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Coburg

Dürre, Käfer und jetzt auch noch Corona

Bäume müssen in Massen geschlagen werden, um zu retten, was noch zu retten ist. Doch der internationale Markt für Holz ist zusammengebrochen. Waldbesitzer bangen um ihre Existenz.



Trockenheit, Borkenkäfer, und der Zusammenbruch des Marktes für Holz: Bernd Lauterbach und Revierförster Wolfgang Weiß begutachten die Schäden in der Nähe der Rögener Hütte. Foto: Rosenbusch
Trockenheit, Borkenkäfer, und der Zusammenbruch des Marktes für Holz: Bernd Lauterbach und Revierförster Wolfgang Weiß begutachten die Schäden in der Nähe der Rögener Hütte. Foto: Rosenbusch  

Rögen/Hassenberg - Dass etwa Dienstleister und Läden derzeit unter der Corona-Krise zu leiden haben ist in aller Munde. Weitgehend unbemerkt befindet sich jedoch noch eine Branche in arger Schieflage: die Holzwirtschaft. "Die internationale Nachfrage ist zusammengebrochen", schildert Bernd Lauterbach, Landesvorsitzender des Bund Deutscher Forstleute und Revierleiter in Hassenberg. Vor allem Buchen und Kiefern würden sonst in großen Mengen nach Asien und den nahen Osten exportiert -- doch seit Wochen fahren keine Schiffe mehr. "Wir können nichts exportieren", bedauert er. Das wirke sich massiv auf den Holzmarkt aus.

Und der ist ohnehin derzeit überschwemmt von Holz, das wegen der anhaltenden Trockenheit und dem Befall mit Schädlingen geschlagen werden musste. Das wiederum macht sich im Preis bemerkbar. Lag dieser für Fichtenholz bisher bei rund 100 Euro pro Festmeter, sind jetzt nur noch 30 Euro zu erzielen. "Wir haben Preisabschläge von 50 bis 70 Prozent, und das bei erhöhten Kosten", führt Lauterbach aus. Denn wegen des anhaltenden Wassermangels vertrocknen viele Bäume und müssen gefällt werden. Weil die Bäume sehr geschwächt sind, können sie Schädlinge nicht mehr durch eine dicke Harzschicht abhalten. Borkenkäfer und Co haben leichtes Spiel. Zudem kommen den Tieren die vielen warmen Tage entgegen, sie können sich vortrefflich vermehren.

"Die Kosten steigen, wir müssen ständig auf der ganzen Fläche unterwegs sein und Zwangseinschläge vornehmen", so Lauterbach. Diese kahlen Flächen wiederum müssen rasch neu bepflanzt werden, ehe unerwünschte andere Pflanzen sich dort breit machen - was weitere Kosten und Pflegeaufwand mit sich bringt. Kommt ein später Frost wie in den vergangenen Nächten, erfrieren die zarten Setzlinge und die Arbeit beginnt von vorne.

Zwar gibt es groß angelegte, millionenschwere Förderprogramme auf Landes- und Bundesebene. Doch auch diese Mittel müssen erstmal beantragt und die Flächen dann besichtigt werden, ehe das Geld fließen kann. "Mittlere und große Privatbetriebe leben vom Holzgeschäft, die schauen jetzt natürlich schon, wo sie einsparen können", weiß Lauterbach. Und oft sei das Personal die erste Lösung. "Das ist kontraproduktiv, denn gerade jetzt brauchen wir mehr Personal, weil der Wald wegen des Klimawandels umgebaut werden muss und um beim Borkenkäfer schnell handlungsfähig zu sein." Außerdem seien Schäden vom Sturm Friderike im Januar 2018 und vom Sturm Sabine aus diesem Jahr noch nicht ganz aufgearbeitet.

Auch Wolfgang Weiß, Revierleiter in Coburg-Rögen, ist derzeit wegen der Schädlingsplage sehr eingespannt. "Es ist das dritte Trockenjahr in Folge, die Niederschläge der vergangenen Tage täuschen darüber hinweg", sagt er. Der Regen sei jedoch nur in die oberen Bodenschichten eingedrungen. Mittlere und niedere Schichten, wo die Bäume ihre Wurzeln haben, blieben hingegen trocken. "Viele Bäume haben sich im vergangenen Jahr gerade so in den Winter gerettet, bei den Fichten erkennt man das an den graugrünen Nadeln", schildert Weiß. Zu viel gefälltes Holz trifft in der nun auf ein Absacken der Nachfrage. "Der Markt liegt darnieder", sagt Weiß deutlich. Die Lager sind voll, das Baugewerbe liege wegen der Corona-Krise brach. "Ich erlebe es in meinen knapp 30 Jahren als Revierleiter zum ersten Mal, dass die Waldbesitzervereinigung sagt, sie kann das Holz nicht verkaufen." Die Vereinigung kümmert sich im Auftrag der Besitzer um die Vermarktung des geschlagenen Holzes. Nun sind die Lager voll, viele Waldbesitzer versuchen, durch ein zurückhalten der Bäume und einen späteren Verkauf einen besseren Preis zu erzielen. Doch dann müssen die Mehrkosten, die das Lagern verursacht hat, ebenfalls eingenommen werden. Auch die Aufarbeitungskosten sind gestiegen. Die Unternehmen, die für die Waldbesitzer Bäume fällen und für den Abtransport an die Wege rücken, haben gut zu tun. 25 Euro pro Festmeter müssten nun bezahlt werden, bei schwierigen Lagen auch deutlich mehr. Zeitgleich zahlen manche Sägewerke nur noch 28 Euro pro Festmeter Holz. Da bleibe kaum ein Gewinn übrig.

In seiner Funktion als Revierleiter kümmert sich Wolfgang Weiß auch um die Bearbeitung von Förderanträgen. Waren es sonst etwa 30 pro Jahr hatte er allein bis Mitte Mai heuer bereits 36 Hilfegesuche. Meist geht es um die Insektizid freie Bewältigung von Schädlingsbefall. "Da stehen Existenzen auf dem Spiel, Waldbesitzer, die von ihrem Wald leben, legen derzeit drauf."

Um der Misere langfristig zu begegnen, müssen die Wälder umgebaut werden. "Wir müssen Arten pflanzen, die besser mit Trockenheit und Hitze klar kommen", sagt Wolfgang Weiß. Dabei sei eine gute Mischung wichtig und auch ein offenes Auge für neue Arten. Kirschen oder Douglasien etwa haben sich bewährt, auch die Libanon-Zeder sei robust gegenüber Hitze und Frost. Ergänzend zum Waldumbau fordert Weiß eine stärkere Bejagung des Wildes. So könnte der Verbiss der auf natürliche Weise nachwachsenden Eichen oder Hainbuchen verringert und die Durchmischung des Waldes ohne großen Arbeitsaufwand erhöht werden.

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Bloß nicht noch ein Rekordsommer!

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Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
15. 05. 2020
00:00 Uhr

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Christiane Schult

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15. 05. 2020
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