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Coburg

Ehefrau erstochen: 35-Jähriger muss elf Jahre ins Gefängnis

Streit ums Geld und die Kinder, extreme Eifersucht: Ein Funke genügte, um die Katastrophe auszulösen. Das Gericht kann keine Tat im Affekt erkennen.



35-Jähriger muss elf Jahre ins Gefängnis
35-Jähriger muss elf Jahre ins Gefängnis  

Coburg - Staatsanwalt Dr. Michael Koch nannte die Bluttat "das tragische und brutale Ende einer 15-jährigen Ehe". Mit 20 Messerstichen hatte im November vergangenen Jahres in Coburg ein 35-Jähriger seine Frau getötet. Die Schwurgerichtskammer des Coburger Landgerichts hat den geständigen Mann am Montag wegen Totschlags zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt.

Der Anklagevertreter wies zu Beginn seines Schlussvortrags darauf hin, dass nicht nur die Eltern mit dem Tod der Tochter zu leben hätten. Vielmehr hinterlasse das Opfer fünf mit dem Täter gemeinsame Kinder, die letztendlich jetzt ganz ohne Eltern dastünden. Zwar erkannte Dr. Koch an, dass sich der wie seine Frau aus der Türkei stammende 35-Jährige kurz nach der Tat der Polizei gestellt und ein Geständnis abgelegt habe. Allerdings habe er die zerrüttete Beziehung zu seiner Frau doch arg zu seinen Gunsten geschildert.

"Es gab häufig Streit in dieser Ehe", sah der Staatsanwalt als im Verfahren erwiesen an. Immer wieder drehten sich die jahrelangen Auseinandersetzungen um dieselben Themen: Geld, die Kinder und in zunehmenden Maß extreme Eifersucht des Angeklagten. Ab 2017 sei der "Rosenkrieg" mehr und mehr eskaliert. Elf Anzeigen hatte die Frau gegen ihren Mann erstattet. Wieder und wieder habe die Polizei anrücken müssen, um Streit zwischen dem Paar zu schlichten. Dass sich seine Frau schließlich von ihm trennen wollte, habe der 35-Jährige nicht akzeptiert. Vielmehr habe er sie bis zum Schloss "engmaschig kontrollieren" wollen.

Indizien sprächen dafür, dass der Angeklagte im Zuge eines heftigen Streits mit seiner Frau in deren Wohnung im Stadtteil Wüstenahorn ein Messer von der Küchendiele genommen habe. Dann habe er heftig auf das Opfer eingestochen, so heftig, dass einer der Stiche sogar das in der Jacke des Opfers befindliche Handy zerstörte. Wie ein Gerichtsmediziner während des Prozesses festgestellt hatte, waren allein 15 der 20 Stiche potenziell tödlich. Die Frau war an den Wunden verblutet.

War das Mord? Das Gericht kam ebenso wie der Staatsanwalt nicht zu diesem Schluss. "Wir haben keine Hinweise auf eine geplante Tat", erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Christoph Gillot. Mordmerkmale wie ein heimtückisches Vorgehen lägen nicht vor. Vielmehr habe sich der Streit zwischen den Eheleuten immer mehr hochgeschaukelt, so, dass letztendlich ein Funken genügt habe, um eine Katastrophe auszulösen. Welcher Natur genau dieser Auslöser gewesen ist, darüber lässt sich nach den Worten des Richters keine endgültige Aussage machen. Im Verfahren habe es jedoch Hinweise gegeben, dass es um die Kinder gegangen sein könnte. Berichte von Zeugen deuteten darauf hin, dass die Getötete ihre Kinder über alles geliebt habe. Gleiches habe der Angeklagte für sich reklamiert. Dass der 35-Jährige hingegen völlig außer sich, also im Affekt gehandelt habe, verneinte die Kammer ebenso. "Es besteht kein Zweifel, dass er im Moment der Tat die Absicht hatte, seine Frau zu töten", betonte Gillot.

Mit der Verurteilung zu elf Jahren Gefängnis blieb die Kammer nur wenig unter dem von der Anklage beantragten Strafmaß von 13 Jahren. Verteidiger Oskar Steiger plädierte dagegen auf Körperverletzung mit Todesfolge. Er meinte, dass sein Mandant doch in einem "Affektzustand" zugestochen habe, stellte den Tötungsvorsatz somit in Frage. Sein Antrag: eine sechseinhalbjährige Haftstrafe. Die Höchststrafe habe der Mann schon auf einer anderen Ebene bekommen: "Es wird der Tag kommen, an dem er die Tat seinen Kindern erklären muss."

Autor

Mathias Mathes
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Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
18:02 Uhr

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Autor

Mathias Mathes

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Veröffentlicht am:
08. 07. 2019
18:02 Uhr



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