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Coburg

Ein halbes Jahrhundert Hilfe für Greifvögel

Fünf Jahrzehnte schon gibt es die Greifvogel- Auffangstation beim Schloss Neuhof. Gratulanten und Gäste danken dem Leiter Ulrich Leicht.



Viele Gratulanten hatten eine Spende für die Greifvogel-Auffangstation im Gepäck. So auch Elisabeth Leix vom Deutschen Falkenorden. Foto: Katrin Lyda
Viele Gratulanten hatten eine Spende für die Greifvogel-Auffangstation im Gepäck. So auch Elisabeth Leix vom Deutschen Falkenorden. Foto: Katrin Lyda  

Neuhof - Die Greifvogelauffangstation in Neuhof besteht seit 50 Jahren. Sie lebt durch und mit Ulrich Leicht. Ein halbes Jahrhundert schon setzt sich der begeisterte Ornithologe aus Waldsachsen mit Herz und Seele für Greifvögel ein. "Chapeau für das lange Durchhalten", zollt Dr. Andreas von Lindeiner, Landesfachbeauftragter des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), dem 67-Jährigen Vogelfreund Respekt. Seine Fachkompetenz, seine Leidenschaft für die Tiere und sein Durchhaltevermögen verdienten große Anerkennung. Denn: "Der Kern für solch ein Engagement ist Herzblut. Selbst nach 50 Jahren lernt man nicht aus. Außerdem halten sich die Viecher nicht an normale Dienstzeiten", bemerkte von Lindeiner bei der Feierstunde im Innenhof der der ehemaligen Gärtnerei des Schlosses.

Auch die anderen Redner und Ehrengäste waren des Lobes voll: "Unschätzbaren Wert" bescheinigte Landtagsabgeordneter Michael Busch (SPD) der Station und richtete Grüße des bayerischen Umweltministers Thorsten Glauber (FW) aus. Coburgs dritter Bürgermeister Thomas Nowak (SPD) dankte Ulrich Leicht für die geleistete Arbeit in der Station, die zum Gebiet der Vestestadt gehört. Eigentümer des Grundstücks und Verpächter sind die Bayerischen Staatsforsten, für die Betriebsleiter Albert Schrenker einen Blick in die Geschichte der Anlage warf: Das Areal sei 1865 als Kirschgarten des Schlosses angelegt worden, es beherbergte Blumen, Gemüse und Palmen, die teilweise in Gewächshäusern gezogen wurden. Der Forstmann offerierte 25 Festmeter Holz auf Abruf als handfestes Geschenk für Bauten und Volieren.

Einen symbolischen Scheck über 1000 Euro überreichte Elisabeth Leix, Bundesvorsitzende des Deutschen Falkenordens. Der Naturschutzverband vertritt die Interessen von Falknern in Deutschland. Leix, die aus Oberfranken stammt und in früheren Jahren der Neuhofer Greifvogelstation sehr verbunden war, dankte Ulrich Leicht für seine "großartige Naturschutzarbeit". Anerkennung gab es auch aus Thüringen, denn verletzte Vögel aus dem Nachbarbundesland werden ebenfalls in Neuhof angenommen und aufgepäppelt. Sabine Becker von der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Hildburghausen sprach Ulrich Leicht dafür den Dank der Behörde aus.

Nun war Ulrich Leicht an der Reihe, den Gästen und Gratulanten einige Einblicke in seine Arbeit zu geben. Rund 50 verletzte Vögel hat er in diesem Jahr bereits angenommen, nicht alle bringt er durch. Manche sind so schwer verletzt, dass noch bei der Erstuntersuchung beim Tierarzt eine harte Entscheidung fallen muss. In jedem Fall benachrichtigt Leicht den Finder, was mit dem Tier passiert. Kann es nach der Genesung in die Freiheit entlassen werden, darf der Finder dabei sein, wenn er dies wünscht. Als sein eindrucksvollstes Erlebnis schildert der Mönchrödener die Begegnung mit zwei Fischadlern: Der eine war bei Schlettach in einen Teich gefallen und kam nicht mehr heraus, der andere in einen Fischzuchtteich bei Seidmannsdorf. Leicht päppelte die Vögel, von denen der eine in Schweden beringt worden war, ein paar Wochen lang auf, bevor er sie in die Freiheit entlassen konnte.

Unfälle, falsche Haltung, aber auch kriminelles Vorgehen gegen die Tiere, etwa durch Gift, verschaffen der Station ihre Patienten. Was dem Vogelfreund am meisten zu schaffen macht, ist wenn ein Tier nicht mehr zu retten ist. Käfighaltung kommt für die Wildvögel in Neuhof nicht in Frage. Denn: "Der Vogel hat nur ein Streben, und das ist die Freiheit", sagt Leicht. Um dies zu untermauern, lässt der Vogelfreund das letzte Jungtier aus einer Brut von Turmfalken vor den Augen seiner Gäste frei.

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Katrin Lyda
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Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
17:44 Uhr

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Katrin Lyda

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Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
17:44 Uhr



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