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Coburg

Ein Danke wäre auch mal nett!

Ein Theatergast fährt vor einer Woche eine Verkehrskadettin an und verletzt sie. Solche Fälle sind in Coburg zwar selten, doch nicht jeder am Steuer ist freundlich.



Verkehrskadetten sind in Coburg bei vielen Veranstaltungen im Einsatz. Foto: Archiv/Henning Rosenbusch
Verkehrskadetten sind in Coburg bei vielen Veranstaltungen im Einsatz. Foto: Archiv/Henning Rosenbusch  

Coburg - Vor rund einer Woche hat eine Gruppe Coburger Verkehrskadetten Theaterbesuchern auf dem Schlossplatz Parkplätze zugewiesen. Es war ein Einsatz wie unzählige Male vorher. Weil die Vorstellung gut besucht war, war der Parkplatz um 20 Uhr voll. Die Verkehrskadetten in der Zufahrt versuchten, die restlichen Fahrzeugführer zum Umkehren zu bewegen. Ein 81-jähriger Coburger wollte das nicht akzeptieren und schob mit seinem Auto langsam eine Verkehrskadettin aus dem Weg. Dann fuhr er auf den Schlossplatz, parkte und ging in die Theatervorstellung. Als er einige Stunden später wieder zu seinem Fahrzeug kam, wartete bereits die Polizei auf ihn.

Idee aus der Schweiz

Die Grundidee der Verkehrskadetten stammt aus der Schweiz. Seit 1972 gibt es die Ehrenamtlichen auch in Deutschland und seit 1998 in Coburg.

 

Die Verkehrskadetten (VKK) sind eine Jugendorganisation der Verkehrswacht. VKK sind jugendliche Verkehrshelfer im Alter zwischen 13 und 27 Jahren, die bei Veranstaltungen zur Unterstützung der Polizei oder des Veranstalters für die Sicherung des Verkehrs eingesetzt werden. Die Jugendlichen sind ehrenamtlich tätig. Quelle: Verkehrswacht Coburg

 

Als Jugendleiter Louis Münster kurz nach dem Zwischenfall davon hört, fährt er gleich in die Notaufnahme, wo die Verkehrskadettin behandelt wird. "Ihr Knie ist geschwollen, aber sie hat keine großen Verletzungen", berichtet er erleichtert eine Woche nach dem Vorfall und weist daraufhin, dass der Schlossplatz, wenn er voll mit Pkw besetzt ist, nicht aussieht, als sei er wirklich voll. "Dafür sind wir ja da, wir kümmern uns darum, dass die Fuß- und Rettungswege frei bleiben und niemand eingeparkt wird", so Münster. Für Außenstehende sei die Belegung schwer zu überblicken, weil keine fest eingezeichneten Parkplätze vorhanden sind.

 

Es sei das erste Mal während seiner 13-jährigen Dienstzeit, dass ein Autofahrer so massiv gegen einen Verkehrskadetten vorging. Die Grundaggressivität, die im normalen Leben vorhanden sei, mache sich auch in der Arbeit der Verkehrskadetten bemerkbar. So komme es mitunter durchaus zu verbalen Auseinandersetzungen. Beleidigungen seien aber selten. "Wenn ein Autofahrer uns ignoriert, dann geht es in erster Linie für uns um den Selbstschutz", erklärt Münster. Erst danach gelte es zu schauen, welche weiteren Schritte notwendig sind, wie etwa die Alarmierung der Polizei, wie bei dem Zwischenfall auf dem Schlossplatz.

Die Verkehrskadetten lernen während ihrer Ausbildung, freundlich und bestimmt mit den Autofahrern zu sprechen. Sie sind im Alter von 13 bis 27 Jahren und zu unterschiedlichsten Anlässen im Einsatz: Vorstellungen des Landestheaters, 150 pro Jahr, und jährlich 120 weitere Veranstaltungen vom HSC-Heimspiel bis zum Sambafestival und Faschingsumzug. Auch im ganzen Landkreis und darüber hinaus sind die Verkehrskadetten tätig, einmal im Jahr sichern sie die Strecke bei einem großen Radrennen in der Nähe von Frankfurt.

Regelmäßig finden Fortbildungen statt, in denen es auch um Konfliktbewältigung mit Autofahrern geht. Neu ausgebildete Kadetten sind zudem nicht alleine im Einsatz, sondern bekommen einen erfahrenen Kollegen zur Seite. Mit rund 70 Aktiven ist die Jugendgruppe sehr gut aufgestellt, freut sich Münster. Er vermutet, dass der starke Zulauf auch mit den vielen Freizeiten zusammenhängt, die die Verkehrskadetten jedes Jahr organisieren. Alle arbeiten rein ehrenamtlich. "Sie bekommen keinen Cent für ihren Einsatz", betont Münster, nicht mal eine kleine Aufwandsentschädigung, wie sie bei der Feuerwehr üblich ist.

Das gute Miteinander ist es auch, welches Antonia Duffek aus dem Landkreis Coburg bei den Verkehrskadetten hält. "Das ist nicht nur Freizeit, sondern eine Aufgabe, die man erfüllt", sagt sie. Seit drei Jahren engagiert sich die 16-Jährige und hat erlebt, dass "relativ oft" Autofahrer ausfallend oder beleidigend werden. Meist seien es ältere Menschen, die sich nicht an die Anweisungen der Verkehrskadetten halten wollen. "Wir lernen in der Ausbildung, auch dann ruhig zu bleiben und zu argumentieren", erklärt sie. Schließlich können die Verkehrskadetten nichts für die Situation, und darauf weisen sie auch hin. Unzufriedenen Fahrern raten sie dann, sich beim Veranstalter zu beschweren. Duffek bedauert den Vorfall auf dem Schlossplatz. "Ich habe aber deswegen jetzt keine Angst vor einem Einsatz." Sie ist zuversichtlich, das es ein Einzelfall war.

Autor
Christiane Schult

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Veröffentlicht am:
17. 05. 2019
17:18 Uhr

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17. 05. 2019
17:18 Uhr



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