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Ein Händchen fürs Business

Jennifer Trodler und Jennifer Mannagottera liegen im Unternehmensplanspiel der bayerischen an der Spitze. Jetzt kämpfen die Schülerinnen um das Finale.



Jennifer Mannagottera (2.v.l.) und Jennifer Trodler (rechts daneben) kämpfen am Wochenende um den Einzug ins Finale des Planspiels der bayerischen Wirtschaft. Sie müssen eine virtuelle Produktion für Fußbälle aufbauen. Die Klasse BVKSW der Berufsoberschule steht hinter den beiden.	Foto: Klüglein
Jennifer Mannagottera (2.v.l.) und Jennifer Trodler (rechts daneben) kämpfen am Wochenende um den Einzug ins Finale des Planspiels der bayerischen Wirtschaft. Sie müssen eine virtuelle Produktion für Fußbälle aufbauen. Die Klasse BVKSW der Berufsoberschule steht hinter den beiden. Foto: Klüglein  

Coburg - Im richtigen Leben müssten sich Jennifer Trodler (22) und Jennifer Mannagottera (21) jetzt keine Gedanken machen, wie sie ihren Sommerurlaub finanzieren. Die beiden jungen Damen haben mit dem Start-up-Unternehmen, das auf den etwas sperrigen Namen "JDG_3" hört, in nur sechs Wochen ihr Kapital von fünf auf zwölf Millionen Euro steigern können.

Leider ist die gutgehende Trekking-Rucksack-Produktion, die die beiden Schülerinnen der Berufsoberschule Coburg aufgezogen haben, nur virtuell. Genauer gesagt ist sie Bestandteil eines betriebswirtschaftlichen Onlineplanspiels, das das Bildungswerk der bayerischen Wirtschaft jährlich unter Gymnasiasten, Fachoberschülern und Schülern von Berufsoberschulen veranstaltet.

Mit etwas Glück kommen die beiden Jennifers dennoch zu einem tollen Urlaub. Die Gewinner des Planspiels dürfen nämlich auf Kosten der bayerischen Wirtschaft nach New York reisen. Die Schülerinnen der Regiomontanus-Schule haben es quasi schon bis in der Abflughalle geschafft, denn das von ihnen gemanagte Unternehmen "JDG_3" steht im Moment in ihrem Spielsegment als das erfolgreichste da. Am kommenden Wochenende werden sich Jennifer Trodler und Jennifer Mannagottera in Hersbruck mit den erfolgreichsten Teams aus denen anderen Segmenten messen. Dort entscheidet sich dann, wer am Finale teilnehmen darf, das schließlich im Juli in München ausgetragen wird.

Für die beiden Coburgerinnen stehen die Vorzeichen nicht schlecht. Die Planspiel-Teilnehmer der Regiomontanus-Berufsoberschule schneiden in der Regel ziemlich gut ab. "Im letzten Jahr haben wir die bayerischen Vizemeister gestellt", erinnert sich Josef Blaul, Wirtschaftslehrer an der BOS.

Und was muss man tun, um innerhalb kürzester Zeit sein Geschäftskapital zu verdoppeln? "Clever wirtschaften", erklärt Jennifer Trodler schmunzelnd. Zwar können die Trekking-Rucksäcke, die die beiden in den letzten Monaten hergestellt und in den Handel gebracht haben, nicht wirklich gekauft werden. Das Strategiespiel reagiert aber genauso wie der reale Markt auf die Instrumente der Unternehmenssteuerung, die die Managerinnen anwenden. So mussten sich die beiden Schülerinnen beispielsweise entscheiden, ob sie eine nach ökologischen Maßstäben ausgerichtete Herstellung aufziehen wollten, oder lieber eine Massenproduktion. Sie mussten die Qualitätsmerkmale der Rucksäcke festlegen, den Verkaufspreis kalkulieren, über das Marketing entscheiden und sich über das Image ihres Unternehmens Gedanken machen. "Wir haben uns beispielsweise für betriebliche Fortbildung unserer Mitarbeiter, die Ausbildung von Nachwuchskräften und ein innerbetriebliches Gesundheitsmanagement entschieden", erzählt Jennifer Mannagottera. Das hat dem Unternehmen der beiden soziales Ansehen und Sympathiepunkte bei den imaginären Kunden eingebracht - auch wenn dadurch die Stückkosten der Rucksäcke leicht gestiegen sind.

Die sechs Geschäftszyklen, die Jennifer Trodler und Jennifer Mannagottera mit ihrer Rucksackproduktion hinter sich gebracht haben, konfrontierten sie auch mit einer ganzen Reihe von Überraschungen, die die Spielmacher eingebaut hatten. So mussten die beiden Managerinnen auf plötzlich nachlassene Nachfrage, aufkommende Konkurrenz, Schwankungen an den Finanzmärkten oder Änderungen bei der Steuergesetzgebung reagieren. Auch wenn die Schülerinnen in den Geschäftsjahren vier und fünf manche Delle in der Bilanz hinnehmen mussten, schipperten sie ihr Unternehmen am Ende dennoch in den sicheren Hafen. "Wir haben auf die Qualität unserer Produkte vertraut, sind mit einem fairen Preis in den Markt gegangen und haben zu keinem Zeitpunkt auf Werbung verzichtet", zeiht Jennifer Trodler ganz fachmännisch Bilanz. Ihre Mit-Geschäftsführerin Jennifer Mannagottera formuliert das etwas weniger businesslike: "Das war 50 Prozent Wissen und 50 Prozent Glück."

Ganz egal, wie man es sieht: Die beiden Schülerinnen der Berufsoberschule wollen ihr Erfolgsrezept auch in der nächsten Stufe des Planspiels beibehalten. Allerdings geht es dann nicht mehr um Trekking-Rucksäcke, sondern - ganz im Zeichen der WM - um die Produktion und den Vertrieb von Fußbällen. Ein Plakat fürs Marketing haben die angehenden Managerinnen bereits gestaltet.

Ob sie später einmal ins Management einsteigen wollen, das wissen Jennifer Trodler und Jennifer Mannagottera noch nicht. "Erst einmal das Fachabitur machen und dann vielleicht ein Studium", sagen die beiden, die bereits eine Ausbildung als Kauffrauen für das Büromanagement und den Einzelhandel in der Tasche haben. Jennifer Trodler kann sich nach der Schule sogar noch eine weitere Ausbildung zur Immobilienkauffrau vorstellen. Vielleicht kann sie in Kürze schon mal ein paar Studien über ziemlich große Immobilienkomplexe treiben - wenn sich die beiden Schülerinnen den Landessieg holen und eine Woche lang in "Big Apple" die Zeit vertreiben.

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Norbert Klüglein

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Veröffentlicht am:
11. 06. 2018
17:06 Uhr

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Norbert Klüglein

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11. 06. 2018
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