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Coburg

Ein Werkzeug gegen die Wegwerf-Gesellschaft

Einmal im Monat treffen sich Hobbybastler und Besucher im Coburger Repair-Café. Jetzt hat man einen Partner im Boot.



Jochen Wenzel und Friedhold Göhring helfen ehrenamtlich im Repair-Café. Hier nehmen sie ein altes Autoradio unter die Lupe. Foto: Hochschule Coburg
Jochen Wenzel und Friedhold Göhring helfen ehrenamtlich im Repair-Café. Hier nehmen sie ein altes Autoradio unter die Lupe. Foto: Hochschule Coburg  

Coburg - An zwei großen Tischen haben sich die Bastler verteilt - umgeben von Werkzeug, Kabeln und Kaffeetassen. Einmal im Monat treffen sie sich in der ehemaligen Direktorenvilla am Schlachthof: Hobbybastler, die ehrenamtlich im Repair-Café arbeiten und Besucher, die ihre kaputten Sachen vorbeibringen. Radios, Kaffeemaschinen oder auch mal ein gebrochenes Stuhlbein.

Jochen Wenzel ist einer der ehrenamtlichen Reparatur-Profis. Heute liegt eine mechanische Uhr vor ihm auf dem Tisch: "Ich will gucken, wo eventuell ein Zahnrad ausgehängt ist, weil sie von alleine nicht mehr läuft. Vielleicht ist auch Staub drin." Der Besitzer der Uhr, ein älterer Herr, guckt Wenzel über die Schulter. So lernt er gleich, wie er die Uhr selbst auseinander schrauben kann.

Hilfe zur Selbsthilfe - das ist die Idee hinter dem Repair-Café. Seit drei Jahren findet es in Coburg statt. "Wir möchten der Wegwerf-Gesellschaft entgegenwirken", erklärt Gründer Frank Eisenwiener. "Vor allem ältere Bürger nutzen das Angebot, weil sie noch einen anderen Bezug zu ihrem Eigentum haben." 22,8 Kilo Elektroschrott produziert jeder Deutsche im Jahr. Dabei sind manchmal nur Kleinigkeiten kaputt. Wie beim Navigationsgerät von Klaus Schulz, dessen Bildschirm schwarz bleibt. "Im Fachgeschäft kriegt man dann zu hören: Kaufen Sie sich gleich ein neues Gerät, wir haben da ein Angebot. Das ist aber nicht mein Ding", sagt Schulz.

Informatikprofessor Dr. Michael Engel, der sich im Repair-Café ehrenamtlich engagiert, hat das Problem schnell gefunden: eine defekte Kabelverbindung. Nach dem Austausch konnte er das Navi wieder starten. "Wenn das Gerät nur ein Jahr weiterläuft, hat man der Umwelt schon etwas Gutes getan", erklärt Engel.

Die Hochschule Coburg ist seit drei Monaten mit im Boot beim Repair-Café, dem sie die Villa am Schlachthof zur Verfügung stellt. Den Makerspace, den sie dort für ihr Projekt "Creapolis" eingerichtet hat, können die Hobbybastler nutzen, inklusive Holz- und Elektronik-Werkstatt, 3D-Drucker und Lasercutter. "Manche Probleme, die wir bisher nur verzögert lösen konnten, können wir hier wesentlich schneller umsetzen", freut sich Eisenwiener. Am Samstag, 8. Dezember, treffen sich die Bastler wieder. Von 14 bis 17 Uhr ist der Makerspace, Schlachthofstraße 1, geöffnet. Die Reparaturen sind kostenlos. Spenden sind willkommen.

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Veröffentlicht am:
05. 12. 2018
17:08 Uhr

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05. 12. 2018
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