf gegen solche Produkte nur erschweren.

Autor

Andreas Wolfger
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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
16:28 Uhr

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Andreas Wolfger

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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
16:28 Uhr



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