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Coburg

Eidt kritisiert Denkmalschützer

Seit mehr als fünf Jahren kann die sogenannte Schricker-Villa nicht erneuert werden. Dem Stadtrat sind Auflagen und Kosten zu hoch. Nun gibt es neue Kritik.



Erneuerungbedarf: Das Gebäude auf dem Areal der Rückert-Mittelschule müsste saniert werden. Bisher scheiterte das an den Kosten.	Foto: Yannick Seiler
Erneuerungbedarf: Das Gebäude auf dem Areal der Rückert-Mittelschule müsste saniert werden. Bisher scheiterte das an den Kosten. Foto: Yannick Seiler   » zu den Bildern

Coburg - Nur eine Bauruine ist von der sogenannten Schricker-Villa übrig geblieben. Ein Streit zwischen dem Bau- und Umweltsenat und dem Denkmalschutzamt lassen keine weiteren Bauarbeiten zu - seit mehr als fünf Jahren. Nun sagt Hans-Heinrich Eidt, Vorsitzender von Stadtbild Coburg und FDP-Stadtrat, dass ihm von verschiedenen Seiten vorgeworfen wird, die Erneuerung des Hauses dauere zu lange. "Die Villa gehört der Stadt Coburg. Sie muss sich um die Sanierung kümmern", sagt Eidt auf Nachfrage der Neuen Presse .

Streitobjekt Schricker-Villa

Die sogenannte Schricker Villa auf dem Gelände der Rückert-Schule in der Löwenstraße sollte bereits 2014 saniert werden. Der Bau- und Umweltsenat entschied sich damals aber dagegen. Nach einer Besichtigung des Areals waren sich die Mitglieder einig, dass es sich Coburg nicht leisten könne, für eine einzige Fassadensanierung die immensen Kosten auf sich zu nehmen. Grund: Bis zu 310 000 Euro hätte die Stadt für eine Erneuerung nach den Vorgaben der Denkmalschutzbehörde bezahlen müssen.

Ursprünglich hatten die Mitglieder 73 000 Euro für die Sanierung des 1883 im Jugendstil als Wohnhaus erbauten Gebäudes veranschlagt. Das Denkmalschutzamt forderte eine originalgetreue Erneuerung. Neben der Bibliothek sollte dort auch die Verwaltung der Rückertschule untergebracht werden. 2016 sagte Baubürgermeisterin Birgit Weber, dass man aktuell nur den weiteren Verfall des Gebäudes verhindere. Ein Beginn der Sanierung stand damals nicht fest.


In einem Schreiben an Baubürgermeisterin Birgit Weber (CSU), das der NP vorliegt, bittet Eidt um Mitteilung, was mit dem Gebäude geschehen soll. Er fragt Weber, ob das Haus weiter renoviert werden soll und wann damit zu rechnen sei. "Um Ihnen bei diesen Überlegungen behilflich zu sein, darf ich Ihnen zwei mögliche Alternativen vorstellen", schreibt der Stadtrat weiter.

Laut Eidt ist die Nord- und die Südseite des Gebäudes noch fast in einem Zustand, wie im 19. Jahrhundert. Die Westseite zur Itz hin sei noch zur Hälfte im ursprünglichen Zustand. Deswegen schlägt Eidt in seinem Schreiben vor, die Ostseite zu verputzen. Eidt nennt die Fläche "zerstört". Die Rahmen um die Fenster könnten herausgearbeitet oder aufgemalt werden. Der Türbogen aus Sandstein könnte fertig gestellt werden. Die restliche Wand soll laut Eidt so belassen werden, wie sie durch " die harten zerstörerischen Eingriffe stehen geblieben ist". Mit der Westseite könne ähnlich verfahren werden. Die Nord- und die Südseite mit ihren vollständig vorhandenen Wandteilen und Fenstern sollten umfassend erneuert werden. Der Aufwand für seinen Vorschlag wäre geringer als die geplante Erneuerung der völlig zerstörten Wandfläche, sagt Eidt. Dadurch könnten die noch vorhandenen, aber vom Putz verschmutzten Backsteinwände an der Ost- und der Westseite der Villa überarbeitet werden. Späteren Generationen hätten somit immer noch die Möglichkeit die darunter liegenden Backsteine wiederzuentdecken und freizulegen.

In seinem Schreiben an Weber bittet Eidt, die Vorschläge zu prüfen, um den "Schandfleck im Coburger Stadtbild" zu beseitigen - auch damit die Schulbibliothek dort bald einziehen könne. Seine Überlegungen seien auch vom Lehrstuhl für Denkmalpflege der Universität Bamberg gedeckt. Das hätten ihm Studenten und ein Professor bestätigt. Er schlägt vor, dass Architekturstudenten und Auszubildende im Bauhandwerk an der Erneuerung des Gebäudes mitarbeiten.

Die Forderungen der Denkmalschutzbehörde hält er für übertrieben. Diese sehen laut Eidt vor, dass ursprüngliche Ziegelflächen großflächig wieder erneuert werden. Sie müssten aufwendig gereinigt und rekonstruiert werden, wenn unter der Putzschicht dort noch Backsteine vorhanden seien. Die Flächen seien wieder sichtbar, da Anbauten an dieser Stelle abgerissen wurden.

Die Kriterien für die Erneuerung der Villa und die hohen Kosten hatten schon einmal die Renovierung des Hauses verhindert: Der Bau- und Umweltsenat lehnte das Vorhaben ab ( siehe Infokasten ). "Soweit ich weiß, scheiterte die Fortführung an den immensen Kosten", sagt Eidt. Besonders die Erneuerung der Seite des Haupteingangs wäre teuer gewesen. Denn dort hätte die im Wesentlichen nicht mehr vorhandene Ziegelwand wiederhergestellt werden sollen. Sein Fazit: "Es wird ein Flickwerk bleiben."

Dem widerspricht das Hochbauamt. Wie Stadt-Pressesprecher David Schmitt auf Anfrage mitteilte, sei und bleibe die Schricker-Villa "wichtiger und notwendiger Baustein" zur Umsetzung des Raumprogramms an der Rückert-Schule. Die Sanierung solle im Zuge des zweiten Bauabschnitts realisiert werden. Ziel sei es, im September kommenden Jahres die Förderanträge bei der Regierung von Oberfranken, der Oberfranken- und Bayerischen Landesstiftung sowie beim Landesamt für Denkmalpflege zu stellen. Hat die Stadt dann genug Geld, sei mit den Sanierungsarbeiten frühestens im Jahr 2021 zu rechnen. Schmitt: "Wie üblich werden dem Bau- und Umweltsenat vor Antragstellung die notwendigen Planungsschritte zum 2. Bauabschnitt zur Beschlussfassung vorgelegt."

Der Umfang der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten zur Instandsetzung der Schricker-Villa sei Ende 2014 mit einer Referentin des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege bei mehreren Abstimmungsgesprächen und Ortsterminen weitestgehend geklärt worden. Es bestehe Einigkeit, den "gefälligen Ziegelbau von 1893 wieder in seiner ursprünglichen Kubatur zu präsentieren". Schmitt: "Die von Dr. Eidt formulierten Vorschläge zur künftigen Fassadensanierung sind bereits in den Planungen berücksichtigt."

Autor

Yannick Seiler
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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
15:48 Uhr

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Autor

Yannick Seiler

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Veröffentlicht am:
11. 10. 2019
15:48 Uhr



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