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Coburg

Ein bisschen Auerochse

Besondere Rinder haben eine Ganzjahresweide bei Streufdorf bezogen. Und beleben ein grenzüberschreitendes Naturschutzprojekt. Ein Teil der Tiere kommt aus Tambach.



30 Heckrinder werden künftig auf 60 Hektar Fläche in der Bischofsaue bei Streufdorf weiden. Foto: frankphoto.de
30 Heckrinder werden künftig auf 60 Hektar Fläche in der Bischofsaue bei Streufdorf weiden. Foto: frankphoto.de  

Streufdorf/Bad Rodach - Mit ihren mächtigen Hörnern und bulligen Körpern erinnern die Rinder, die in der Bischofsaue bei Streufdorf im Landkreis Hildburghausen Gras weiden, an Auerochsen. Von ungefähr kommt der Vergleich nicht: Es sind Heckrinder, eine Kreuzung aus alten Rassen mit dem Ziel, ein Abbild des ausgestorbenen Auerochsen zu bekommen. Die Rinder haben eine neue Weide bezogen, eine Ganzjahresweide, die am Mittwoch offiziell ihrer bestimmung übergeben wurde. Mit dabei: Vertreter des Zweckverbands Naturschutzgroßprojekt "Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal", des Nabu Thüringen aber auch des Bayerischen Landesbunds für Vogelschutz (LBV), der Unteren Naturschutzbehörde, der Stiftung Naturschutz Thüringen, der Gemeinde Straufhain und der Agrar GmbH.

Heckrinder

Heckrinder sind eine Abbildzüchtung (keine Rückzüchtung) des ausgestorbenen Auerochsen. Die letzte Auerochsenkuf starb 1627 in der Nähe von Warschau. Die Tiere sind nach den Brüdern Heinz und Lutz Heck benannt (Leiter der Tiergärten Berlin und München), die in den 1920er Jahren verschiedene Hausrindrassen kreuzten. Heckrinder eignen sich besonders für die Ganzjahresweide. Sie sind robust, genügsam und wetterfest.

Die Ganzjahresweide in der Bischofsaue verbindet die Bundesländer Bayern und Thüringen. Flächen des LBV Bayern sind integriert wie auch solche der Stiftung Naturschutz Thüringen, der Gemeinde Straufhain, des Landkreises Coburg und einiger Privatbesitzer. Es sind, wie Dieter Franz von der Stiftung Naturschutz betont, wertvolle Flächen: Areale des Nationalen Naturmonuments "Grünes Band" dazu Natur- und Vogelschutzgebiete.

 

"Wir hoffen nun auf eine optimale Entwicklung der Fläche", sagt Stefan Beyer, Projektleiter beim Zweckverband Naturschutzgroßprojekt "Grünes Band Rodachtal - Lange Berge - Steinachtal". Er schätzt, dass auf dem 60-Hektar-Areal (darunter sechs Hektar Weiher) etwa 30 Tiere Platz und Nahrung finden.

17 der Tiere, die zurzeit in der Bischofsaue weiden, kommen aus dem Wildpark Schloss Tambach. Zur Blutauffrischung. Weitere werden von den Teichwiesen umgesetzt. "Nach und nach wird das passieren", sagt Andreas Storch, der bei der Agrar GmbH "Am Straufhain" für die Heckrinder zuständig ist. Die Bischofsaue soll Heimat einer Selektionsherde werden, zu der weder Kälber noch Bullen gehören. Aus ihr werden Tiere geschossen und ihr Fleisch wird - wie heute schon praktiziert - verwertet. Die Nachfrage bei der Agrar GmbH "Am Straufhain" ist groß. Momentan stehen 61 Heckrinder auf den benachbarten Teichwiesen. Dazu haben sich mittlerweile neun Konik-Pferde gesellt.

Von einem "tollen Projekt" spricht Frank Reißenweber, LBV-Kreisvorsitzender in Coburg. Bei den Heckrindern handele es sich um halbwilde Tiere, die man nicht im Stall halten könne. Die Tiere seien nicht aggressiv, könnten sich mit ihren mächtigen Hörnern aber auch gegen Wölfe wehren, die möglicherweise in naher Zeit auch Thüringen und Franken durchstreifen. Die Zahl der Rinder werde begrenzt, es soll nicht zu einer Überbeweidung kommen. Reißenweber: "Hier werden nach Möglichkeit natürliche Verhältnisse geschaffen, das garantiert eine hohe Artenvielfalt."

Die benachbarte Ganzjahresweide "Teichwiesen" ist ein Musterbeispiel dafür: Dort tummeln sich 170 Vogelarten, 44 Tagfalterarten, 22 Heuschreckenarten und viele andere..

"Die Heckrinder sollen dafür sorgen, dass die dortigen Flächen am Grünen Band offengehalten werden", erklärt Stefan Beyer, Durch ihre Lebensweise schafften die Tiere ein Mosaik verschiedenster Lebensräume, das vielen Tier- und Pflanzenarten zu Gute kommt.

Die robusten Rinder, die eingezäunt das ganze Jahr auf dem Areal zubringen werden, gelten als genügsam und wetterfest. Sie haben Tränke und Unterstände. Zufüttern müsse man nun in winterlichen Notzeiten.

Autor

Katja Wollschläger, mf
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Veröffentlicht am:
29. 11. 2018
16:06 Uhr

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Katja Wollschläger, mf

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29. 11. 2018
16:06 Uhr



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