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Coburg

Ein unzumutbares Örtchen

Die Toilette auf dem Friedhof in Bad Rodach scheint gottverlassen. Besucher weichen daher teils ins Gebüsch aus. Die Stadt prüft jetzt, wie es weiter gehen soll.



Rüdiger Wiesert ärgert sich seit Langem über den Zustand des öffentlichen WCs am Friedhof. Bisher sei er auf taube Ohren gestoßen. Fotos: Arnold
Rüdiger Wiesert ärgert sich seit Langem über den Zustand des öffentlichen WCs am Friedhof. Bisher sei er auf taube Ohren gestoßen. Fotos: Arnold  

Bad Rodach - Rüdiger Wiesert hält sich häufig auf dem Friedhof auf und kennt die Abläufe dort gut. Besonders im Frühjahr seien viele ältere Frauen mit dem Bepflanzen der Gräber beschäftigt, sagt er. Doch vor allem die älteren Leute hätten ein Problem, weiß Wiesert und damit meint der 71-jährige den Zustand der Friedhofstoilette. "Das WC ist wie im Mittelalter, es fehlt nur noch das Plumpsklo, einfach untragbar", sagt der pensionierte Zollbeamte.

Das öffentliche WC ist in einem Häuschen der Stadtwerke Bad Rodach beherbergt und befindet sich direkt am Eingang des Friedhofs neben der katholischen Kirche. Dort sind auch ausreichend Parkplätze für die Besucher, einige Stufen führen zum Friedhof und zum stillen Örtchen. Um die große Stufe von der Toilettentür zum Boden zu überwinden, liegt davor ein Stein. Und damit stehen die Besucher vor der ersten Hürde: Für Menschen mit Behinderungen oder ältere Bürger sei es kaum möglich überhaupt in die Toilette zu gelangen, sagt Wiesert.

Wer es tatsächlich in den Raum schaffen sollte, der erlebe den nächsten Schock, sagt der Rentner und öffnet die Tür. Tatsächlich mutet die Örtlichkeit wie aus der Zeit gefallen an und erinnert an die Raststatttoiletten der 1970-er Jahre. Putzlappen und Bürste scheinen das Porzellan lange nicht berührt zu haben, Spinnweben haben sich breit gemacht. Das stille Örtchen ist verschmutzt und alles andere als einladend. "Da liegt sogar noch das Laub vom vergangenen Jahr auf der Fensterbank", sagt Wiesert.

Sollten die Besucher tatsächlich die Toilette benutzen, haben sie keinerlei Möglichkeit sich die Hände zu waschen. Auch ein Waschbecken, Seife und Handtuch fehlen. "Im Sommer benutzen manche die Wasserhähne im Friedhof, aber im Winter geht das nicht", sagt Wiesert. Er habe sogar schon mitbekommen, dass vor lauter Verzweiflung das Gebüsch für die Notdurft zweckentfremdet wurde. Für eine reiche Stadt wie Bad Rodach, sagt Wiesert, sei das kein Zustand. Die Stadt mache viel für Touristen, werbe als Perle am grünen Band, habe das Netzwerk "Bad Rodach begeistert", aber lasse die Toilette am Friedhof verkommen.

Wiesert habe den Zustand mehrfach im Rathaus vorgetragen, auch Stadträte darüber informiert und sei auf taube Ohren gestoßen. "Es geht in das eine Ohr rein und aus dem anderen wieder raus", kritisiert er. Die Bürger, allen voran die Senioren, bräuchten aber eine ordentliche Toilette mit behindertengerechtem Zugang. Die nächste öffentliche Toilette sei zwar am Kupfersturm, aber nach der Meinung von Wiesert ist das zu weit entfernt. "Das ist doch eine Zumutung, wenn man dringend muss und dort hinlaufen soll", meint er. Das Bepflanzen der Gräber nehme ja oft längere Zeit in Anspruch und da sollte ein WC in der Nähe sein.

"Die Toilette am Friedhof ist natürlich kein Aushängeschild für unsere Stadt", räumt Uwe Schmidt, Hauptamtsleiter der Stadt Bad Rodach ein. Man sei darauf angewiesen, dass so was gemeldet werde. "Wir bedanken uns für den Hinweis und werden eine Lösung finden", versichert er telefonisch. Falls das WC weiter betrieben werden sollte, werde die Anlage zeitgemäß auf Vordermann gebracht und ein Reinigungsservice eingesetzt, sagt er.

In der Zwischenzeit habe Bürgermeister Tobias Ehrlicher die Toilette schließen lassen, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Stadt. Wie das Rathaus mitteilt, werde in der nächsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses darüber entschieden, ob und unter welchen Bedingungen das WC wieder geöffnet werden soll. Das öffentliche WC am Kupfersturm sei nur wenige 100 Meter entfernt und könne genutzt werden. Dieses werde regelmäßig gereinigt, heißt es.

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Gabi Arnold
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Veröffentlicht am:
07. 05. 2019
17:12 Uhr

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07. 05. 2019
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